Theater und Orchester Heidelberg

Un ballo in maschera

Melodramma in drei Akten von Giuseppe Verdi

Libretto von Antonio Somma
Nach dem Libretto von Eugène Scribe zur Opéra-historique Gustave ou le bal masqué von Daniel François Esprit Auber

In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Die wahren politischen Triebkräfte sind privater Natur – jedenfalls nicht selten bei Giuseppe Verdi. In Un ballo in maschera verknüpft er die historische Vorlage des Attentats auf den schwedischen König Gustav III. mit einer Liebesgeschichte: Gouverneur Graf Riccardo und Amelia, die Frau seines treuen Vertrauten Renato, sind einander in heimlicher Liebe zugetan. Sie entscheiden, einander zu entsagen; Renato aber entdeckt ihre Liebe. Eine Verschwörung gegen Riccardo wird ihm zum Instrument seiner Rache: Bei einem Maskenball am Hofe ermordet er den Grafen.

Wie in vielen seiner Opern fängt Giuseppe Verdi auch in dieser fatale Ironien ein, die der Verstrickung von Achtlosigkeit, riskantem Spiel und überspitzter Leidenschaft erwachsen. Seine gefährdete Lage missachtend, gibt Riccardo sich selbstvergessen seinen Gefühlen für Amelia hin. Renato verliert den Boden unter den Füßen, als er die Liebe zwischen Frau und Freund erkennt; wird vom Liebenden zum Hassenden, keines Hinschauens, keines Gesprächs mehr fähig. Und so bestimmen Fehldeutungen, Verstellungen und Unausgesprochenes das Geschehen; so ermordet Renato den Freund in dem Moment, in dem dieser ihm im Verzicht auf Amelia seine Treue zeigt.

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Un ballo in maschera

Trailer von Bernhard Kleine-Frauns

Pressestimmen

  • Für die Deutsche Bühne (24.01.2014) besuchte Detlef Brandenburg die Premiere und konstatiert: »Welches Werk in welcher Inszenierung auch immer die Oper Heidelberg ansetzt: Meist lohnt es sich, hinzufahren. Denn man kann hier darauf rechnen, dass hervorragend gesungen wird.« Eine Hoffnung, die er erneut erfüllt sieht: Er habe seine »helle Freude« gehabt an »der emphatisch gestaltenden Amelia der jungen Koreanerin Hye-Sung Na, am virilen, herb timbrierten Riccardo des Australiers Angus Wood, an dem geradezu luxuriös brillanten Oscar der Kanadierin Sharleen Joynt« und am »bestens präparierten« Opernchor. In Heidelberg bestehe zudem eine »echte Ensemblekultur« die »mitreißende Höhepunkte« entwickelt habe.

     

    Der Mannheimer Morgen (Stefan Dettlinger, 24.01.2014) zeigt sich angetan von einer »starken« Inszenierung, die »Leichtigkeit und packende Tiefe« verbinde: »Aus Spiel und Spaß werden Ernst und Tragödie, und es gehört zu den großen Leistungen von Kims Regie (…), wie wir unmerklich vom oberflächlichen Zuseher einer Aufführung zum Hineinseher und Durchleuchter der Geschichte, ihrer Protagonisten und deren psychologischen Verstrickungen werden.« Hinzu käme eine »geschmackvolle Bühnen- und Kostümästhetik (…), die sensibel mit Farben und Formen« umgehe. Auch von Musik und Sängern zeigt sich der Kritiker beeindruckt: Angus Wood sei als Riccardo »ein Glücksfall«, ein »charismatischer Publikumsliebling« mit »fein schimmerndem Tenorschmelz, den er mit beseelter, bisweilen herzerschütternder Italianità in leuchtende Phrasen« gieße. Er und Hye-Sung Na seien die »Stars des Abends«. Na als Amelia sei »formidabel«: »Sie hat Substanz, Schönheit, Eleganz und eine beeindruckende Leichtigkeit in der Höhe«. Lob auch für Matias Tosi als Renato, mit einer »in ihrer brillanten Grundbeschaffenheit … überaus beeindruckenden« Stimme und für Sharleen Joynt als Oscar, die mit »Vielfarbigkeit und virtuosen Koloraturen« überzeuge.

