Theater und Orchester Heidelberg
Das Programm 2018 erscheint zum Vorverkaufsstart Anfang März 2018

Erstmals wird es beim Heidelberger Stückemarkt 2018 ein Stipendiatenprogramm für junge Theatermacher mit Affinität zu neuer Dramatik geben.

Gemeinsam mit dem Freundeskreis des Theaters und Orchesters Heidelberg lädt die Festivalleitung zehn Stipendiaten dazu ein, während des Heidelberger Stückemarkts Vorstellungen zu besuchen, die Stücke der Wettbewerbe mit den nominierten Autoren und Autorinnen zu diskutieren, an Workshops teilzunehmen, Theatermacher aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und dem diesjährigen Gastland Südkorea kennenzulernen und Arbeitsbeziehungen zu knüpfen.

Bewerben können sich Studierende oder Berufseinsteiger der Bereiche Dramaturgie, Szenisches Schreiben, Theaterwissenschaft, Regie und Bühnenbild mit einem Motivationsschreiben und Lebenslauf. Bewerbungsschluss ist der 10. Januar 2018 (Datum der E-Mail).
Bewerbungen bitte digital an stueckemarkt@theater.heidelberg.de

Neu! Wir suchen Stipendiatinnen und Stipendiaten. Erstmals wird es beim Heidelberger Stückemarkt 2018 ein Stipendiatenprogramm für junge Theatermacher mit Affinität zu neuer Dramatik geben. +

In der Theaterwelt ist der renommierte Heidelberger Stückemarkt ein Inbegriff für die Auseinandersetzung mit Gegenwartsthematik: Im April 2018 werden wieder eine Woche lang herausragende Uraufführungen aus dem deutschsprachigen Raum eingeladen, die unsere Gegenwart widerspiegeln, aktuelle gesellschaftliche Diskurse aufgreifen und ästhetische Tendenzen unserer Theaterlandschaft befragen. Womit beschäftigen sich zeitgenössische Autoren? Welche unterschiedlichen Formen lassen sich dabei entdecken? Welchen Entwicklungen sehen sich Dramatiker und Dramatikerinnen ausgesetzt und was für Visionen haben sie? Neben dem Gastspielprogramm, zu dem in den letzten Jahren  unter anderem das Deutsche Theater Berlin, die Münchner Kammerspiele, das Burgtheater Wien und das Residenztheater München eingeladen waren, und das unter der Intendanz von Holger Schultze zusätzlich um einen Schwerpunkt Jugendtheater erweitert wurde, steht der Autorenwettbewerb im eigentlichen Mittelpunkt. Noch nicht aufgeführte Stücke werden in Lesungen präsentiert und wetteifern unter anderem um den mit 10.000 Euro dotierten AutorenPreis. Außerdem eröffnet die Inszenierung eines der nominierten Stücke den Stückemarkt des Folgejahres. Das internationale Highlight jedes Stückemarkts ist das jährlich wechselnde Gastland, das hochspannende Einblicke in ausländische Theaterszenen ermöglicht. 2018 ist es Südkorea. Der 35. Geburtstag des traditionsreichen Festivals für neue Dramatik in Deutschland ist Grund zum Feiern!

Ausblick auf den 35. Heidelberger Stückemarkt +

Zwischen dem Norden und Süden Koreas verläuft die gefährlichste Grenze der Welt. Auf der einen Seite pulsiert ein marktwirtschaftlicher Kapitalismus der technologischen High-End-Klasse, auf der anderen tönt ein militärisch hoch gerüsteter Kommunismus, der dem größten Teil der Bevölkerung Armut und Hungerkatastrophen beschert. Die Unterschiede im Lebensstandard und der Lebensweise könnten größer nicht sein. Interessanterweise beschäftigen südkoreanische Künstler und Theatermacher sich aber nicht in dem Maße mit der schmerzhaften Teilung des Landes, wie man das annehmen dürfte.

Was die Menschen im Land emotional stark bewegt und seinen Niederschlag in Theaterstücken und dokumentarischen Rechercheprojekten findet, ist die Aufarbeitung der jüngsten Geschichte, angefangen vom Koreakrieg bis hin zur wirtschaftlichen Erfolgsgeschichte der Republik Korea seit den 1960er Jahren.

Für die Theatermacher sind die Industrie-Imperien des Landes mit ihren Milliardenumsätzen aber auch aus einem ganz anderen Punkt von Interesse. In Südkorea gibt es zum einen das Nationaltheater und Nationale Koreanische Tanzensemble. Ansonsten basiert die reichhaltige Tanz- und Theaterszene weitgehend auf freien Gruppen, und die erhalten entweder staatliche und städtische Zuschüsse, oder sie beziehen die notwendigen Mittel von einem der Kulturzentren, die von Großkonzernen betrieben werden die in der Regel finanziell hervorragend ausgestattet sind. Wie in vielen anderen Regionen der Welt, beginnt südkoreanische Theaterarbeit mit der Suche nach Fördermitteln. Das gilt auch, wenn Theatergruppen sich mit einem nationalen Trauma wie dem Untergang des Fährschiffs Sewol beschäftigen.

Im April 2014 ertranken mehr als 300 Menschen im Gelben Meer, die meisten waren Schülerinnen und Schüler. Die staatliche Aufsicht hatte versagt und die Regierung dachte nicht daran, das gesunkene Schiff bergen zu lassen. Es war der Anfang vom Ende der damaligen Präsidentin Park Geun-hye. Nachdem Hunderttausende gegen die in Korruptionsaffären verwickelte Politikerin demonstriert hatten, musste sie im November 2016 ihren Rücktritt erklären. Es war ein großer Tag für die Demokratie und die Theatermacher Südkoreas.

