Theater und Orchester Heidelberg
Foto Tommy Hetzel

Schnee Weiss (Die Erfindung der alten Leier)

von Elfriede Jelinek in der Regie von Stefan Bachmann, Schauspiel Köln

Auf dem Internationalen Flughafen in Kuala Lumpur: Als der Halbruder des nordkoreanischen Präsidenten auf einem der Terminals einchecken will, nähern sich von hinten zwei Frauen und umarmen ihn. Auf den Überwachungsvideos sieht das alles spielerisch, freundlich aus, als führten sie einen kleinen Tanz auf. Wenig später bricht der Mann tot zusammen. Der Vorfall könnte der verheißungsvolle Beginn einer Geschichte sein. Jelinek indessen beschließt ihre Geschichte nach fast hundert Seiten auf verblüffende Weise mit eben diesem Auftritt moderner Mänaden. Es ist ein Cliffhanger. Fortsetzung folgt.
Zuvor aber jagt sie uns durch Schnee, Eis, Gebirge, erlegt die eine oder andere heilige Kuh und zielt ins finstere Herz unserer Zeit. Als im vergangenen Jahr die ehemalige Skiläuferin und österreichische Abfahrtsmeisterin Nicola Werdenigg Machtmissbrauch und sexuelle Übergriffe während der 70er- und 80er-Jahre in österreichischen Skiinternaten, in Trainingslagern und auf Wettkämpfen öffentlich machte, erschütterte sie eine der Grundfesten des nationalen Selbstbewusstseins Österreichs.

Mit »Schnee Weiß« gelingt es Jelinek, ein literarisches Vexierbild zu entwerfen, das bei wechselnden Perspektiven eine Vielzahl anderer, verborgener Bilder offenbart und deren Betrachtung immer wieder zu schockierenden Erkenntnissen führt.

Besetzung

Regie Stefan Bachmann | Bühne und Kostüme Jana Findeklee, Joki Tewes | Komposition und musikalische Einrichtung Gajek | Choreografie und Körperarbeit Sabina Perry | Licht Michael Gööck | Dramaturgie Beate Heine
Mit Margot Gödrös, Simon Kirsch, Lola Klamroth, Peter Knaack, Nikolay Sidorenko, Sabine Waibel

Videos

Schnee Weiss

Trailer des Schauspiel Köln