Theater und Orchester Heidelberg

Trommeln in der Nacht

von Bertolt Brecht

Das Stück Spartakus, wie Trommeln in der Nacht ursprünglich hieß, entstand unmittelbar unter dem Eindruck der revolutionären Ereignisse in Bayern Ende 1918 und den Nachrichten vom Scheitern des Spartakus-Aufstandes in Berlin im Januar 1919. Es schildert den Kampf eines schon tot geglaubten Kriegsheimkehrers um seine Braut, »und die Revolution in den Zeitungsvierteln spielt auch eine Rolle«. Die Komödie spielt in einer Januarnacht des Jahres 1919. Andreas Kragler kehrt aus dem Krieg zurück zu seiner Braut Anna, die sich gerade mit dem Jungunternehmer Murk, der sie geschwängert hat, auf Drängen ihrer Eltern verlobt. Diese haben mit ihrer kleinen Fabrik im Krieg mit der Produktion von Geschosskörben Gewinn gemacht und stellen nun auf die Herstellung von Kinderwagen um. Die kleine Verlobungsgesellschaft, einschließlich Kragler, wird im Laufe des Abends und der Nacht in den Strudel der Spartakusaufstände gezogen. Kragler schwankt kurz zwischen revolutionärem Aufbruch und Rückzug ins private »Glück« und wählt statt der Politik das (nicht mehr ganz) weiße Bett Annas, die sich zu ihm bekennt. Der junge Brecht drückt hier mit satirischen Mitteln sein Unbehagen gegen das Kleinbürgertum, den Patriotismus, den Krieg und die große Liebe und die bürgerliche Gefühlskultur aus; vergisst aber auch nicht, die November-Revolutionäre kritisch unter die Lupe zu nehmen.

Besetzung

Bilder


Pressestimmen

  • Für den Mannheimer Morgen (23.09.2013) besuchte Ralf-Carl Langhals die Premiere im Zwinger1 und bedauert, den Abend nicht im Marguerre-Saal erlebt zu haben. Regisseur Schultze habe sich für die Komödie, nicht die Tragödie entschieden und der »gemäßigte Boulevardrealismus« des ersten Teils funktioniere »glänzend«, vor allem Dank Hans Fleischmann und Hedi Kriegeskotte als Elternpaar Balicke. Besonders fielen dem Kritiker auch Martin Wißner in der Rolle des Kragler (»spielt ihn zornig und vielschichtig als Menschen, der nur noch sein altes Leben zurückhaben will«) und die kleineren Rollen im zweiten Teil (»großartig aufspielendes Revoluzzergesindel«) auf. Der Abend sei »intensiv gearbeitet« und hebe sich »mit seinem Abbildungs- und Spieldrang (…) wohltuend vom Remmidemmi des derzeit Branchenüblichen ab«.

    Auch Volker Oesterreich (Rhein-Neckar-Zeitung, 23.09.2013) empfindet es als »Wohltat«, eine werktreue Regie und »kein zwanghaft übergestülptes Konzept serviert zu bekommen. Es wird Brecht pur ausgeschenkt«. Gewürdigt werden die Leistungen des Schauspielensembles (»jede Menge Milieustudien«) wie der Gäste (Hedi Kriegeskotte als »Salonschlange« – »gut für die Produktion«) und der beiden neuen Ensemblemitglieder in den Hauptrollen (Wißner und Waidmann präsentierten »ein vielfarbiges Gefühlskaleidoskop«). Einen »Extraapplaus« verdiene der Musiker Willi Haselbek: »Mit seinen dezenten Klängen setzt er Akzente, die ihre suggestive Wirkung nie verfehlen.«

    »Bemerkenswert« findet Jürgen Berger in der Rheinpfalz (24.09.2013) den Einstand der neuen Ensemblemitglieder Nanette Waidmann als Anna und Martin Wißner als Andreas. »Die junge Schauspielerin wechselt ganz problemlos Atmosphären und Stimmungen, und das ist genau so überzeugend wie der erste Auftritt von Martin Wißner (…) ein vom Krieg gezeichneter junger Mann, der den harten Kerl nur spielt. Man glaubt ihm, wie sehr er sich im fernen Afrika zu Anna hin sehnte und wie heftig er nun leidet, da alles umsonst gewesen zu sein scheint.« Beide Darsteller würden die Inszenierung tragen, »die Brechts zentrale Liebesgeschichte schnörkellos erzählt. Holger Schultze inszeniert eher zurückhaltend und verlässt sich ganz auf seine Schauspieler und die Sprachmächtigkeit des Herrn Brecht. Schlecht gefahren ist er damit nicht.«

    Für das Darmstädter Echo (28.09.2013) sah Stefan Benz eine »starke Spießer-Satire« gefolgt von einer »aufgeregten Revolutionsdebatte« und bemerkt, »Trommeln in der Nacht« sei heute durchaus ein interessantes Stück: »In Heidelberg zeigt Intendant Holger Schultze auf der Zwinger-Bühne, dass sich dieses Frühwerk sehen lassen kann.«