Theater und Orchester Heidelberg
Foto Tom Schulze

White Passing

von Sarah Kilter in der Regie von Thirza Bruncken; Schauspiel Leipzig in Kooperation mit dem Deutschen Theater Berlin

Gewinnerstück der Autor:innentheatertage am Deutschen Theater Berlin 2021

Eine teure Handtasche ist ein Statussymbol. Man beweist einen bestimmten Geschmack, ein entsprechendes Milieu, und dass man es sich leisten kann. Logisch, so jemand ist materialistisch und sicher nicht links. Hat man allerdings ein kostspieliges Tattoo, sagen wir, für mehr als 500 €, kratzt das landläufig nicht am Image einer antikapitalistischen Gesinnung — solange das Motiv stimmt. Ihmchen empfindet das als scheinheilig. Wieso Ihmchen dafür einen geschärften Blick hat? Sie steht eben nur mit einem Bein in der deutschen Mehrheitsgesellschaft. Mit dem anderen steht sie auf der Badstraße im Wedding, wo sie zeitweise beim algerischen Vater aufgewachsen ist. Dieser Teil von ihr ist gewissermaßen undercover, denn irgendwie »sieht man das nicht bei ihr«, das Migrantische. Sonst hätte man doch ganz anders Verständnis gehabt, hätte das mit einbezogen und Rücksicht genommen! Doch darum bittet die Erzählerin nicht. Auch richtigstellen will sie nichts. Aber einen Perspektivwechsel bietet sie an.

Mit »White Passing« zeigt Sarah Kilter ein feines Gespür für die Ambivalenzen und Widersprüche unserer Gesellschaft. Wäre sie in diesem Umgang nicht so unprätentiös humorvoll, es könnte einem das Lachen im Halse stecken bleiben.

Besetzung

Regie Thirza Bruncken
Bühne und Kostüme Christoph Ernst
Licht Thomas Kalz
Dramaturgie Marleen Ilg
Theaterpädagogische Betreuung Babette Büchele

Mit Meriam Abbas, Julia Preuß, Bettina Schmidt