Blickwinkel
Kolumne von Oksana Savchenko
In einer zweimonatlich erscheinenden Kolumne, die hier und im aktuellen Theatermagazin veröffentlicht wird, erzählt Oksana Savchenko von ihren Erlebnissen in Heidelberg und ihren Erfahrungen in der Ukraine.
Die Übersetzung aus dem Ukrainischen übernimmt Sebastian Anton.
Oksana Savchenko ist Dramatikerin, Drehbuchautorin, Journalistin und Mitbegründerin des Kyjiwer Dramatiker*innen-Theaters. Ihre Werke wurden vielfach inszeniert, adaptiert und erhielten Auszeichnungen internationaler Theaterfestivals. Geboren und aufgewachsen in Kyjiw, floh sie nach dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine und lebt seit April 2022 in Heidelberg.
Nach Werken wie »Vom Krieg« und »Die Nacht verdeckt den Morgen« in der Spielzeit 2022/23, wurde ihr neuestes Theaterstück, »Meine Hölle«, im Februar 2024 im Zwinger 1 des Theaters Heidelberg uraufgeführt.
Juni 2025
Rauch, Bouletten, Rock’n’Roll
Anfang August 1991 setzten sich Walja und Lena in den Zug zur größten und wichtigsten Kulturmetropole der UdSSR (die nun in einem Aggressorstaat liegt, weshalb es mir zuwider ist, sie beim Namen zu nennen). Beide sind gerade erst fünfzehn Jahre alt geworden. Die Reise dauerte zwei Tage. Damals wussten sie noch nicht, dass sie den Zug in einem Land besteigen, und in ein ganz anderes Land zurückkehren würden.
Ziel der Reise war, das Grab eines Rock-Idols zu besuchen, das im Alter von 28 Jahren bei einem Autounfall tragisch ums Leben gekommen ist. Für Teenager bedeutet der Tod eines Idols eine Katastrophe von globaler Größenordnung – die gesamte Welt bricht zusammen, Tragödie und Unglück, aufgeschnittene Arme, von Tränen aufgequollene Augen, schlechte, aber tiefempfundene und ehrliche Gedichte. Eine Statistik besagt, dass nach seinem Tod 45 Fans Hand an sich gelegt hatten. Damals wurden seine Lieder nicht im Radio gespielt, aber sie erklangen in jedem Hinterhof der Häuser, in denen Jugendliche wohnten. Post-Punk wurde vom sowjetischen System abgelehnt, entsprach dafür aber dem Zeitgeist ziemlich genau. Wenn du fünfzehn bist und dich inmitten eines historischen Umbruchs befindest, bist du nicht in der Lage, zu bewerten, was gerade vor sich geht. Eine ausbalancierte Perspektive bekommt man durch das Prisma der Zeit. Es ist, wie wenn man sich 100 und 20 Jahre alte Fotos anschaut und Gemeinsamkeiten in den Gesichtszügen feststellt. Die Geschichte ist eine akribische Künstlerin, sie malt die Physiognomien von Menschen unterschiedlichen Charakters mit denselben unsichtbaren Farben, die jedoch erst mit der Zeit zu Tage treten. Je länger die Reifezeit, desto stärker zeigen sich die Gemeinsamkeiten.
Im Abteil roch es nach Brathähnchen und starkem, schwarzen Tee. Damals hatten alle Reisenden gebratenes Huhn dabei, manchmal ersetzten sie es mit Bouletten mit Knoblauch und gekochten Eiern. Im ganzen Waggon stand so ein fester Dunst, dass der Geruch von Teeröl und Metall im verrauchten Vorraum des Waggons einem wie eine frische, minzige Brise erschien.
Die tiefsten und wichtigsten Gespräche führten die beiden Mädchen in ebendiesem Vorraum, den neugierigen Erwachsenen entfliehend. Beide sind in den Ferien von zu Hause abgehauen, haben ihren verängstigten Eltern nur kurze Notizen hinterlassen. Die Eltern gingen nicht zur Polizei. In der Sowjetunion vertraute man den Bullen nicht. Bullen konnten dich halbtot prügeln und ungestraft davonkommen. Aber einen Teenager, der sich etwas in den Kopf gesetzt hat, daheim zu halten – das ist dasselbe, als wenn man versuchen würde, einen ICE mit bloßen Händen stoppen zu wollen. Man wird überrollt.
Im Vorraum teilten sie sich eine Zigarette, abwechselnd, je einen Zug, und studierten die Karte der Stadt, in die sie fuhren. In einer Zeit ohne Mobiltelefone und Navigationsapps fanden sie ohne Probleme die gesuchten Orte, indem sie sich einfach auf der Karte orientierten. Ihr Kulturprogramm sah folgendermaßen aus: Das Grab des Rock-Idols – ein Rock-Club – das »Saigon« (der inoffizielle Name eines Cafés, in dem sich freie Künstler*innen trafen – eine berühmte Gemäldegalerie – das Ballett »Der Nussknacker« – der Swetschnoj (ein besetztes Haus in der Stadtmitte, in dem die kreative, alternative Jugend und Drogenabhängige lebten).
