Theater und Orchester Heidelberg
Der Heidelberger Stückemarkt ist am 29. April zu Ende gegangen.
Vielen Dank den Autor*innen, allen Gastkompanien und unserem Publikum für zehn fantastische Tage Theater in Heidelberg!

Der AutorenPreis des 35. Heidelberger Stückemarkts geht an Ulrike Syha

Ulrike Syha mit Laudator Andreas Jüttner

Ulrike Syha mit Laudator Andreas Jüttner

Ulrike Syha wurde am Sonntagabend, 29. April 2018, zum Abschluss des Theaterfestivals mit dem AutorenPreis für ihr Stück Drift ausgezeichnet. Der AutorenPreis wird seit 2008 von der Manfred Lautenschläger-Stiftung ausgelobt und ist mit 10.000 Euro dotiert.

Yeon-ok Koh, Autorin aus dem diesjährigen Gastland Südkorea, erhielt für Das Gespür einer Ehefrau den Internationalen AutorenPreis. Die mit 5.000 Euro dotierte Auszeichnung wird vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg finanziert.

Der JugendStückePreis geht an Sergej Gößners Mongos. Mit seinem Stück über zwei Jugendliche war Gößner 2016 im Autorenwettbewerb des Heidelberger Stückemarkts nominiert. Zu Gast war jetzt die Uraufführungsinszenierung von Grit Lukas für das Theater Magdeburg. Der 2012 erstmals vergebene JugendStückePreis ist mit 6.000 Euro dotiert und wird durch das Heidelberger Unternehmer-Ehepaar Bettina Schies und Klaus Korte gestiftet. Zusätzlich wird die prämierte Inszenierung im Rahmen der Kooperation bei den Mülheimer Theatertagen NRW gezeigt.

Drei sind wir von Wolfram Höll wird in der Inszenierung von Valerie Voigt-Firon am Burgtheater Wien mit dem NachSpielPreis ausgezeichnet. Der undotierte Preis ist verbunden mit einer Gastspieleinladung zu den Autorentheatertagen am Deutschen Theater Berlin. Drei sind wir wird 2019 im dortigen Rahmenprogramm gezeigt.

Rinus Silzle erhält den Publikumspreis. Sein Stück Legal Highs erhielt die meisten Stimmen der Zuschauer*innen, die im Anschluss an die Lesungen in geheimer Wahl über ihren Favoriten abstimmen konnten. Stifter des mit 2.500 Euro dotierten PublikumsPreises ist der Freundeskreis des Theaters und Orchesters Heidelberg.

Die Laudationes der Jury können Sie hier nachlesen.

Und wie geht es 2019 weiter? Gastland des 36. Heidelberger Stückemarkts ist ein alter Bekannter: Das Leitungsteam des Stückemarkts fragt, wie sich das Theater unter Recep Tayyip Erdoğan verändert hat, und lädt nach 2011 ein zweites Mal die Türkei nach Heidelberg ein.

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Foto Sebastian Bühler

AutorenPreis des 35. Heidelberger Stückemarkts für Ulrike Syha +

Bilanz des SWR2 zum Festivalabschluss

Zum Abschluss des Stückemarkts blickt Annette Lennartz zurück auf das Festival und besonders das letzte Wochenende, an dem das Gastland Südkorea im Mittelpunkt stand. Ihren Beitrag »Koreanische Zeitenwende in Heidelberg«, gesendet am 30.04.2018 im »SWR2 Journal am Morgen«, können Sie jetzt hier nachhören.

Bilanz des SWR2 zum Festivalabschluss +
Hier gibt es das Gastspiel-Programm auf einen Blick >
Hier geht es zum Festivalportal von nachtkritik.de >

Jürgen Popig, Leitender Schauspieldramaturg und Künstlerischer Leiter des Heidelberger Stückemarkts, über den Autorenwettbewerb

Für den SWR2 sprach Marie-Dominique Wetzel mit Jürgen Popig über den diesjährigen Autorenwettbewerb des Heidelberger Stückemarkts. Das Interview, gesendet am 23. April 2018 im »SWR2 Journal am Mittag« gibt es hier zum Nachhören.

Jürgen Popig im SWR2-Interview über den Autorenwettbewerb +
Hintergrundartikel der Deutschen Welle zu Before after >

Stückemarkt-Programmbuch zum Download

Im Rahmen des Heidelberger Stückemarkts gibt der Dramatiker David Gieselmann am 25. April einen Workshop zum Szenischen Schreiben und vermittelt Einblicke in die Entstehung eines Theatertextes. Er erläutert Praktiken seiner Arbeit und führt in die Grundlagen des Schreibens für das Theater ein.

Der Workshop richtet sich an Autorinnen und Autoren jeden Alters. Die Teilnahme ist kostenlos, der gemeinsame Besuch der Vorstellung von Rebekka Kricheldorfs Fräulein Agnes am Vortag (Di, 24. April, 18:00 Uhr, Alter Saal) ist allerdings Voraussetzung für die Teilnahme.
Die Teilnehmer des Workshops erhalten vergünstigten Eintritt (6,40 Euro) zum Gastspiel des Deutschen Theaters Göttingen am 24. April. Für ihren Text Fräulein Agnes ist Rebekka Kricheldorf, eine Kommilitonin von David Gieselmann, in diesem Jahr für den Mülheimer Dramatikerpreis nominiert.

