Theater und Orchester Heidelberg

The Black Rider

Musical von William S. Burroughs, Tom Waits und Robert Wilson

  • Archiv – Spielzeit 2014|15

  • Wiederaufnahme

    Alter Saal+

Deutsch von Wolfgang Wiens

Ein einziger Schuss trennt Wilhelm von der Frau seines Herzens, denn nur einem treffsicheren Schützen möchte Förster Bertram sein Käthchen zur Frau geben, und eigentlich war er sich sicher, der Jägersbursche Robert wäre der richtige Kandidat. Wilhelm bekommt eine Chance, den strengen Förster zu überzeugen, und soll mit einem Probeschuss seine Treffsicherheit unter Beweis stellen; doch bei seinen heimlichen Schussübungen im Wald versagt er kläglich. Ein mysteriöser Stelzfuß versorgt ihn mit den richtigen Geschossen: Der junge Schütze erhält Kugeln, die niemals ihr Ziel verfehlen. So ist Wilhelm sicher, seine Geliebte zu gewinnen. Doch bei einer der Kugeln kann er das Ziel nicht selbst bestimmen … Ein teuflischer Pakt!

Die durch die Weber-Oper legendär gewordene Freischütz-Sage bot Regisseur Robert Wilson, Pop-Idol Tom Waits und dem Schriftsteller William S. Burroughs die Vorlage für das schaurigschöne Musical The Black Rider. Paul-Georg Dittrich holt die skurrile Traum- und Sagenwelt auf die Bühne des Alten Saals und verführt zu einem musikalischen Höllenritt.

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THE BLACK RIDER

Trailer von Bernhard Kleine-Frauns

Pressestimmen

  • In einen »schrill-schaurigen Urwald voller universeller Irrungen und Wirrungen« sah sich Heribert Vogt entführt und schreibt für die Rhein-Neckar-Zeitung 823.04.2013) weiter, die Freischütz-Story treffe »hier auch den heutigen Nerv der Zeit in einer äußerst unübersichtlichen Welt«. Josepha Grünberg sei als Förstertochter eine »Mischung aus Punkgirl und Pippi Langstrumpf mit röhrender Stimme im emotionalen Schleudergang, während Florian Mania den braven Wilhelm als Ausbund an Naivität und Einfalt darstellt«. Die vom »mephistophelischen Stelzfuß« Steffen Gangloff dargebotenen Songs gehörten »zu den besten des Abends«. Fazit der Kritik: »Im Ganzen trotz oder gerade wegen der Bühnenturbulenzen ein nachdenklich stimmender Abend insbesondere voller rätselhafter, vielfältig deutbarer Bildlichkeiten, die von faszinierenden Klangwelten der fünf Musiker unter Leitung von Willi Haselbek begleitet werden. Dabei mäandern die zahlreichen von Mitgliedern des Heidelberger Schauspielensembles gekonnt dargebotenen Songs in einem krassen Wechselbad der Gefühle zwischen Sinnlichkeit sowie Melancholie. – Und dafür gab es starken Applaus.«

     

    »Zur virtuosen Musik aus dem als Schwimmbecken getarntem Orchestergraben« reüssiere »rauchig-derb vor allem Katharina Quast als Puffmutter im Sängerfach«, schreibt Dennis Baranski im Mannheimer Morgen, doch auch die Übrigen würden »nicht weniger brillieren«: »Zum Beatgeboxe von Martin Wißner« stelle Fabian Oehl »als Hip-Hopper selbstbewusst seine ›Credibility‹ unter Beweis«, »idealbesetzt« als Wilhelm sei Florian Mania, »ängstlich und eingeschüchtert, darüber aber wild entschlossen« und »herrlich schräg« Josepha Grünberg als Käthchen.

     

    »Action heißt das Zauberwort des Abends« schreibt Eckhard Britsch im Opernnetz (23.04.2014), das »einsatzfreudige Ensemble« spiele »sich und das Publikum schwindelig«. Die Band mache »ordentlich Dampf«, habe »Power und instrumentalen Pfiff«. »Intensiv« die Darstellung von Steffen Gangloff: »seine Songs lassen sich hören«, auch die anderen Rollen seien »charakterisierend« besetzt. »Hoch zufrieden« sei das Premierenpublikum mit dem Abend gewesen.

     

    Der Zuschauer könne seinen Blick »nicht von der Bühne wenden« schreibt Heide Seele im Badischen Tagblatt (24.04.2014), denn in der »schwungvollen Inszenierung« sei »ständig was los«. Zum »Drive der Aufführung« trüge auch die Drehbühne bei, außerdem die Band, die »starken Sog« ausübe und eine »perfekt abgerundete Ensembleleistung«. In der Kritik hervorgehoben werden besonders die »umwerfende« Leistung des »körpergewandten« Martin Wißner, der »zwielichtig-sinistre« Steffen Gangloff, Florian Mania mit »überdrehter Tumbheit« und Josepha Grünberg als »ungebärdig-schrille Göre«.

     

    Einen »unterhaltsamen und kurzweiligen Abend, der vor allem dem rostigen Charme der Waits-Musik gewidmet ist«, sah Thomas Wolff und berichtet im Darmstädter Echo (30.04.2014) weiter, diese käme »prächtig zur Geltung«. Dazu habe es noch »buntes Theater« gegeben. »Beherzt« und in »guter Form« habe die Kapelle musiziert, ebenso die Schauspieler. Zu spielen hätten sie »vor allem grelle, schlichte Typen, charakterstark aber klingt ihr Gesang«. Andreas Seifert verströme »knurriges Waits-Timbre«, Josepha Grünberg zeige eine »kraftvoller Görenstimme«, Steffen Gangloff packe »eine Bluesrock-Röhre aus, die schön schaudern lässt«. »Da würde ein Tom Waits zufrieden grinsend im Parkett sitzen und Szenenapplaus geben – den gab es bei der Premiere öfter nach den Musiknummern. Und viel herzlichen Beifall nach dem letzten Schuss.«

     

    Ein »mitreißendes, kunterbuntes Spektakel« erlebte Britta Steiner-Rinneberg und schreibt im Rhein-Main-Taunus Magazin (03.05.2014), das »stark engagierte« Ensemble und die »trefflichen Musiker« hätten der »tollen Show den erforderlichen Dirve und Sound« verliehen und das Publikum »von Anfang bis Ende« gefesselt. »Witzige Einfälle« in der Szenerie und »herrliche meschugge« Kostüme hätten dazu ebenso beigesteuert wie die Leistungen der Sänger-Darsteller: »Steffen Gangloff fesselt als behänder, kraftstrotzender, rockender Stelzfuß, der sängerisch wie darstellerisch aufhorchen lässt«, Josepha Grünberg habe als »kesse Rockröhre Käthchen« bestochen.