Theater und Orchester Heidelberg

Weil sie nicht gestorben sind

von Hannah Zufall
Deutsches Theater Göttingen, Regie Brit Bartkowiak

  • Archiv – Spielzeit 2016|17

  • GastspielUraufführung

    Alter Saal+

im Anschluss Publikumsgespräch

Es war einmal eine Zeit, und es war eine sehr aufregende Zeit, als Märchen nicht zwischen Buchdeckel gepresst, sondern frei mäandernd in aller Munde waren. Eine Zeit, in der Märchen für Erwachsene erzählt wurden. Und sich nicht von der Romantik in lieblich kolorierte Welten und vom Biedermeier in pädagogisch wertvolle Rollen zwängen ließen. Was also, wenn sich die Märchenfiguren aus den grimmschen Geschichten lösen und sich selbst wieder neu erzählen? Wenn Allerleirauh nicht nur ihrem Vater, sondern auch den Grimms trotzt. Wenn aus vogelfreien Fabelwesen mündige Gestalten aus Fleisch und Blut werden. Wenn Brüderchen und Schwesterchen ihre eigene Geschichte erfinden wollen. Und wenn die sieben Raben von einer abgeklärten Schwester befreit werden, die längst begriffen hat, nach welchen Regeln in der Märchenwelt gespielt wird. In Hannah Zufalls Neubearbeitung der Volksmärchen Allerleirauh, Brüderchen und Schwesterchen und Die sieben Raben wissen die Figuren um ihre Fiktionalität und setzen sich mit der Allgegenwärtigkeit ihrer Autoren auseinander. Dabei loten die drei Märchendramen die Möglichkeiten märchenhafter Leerstellen aus: Je mehr Märchen und Theaterillusionen verschwimmen, desto deutlicher zeigt sich, welche Macht dem Erzählen und dem Erzähler zukommt.

Hannah Zufall ist als Theaterautorin, Schauspielerin und Regisseurin tätig und promoviert an der Humboldt-Universität Berlin über Märchendramen. Die Regisseurin Brit Bartkowiak inszenierte am Theater Heidelberg bereits Unschuld und Woyzeck.

Besetzung

Regie Brit Bartkowiak | Bühne und Kostüme Carolin Schogs | Musik Ingo Schröder | Dramaturgie Sara Örtel | Mit Marco Matthes, Moritz Schulze, Katharina Uhland