David Gieselmann (*1972) studierte von 1994 bis 1998 Szenisches Schreiben in Berlin und inszenierte zu dieser Zeit erste eigene Stücke. 1999 wurde er zur International Residency of Playwrights ans Londoner Royal Court Theatre eingeladen. In der Folge spezialisierte er sich auf Komödien, ein kritisches Unterhaltungstheater auf der Höhe der Zeit. Seit einigen Jahren verbindet ihn eine Zusammenarbeit mit dem Regisseur Christian Brey. Beim Heidelberger Stückemarkt 2015 war ihre Uraufführung Container Paris zu sehen. Bereits 2013 war David Gieselmann mit dem JugendStückePreis beim Heidelberger Stückemarkt ausgezeichnet worden.

Anmeldung bitte per E-Mail unter Angabe von Namen und Telefonnummer bis spätestens 13. April 2018 unter: stueckemarkt@theater.heidelberg.de. Die Teilnehmerzahl ist auf 10 Personen beschränkt.

Für Rückfragen: Fabian Appelshäuser, Produktionsassistent, 06221 | 5835612

Workshop: Schreiben für das Theater. Autor David Gieselmann gibt Einblicke in die Theaterpraxis +

Festivalkalender zum Download

Stipendiatenprogramm des Heidelberger Stückemarkts 2018

Gemeinsam mit dem Freundeskreis des Theaters und Orchesters Heidelberg lädt die Festivalleitung zehn Stipendiatinnen und Stipendiaten dazu ein, während des Heidelberger Stückemarkts Vorstellungen zu besuchen, die Stücke der Wettbewerbe mit den nominierten Autorinnen und Autoren zu diskutieren, an Workshops teilzunehmen, Theatermacherinnen und Theatermacher aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und dem diesjährigen Gastland Südkorea kennenzulernen und Arbeitsbeziehungen zu knüpfen.

Stipendiatenprogramm des Heidelberger Stückemarkts 2018 +

Die Städte Pjöngjang und Pyeongchang liegen beide etwas mehr als drei Fahrstunden von der Demarkationslinie entfernt, die Süd- und Nordkorea trennt und als die gefährlichste Staatsgrenze der Welt gilt. Dass das bislang die einzige Gemeinsamkeit ist, liegt unter anderem daran, dass in Pjöngjang der autokratische Machthaber Kim Jong-un residiert und mit Atomwaffen droht. In Pyeongchang dagegen wurden im Februar die olympischen Winterspiele 2018 ausgetragen, was allem Anschein nach einen politischen Frühling der verfeindeten Bruderstaaten zur Folge hatte. Dass das wohl nicht mehr als eine politische Inszenierung war, registrierten vor allem diejenigen, die sich in Südkorea professionell damit beschäftigen, wie man Emotionen in Szene setzt: die in freien Gruppen organisierten Theatermacher des Landes.

Kyungsung Lee und seine Gruppe Creative VaQi zum Beispiel haben sich mit einem die Nation erschütternden Ereignis auseinandergesetzt. Before After ist ein doku-fiktionaler Theaterabend rund um den Untergang des Fährschiffs Sewol im Jahr 2014, bei dem mehr als 300 Menschen starben. Die zu der Zeit amtierende Regierung dachte nicht daran, das Schiff bergen zu lassen. Es war der Anfang vom Ende der damaligen Präsidentin Park Geun-hye.

Die künstlerische Auseinandersetzung mit solchen gesellschaftspolitischen Verwerfungen ist ein Schwerpunkt des südkoreanischen Theaters. Mit Romeo und Julia nach Shakespeare und Death of a mans SALE nach Arthur Miller zeigen die Yohangza Theatre Company und MOMent (MEDEA ON MEDIA entertainment), wie aus einem klassischen Theatertext ein aktueller Theaterabend wird. Im Fall der schrill-bunten Neudeutung des Shakespeare-Klassikers werden Julia und Romeo von zwei Schauspielerinnen gespielt. Die Überschreibung akzentuiert die Todfeindschaft der Veroneser Familien Montague/Capulet und kommentiert indirekt das Verhältnis der beiden Koreas. Death of a mans SALE fragmentiert und dekonstruiert Arthur Millers Vorlage und brandmarkt einen globalisierten Turbokapitalismus, der in Südkorea einen Existenz- und Konkurrenzkampf sondergleichen zur Folge hat.

Zum dokufiktionalen Projekttheater und zu den Klassikerüberschreibungen kommen neue Stücke wie Das Gespür einer Ehefrau, Der gelbe Umschlag und Chronik der Alibis, mit denen drei Autor*innen des Gastlandes am Wettbewerb um den Internationalen AutorenPreis teilnehmen.

Außerdem sprechen wir mit den südkoreanischen Künstler*innen über Korea und das Theater in ihrem Land. Im Anschluss an die Präsentation der satirischen Dokumentarfiktion Pizzas for the people in der Bar Blau des Heidelberger Kunstvereins diskutieren wir mit Regisseur Hwang Kim über die subversive Medienkunst, mit der er die Zensur Nordkoreas zu umgehen versucht. Beim Theaterlunch befragen wir unsere Gäste, inwiefern die Teilung des Landes ihre Arbeit beeinflußt und wie sie mit der »schwarzen Liste« umgehen, die zu Zeiten der Regierung von Park Geun-hye geführt wurde. Die Liste diente der Zensur von künstlerischer Arbeit.

Jürgen Berger

Unser besonderer Dank gilt dem Arts Council Korea (ARKO), ohne dessen großzügige Unterstützung eine Einladung der beteiligten Künstlerinnen und Künstler nicht möglich gewesen wäre. Auch dem Goethe Institut danken wir für seine Unterstützung und für die Übersetzung der koreanischen Stücke im Internationalen Autorenwettbewerb.

Scouts für das Gastland Südkorea sind HeeJin Lee und Jürgen Berger.

Gastland Südkorea