Theater und Orchester Heidelberg

V.E.R.D.I. – Operngala

Mit Musik von Giuseppe Verdi, Gioachino Rossini und Daniel-François-Esprit Auber

Noch heute verblüfft die Selbstverständlichkeit, mit der Verdis Name als politische Parole im Kampf um die nationalstaatliche Einigung Italiens verwendet werden konnte, als Abkürzung für Vittorio Emanuele Re d’Italia vor der Proklamation des piemontesischen Herrschers zum ersten König des vereinten Italiens im Jahre 1861. In der jüngeren Verdi-Forschung deutet aber vieles darauf hin, dass die über anderthalb Jahrhunderte angenommene politische Dimensionen von V.E.R.D.I. zu einem erheblichen Teil Ergebnis eines in den 1860er-Jahren retrospektiv konstruierten Mythos ist, um die Widersprüche der in zahlreiche Fraktionen zersplitterten italienischen Einigungsbewegung zu kitten. Ähnliche Ambivalenzen lassen sich in Rossinis Selbststilisierung zum musikalischen Vordenker der Julirevolution in Frankreich ausmachen und in der Wirkung von La muette de Portici, der Oper, die zum Fanal für die belgische Revolution von 1830 wurde. Nachdem wir uns im Februar in einem Symposion mit den politischen Dimensionen des zeitgenössischen Musiktheaters beschäftigt haben, wollen wir in V.E.R.D.I. der Wechselwirkung von Oper und Gesellschaft im 19. Jahrhundert nachgehen – anhand von Meisterwerken wie Nabucco, La battaglia di Legnano, I Lombardi, Don Carlos, Mosè in Egitto und La muette de Portici.

Besetzung