     

    Das Regieteam sei »zu Recht gefeiert« worden, schreibt Matthias Roth in der Rhein-Neckar-Zeitung (25.01.2014), die Regisseurin habe kein »Konzept über das Stück gestülpt«, sondern sich ganz auf die Musik und das Ensemble verlassen und »psychologisch aus den Figuren heraus« inszeniert, sie »geradezu subtil« modelliert, ihre Zerissenheit »stilvoll geformt«. Ein »stimmlich wunderbar aufeinander abgestimmtes Vokalensemble« mit »erstklassig besetzten Hauptrollen« habe die Oper gestaltet, auch der Chor habe »differenziert und ausdrucksstark« gesungen. Bühne und Graben hätten »klanglich ausgeglichen« zusammengearbeitet, das Orchester »spielte gelöst, aber sicher und prägnant und gestaltete solistische Aufgaben (…) mit Hingabe«.

     

    »Man ist gepackt und gerührt« lautet das Fazit von Susanne Benda in den Stuttgarter Nachrichten (25.01.2014). Regisseurin Yona Kim habe »großes Gespür« bewiesen und ein »intelligentes Spiel« zwischen Maske und Wirklichkeit inszeniert. »Mit Provinz« habe die Sänger-Besetzung »nichts zu tun«: Angus Wood sei ein Tenor mit »großer Strahlkraft und feinen Farben«, Hye-Sung Na zeige einen »wunderschön klaren Sopran«, Mathias Tosi besteche mit »ausdrucksvollem Bariton«, Sharleen Joynt singe sich »mühelos« durch ihre »kapriziöse, hochvirtuose Partie« und Anna Peshes zeige »sanfte, farbenreiche Tiefe«.

     

    In der Rheinpfalz (25.01.2014) zeigt sich Frank Pommer begeistert: »ein musikalisch und szenisch überzeugender Abend« mit »fantastischen Sängerleistungen« und einer »schlüssigen, bisweilen hoch spannenden« und »sorgfältig gearbeiteten Inszenierung« sei in Heidelberg gelungen. Mit »Brillianz« und »mitreißendem Schwung« sei musiziert worden und die Regie habe die Sänger zu »darstellerischen Großtaten« angeleitet. Diese hätten »stimmliche Höchstleistungen gezeigt«: Angus Wood mit »strahlendem Glanz« der Stimme und »glaubhafter« Figurengestaltung, Hye-Sung Na rühre »mit ihrer auch in der Höhe nie zu Schärfen neigenden wunderschönen Stimme zu Tränen«. »Großartig« auch Anna Peshes, Matias Tosi, Sharleen Joynt und der »bestens aufgelegte« Chor.

     

    Eine »musikalisch packende und in den Hauptrollen glänzend besetzte Premiere« beschreibt Britta Steiner-Rinneberg im Rhein-Main-Taunus-Magazin (29.01.2014). Unter Dietger Holms »klug differenzierter, sicherer Stabführung« habe das Philharmonische Orchester einen »melodienreichen, und in starken Farben leuchtenden Verdi« »expressiv und packend« zu Gehör gebracht. »Wunderbar« das große Duett zwischen Riccardo und Amelia, ein »ideal aufeinander abgestimmtes Sängerpaar« seien Angus Wood und Hye-Sung Na, die mit »koloraturensicherem Sopran und introvertiertem, schlichten Ausdruck« gesungen habe. »Hervorragend« Matias Tosi als Renato, »glänzend« Anna Peshes als Ulrica und Sharleen Joynt als Oscar.

     

    Im Opernfreund (25.01.2014) bemerkt Ludwig Steinbach, das Musiktheater in Heidelberg habe sich wieder als »Garant für hohe Qualität« erwiesen: »Eine hervorragende modern-innovative Regie und ausgezeichnete Sängerleistungen ließen diesen gelungenen Abend zu einem Ereignis werden.« Der Kritiker sah eine »gut durchdachte und versiert umgesetzte« Inszenierung mit einer »abwechslungsreich und stringent in Szene gesetzten« Handlung. Höchstes Lob auch für das »hervorragende Ensemble«: »Ein Hochgenuss war es, den Sänger/innen zuzuhören.«

     

    Von einem »angenehmen, nachhaltigen Opernabend« mit einer »stimmigen und konsequenten« Arbeit des Regieteams berichtet Eckhard Britsch im Opernnetz (24.01.2014). Auch ihn überzeugt die Leistung des Sängerensembles: »Renato, der zum Mörder an Riccardo wird, findet im argentinischen Bassbariton Matias Tosi einen Darsteller-Sänger, der viele Trümpfe in Stimme und Darstellung hat. Quirlig agiert Sharleen Joynt in der Hosenrolle des Oscar, eine bezaubernde Erscheinung mit messerscharfen Koloraturen. Perfekt und hervorstechend Anna Peshes als Wahrsagerin Ulrica: Ihre Altstimme hat Sitz und Ausdruck, jede Mäkelei wäre verfehlt.«