Theater und Orchester Heidelberg

Voiceck

nach Motiven aus Georg Büchners Woyzeck
von und mit der Gruppe Laokoon

  • Archiv – Spielzeit 2014|15

  • Uraufführung

    Zwinger 1+

im Anschluss Publikumsgespräch

»Man müsst’s sehen, müsst’s greifen könne mit Fäusten«, sagt Büchners Woyzeck und meint damit die Stimmen, die ihn verfolgen und die ihn ahnen lassen, dass die Gesellschaft seltsam »hohl« ist, unterwandert wird. Wer immer heute derartiges kundtut, wird als paranoid abgetan oder endet wie Woyzeck als »interessanter Casus« für die Medizin: Das ist das eigentliche Morden, das abseits des Spektakels geschieht: eine schleichende Ent-Mündigung, die es nicht in die Nachrichten schafft. Mundtote liegen schließlich nicht als blutige Leichen auf der Straße und sind doch gerade in der mexikanischen Gesellschaft  allgegenwärtig − wenn man genauer hinhört. Was aber ist es, das die Menschen ent-mündigt? Wimmelt es nicht überall von Stimmen? Doch was spricht da? Woher stammen die Stimmen? Was hat Chabelo damit zu tun, der über 80-jährige Entertainer, den in Mexiko jeder als »Freund aller Kinder« kennt? Und was eine Insel, auf der Hunderte Puppen an Bäume genagelt verrotten? Fliegen die Wiener Sängerknaben wirklich 9 748 Kilometer nach Mexiko, nur um zwei Konzerte zu geben? Warum sehnen sich plötzlich alle nach den »reinen Stimmen«? Was hat es mit der amerikanischen Organisation auf sich, die eine künstliche Stimmbandproduktion betreibt? Oder führt die Spur gar nach Deutschland?

Das Material, das die Gruppe Laokoon für ihre Ermittlung unter dem Codewort VOICECK nutzt, besteht aus dokumentarischen Ton- und Videoaufnahmen, die die »Ernst Busch«-Absolventen Moritz Riesewieck und Tina Ebert zusammen mit dem mexikanischen Performer Luis Alberto Rodríguez während einer mehrmonatigen Recherche in Mexico City und Monterrey machten. Zusammen mit dem Publikum vor Ort und im Livestream will die Gruppe das Rätsel lösen, wer oder was hinter den Stimmen steckt, die nicht nur Woyzeck hört.

Die Gruppe Laokoon wurde von Moritz Riesewieck und Tina Ebert, Absolventen in Regie und Dramaturgie an der HfS Ernst Busch, gegründet. Laokoon, von griech. laós [Krieger] und koeo [schauen], ist der Name eines trojanischen Priesters. Er sieht als einziger den Betrug und die Gefahr, die das hölzerne Pferd in sich verbirgt. »Uns interessieren nicht die entsetzen Augen der Trojaner im Moment der Erkenntnis. Uns interessiert der Blick von Laokoon, der das Mögliche sah, das alle für unmöglich hielten.«

Eine Kooperation mit dem Theaterdiscounter Berlin und der Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch«
Mit Unterstützung durch DAAD, Deutschlandfunk und Deutschlandradio Kultur

Besetzung

Regie Moritz Riesewieck
Performance Luis Alberto Rodriguez und Franz Hartwig 
Dramaturgie Tina Ebert
Ausstattung Teresa Grosser
Video Roman Kuskowski
Licht Christian Maith
Sound Felipe Sanches Luna
Assistenz Jelena Kern
Übersetzung María Fernández Aragón
Künstlerische Mitarbeit Markus Nowak