Geht es um die Wiedervereinigung, kommen Gesprächspartner gerne auf Deutschland zu sprechen und stellen die Frage: Wie habt ihr das gemacht und was kam danach? Solche Gespräche enden in der Regel mit der Einsicht, dass historische Vergleiche hinken. Drei Stichtage allerdings stehen fest: Am 27. Juli 1953 besiegelte 62 Kilometer nordwestlich von Seoul ein Waffenstillstandsabkommen das Ende des Koreakrieges und die Teilung des Landes. Für die Deutschen ist der 13. August 1961 der Tag des Mauerbaus und der 9. November 1989 das historische Datum, an dem die Mauer fiel. Viele Menschen im Süden der ostasiatischen Halbinsel gehen davon aus, dass auch in Korea ein historisches Datum noch aussteht.

Jürgen Berger
Scout für das Gastland Südkorea

Gastland Südkorea
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Rückblick. Eindrücke vom Festival 2017

Am Sonntagabend, 07. Mai 2017, ist der 34. Heidelberger Stückemarkt zu Ende gegangen. Festivalleitung und Team freuen sich, dass das inhaltlich hochkarätige und intensive Programm voll und ganz vom Publikum angenommen wurde: die Gesamtauslastung liegt bei 93 %; eine Steigerung der Besucherzahlen um 10 % im Vergleich zur letzten Stückemarkt-Ausgabe.

In Anwesenheit von Ministerin Theresia Bauer, Kulturbürgermeister Dr. Joachim Gerner und Markus Lautenschläger als Vertreter der Stiftung wurden die Preise des 34. Stückemarkts zum Abschluss des Festivals vergeben.

Maryam Zaree wurde mit dem AutorenPreis für Kluge Gefühle ausgezeichnet. Der AutorenPreis des Heidelberger Stückemarkts wird seit 2008 von der Manfred Lautenschläger-Stiftung ausgelobt und ist mit 10.000 Euro dotiert.

Olga Mazjupa, Autorin aus dem diesjährigen Gastland Ukraine, erhielt für Öko-Ballade (Екологічна балада; Übersetzung aus dem Ukrainischen: Lydia Nagel) den Internationalen AutorenPreis. Der mit 5.000 Euro dotierte Preis wird vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg finanziert und an einen der Autoren des Gastlandes vergeben.
Die Ukraine war ein hochspannendes Gastland. Die vielfältigen Beiträge haben gezeigt, wie Künstler sich mit der postrevolutionären Ukraine auseinandersetzen und ihr Land, ihre Identität hinterfragen.
Im kommenden Jahr wird das Theater und Orchester Heidelberg den Blick noch weiter nach Osten richten: Südkorea macht vor allem durch die Teilung des Landes und den Konflikt mit Nordkorea von sich reden. Im Land hat sich in den letzten Jahren aber auch eine lebendige junge Kunst- und Theaterszene entwickelt. In Deutschland ist das Theater Südkoreas noch weitgehend unbekannt. Der Heidelberger Stückemarkt soll das ändern.

Der zum sechsten Mal vergebene JugendStückePreis geht an die Uraufführung All about Nothing von pulk fiktion. Bei der Koproduktion von pulk fiktion mit dem FFT Düsseldorf und dem Theater Bonn und in Kooperation mit dem Freien Werkstatt Theater Köln führten Hannah Biedermann und Eva von Schweinitz Regie.
Der 2012 erstmals vergebene JugendStückePreis ist mit 6.000 Euro dotiert und wird in diesem Jahr erstmals gestiftet durch das Heidelberger Unternehmer-Ehepaar Bettina Schies und Klaus Korte – zusätzlich wird die prämierte Produktion im Rahmen der Kooperation bei den Mülheimer Theatertagen NRW gezeigt.

Mitglieder der Jury in diesem Jahr waren der Autor David Gieselmann, die Professorin für Dramaturgie und Regie Andrea Vilter, die Regisseurin Anne Lenk, die Kritikerin Silvia Stammen sowie Jürgen Popig, Leitender Schauspieldramaturg in Heidelberg und Künstlerischer Leiter des Heidelberger Stückemarkts.
Außerdem wurde die Jury für die Vergabe des JugendStückePreises von fünf theaterbegeisterten Jugendlichen aus Heidelberg und Umgebung im Alter von 16 bis 20 Jahren unterstützt.

Mit dem PublikumsPreis ausgezeichnet wurde der Autor Joël László. Sein Stück Wiegenlied für Baran erhielt die meisten Stimmen der Zuschauer, die im Anschluss an die Lesungen in geheimer Wahl über ihre Favoriten abstimmen konnten. Nominiert für den PublikumsPreis waren drei Stücke aus dem Gastland Ukraine in russischer und ukrainischer Sprache sowie sechs deutschsprachige Stücke.
Stifter des mit 2.500 Euro dotierten PublikumsPreises ist der Freundeskreis des Theaters und Orchesters Heidelberg.

Der diesjährige NachSpielPreis geht an das Theater Orchester Biel Solothurn und Max Merker für die Inszenierung von Benjamin Lauterbachs Der Chinese. Jurorin des Preises war die Theaterkritikerin Mounia Meiborg; die Kulturjournalistin Barbara Behrendt wählte als Kuratorin die nominierten Inszenierungen aus. Der undotierte NachSpielPreis ist verbunden mit einer Gastspieleinladung zu den Autorentheatertagen am Deutschen Theater Berlin, Der Chinese wird 2018 im dortigen Rahmenprogramm gezeigt werden.

Gruppenbild mit Preisträgern zum Festivalabschluss; Foto Annemone Taake

AutorenPreis des Heidelberger Stückemarkts 2017 für Maryam Zaree