Walja zieht an der Zigarette, hustet stark: »Wenn ich groß bin, höre ich auf zu rauchen.«
Lena atmet aus, der Rauch zieht in Schwaden durch den Vorraum: »Das machen wir gemeinsam.«
Walja betrachtet die Jeans ihrer Freundin: »Die sind irgendwie zu neu. Ich würd sie am Asphalt reiben, dann sehen sie älter (Anm. des Übersetzers: wörtl. Anglizismus: older) aus.«
»Neee, am Asphalt ist ne blöde Idee« – mischt sich ein blasser, blonder Junge ein, der mit seiner Gitarre den Vorraum betritt.
Sie lernen sich kennen. Er heißt Kit. Das ist ein Spitzname. Er ist auch Schüler. In Kyjiw war er, um dort abzuhängen.
Seit den Siebzigern bis hin zu den neunziger Jahren reisten die alternativen Jugendlichen durch die ganze Sowjetunion, oft per Anhalter. Auf diese Weise erhielten sie das, wofür nun das Internet dient – das Wissen über die Welt außerhalb der Grenzen ihres Bezirks. Sie tauschten Kontakte aus und konnten, wenn nötig, in anderen Orten bei Leuten übernachten, die genauso sind wie sie. Sie konnten mit eigenen Augen sehen, wie sich das Land verändert. Sie konnten den Wandel sehen, den man im Fernsehen nicht zeigte. Zum Beispiel wechselte der Vater eines Freundes von Walja und Lena ohne Vorwarnung von Russisch zu Lettisch. Sein Sohn, ein Lette, verstand die Sprache seines Vaters damals nicht. Der Grund dafür war, dass es zwischen 1987 und 1991 in den Baltischen Staaten zu einer Reihe von Protesten kam, die man später die singende Revolution (auf Lettisch: Dziesmotā revolūcija) nannte. Von diesen Protesten wussten nicht nur die Jugendlichen, sondern auch die meisten Erwachsenen, die in anderen Republiken lebten.
Kit ist sehr gesprächig und versucht, zu gefallen. Außerdem stottert er – einige Konsonanten spricht er doppelt aus, und die Vokale zieht er in die Länge: »Na, wer ist denn überhaupt normal in dieser verrückten Welt?« Was die Mädchen vor allem an ihm interessiert, ist, dass Kit in der Stadt wohnte, in die sie unterwegs sind. Lena und Walja wissen noch nicht, wo sie übernachten werden, deshalb schreiben sie seine Adresse auf und kehren gemeinsam ins Abteil zurück.
»Jungs und Mädels, nehmt euch ne Boulette!« Ein freundlicher, gutgelaunter Mann packt vor ihnen auf dem Klapptisch seine in die Zeitung »Trud« (ukr.: Arbeit) eingewickelten Bouletten aus.
Die Mädchen wollen keine Bouletten, aber der Mann verspricht ihnen Zigaretten, wenn sie welche essen. Also stopfen sie die Bouletten in sich hinein und hören sich Ratschläge an, wie sie zu leben haben: unbedingt zuerst an die Uni, und dann erst heiraten. Ein zweiter Passagier beobachtet sie mit finsterem Blick und einer Hähnchenkeule in der Hand, von dem das Fett auf seine Finger und dann auf den schmalzigen Tisch mit unbestimmter Farbe träufelt. Dann verkündet er:
»Wisst ihr, wie ich Frauen nenne, die rauchen? Aschenbecher!«
Die Mädchen reagieren nicht. Aber der Mann mit dem Hähnchenschenkel ist schon recht angetrunken und will keine Ruhe geben.
»Da sitzense, wie die Prinzesschen! Wer hat euch denn großgezogen? Habt euch zerrissene Hosen angezogen und denkt gleich, ihr seid die tollsten?! Zigaretten wollt ihr? Wollt ihr vielleicht auch noch nen Schw… in den Mund?! Warum hast du blaue Fingernägel?«
Kit bittet den Mann, seine Schnauze zu halten. Darauf hat der Mann anscheinend nur gewartet. Er wird noch aggressiver. Es scheint, als ob er jeden Moment mit seiner Hähnchenkeule Kit ins Auge stechen wird. Aber der Großkotz wird von einer stillen, schüchternen jungen Frau – seiner Ehefrau – zurückgehalten und aufs Klo geführt, während er aus Leibeskräften brüllt:
»Dreist und satt seid ihr! Naja, ihr werdet schon früh genug erfahren, wie es ist, wenn du alles gibst, und nichts bekommst. Das Leben wird euch lehren! Das Vaterland wird euch die Wahrheit mitten in die Fresse stecken! Ihr wisst ja gar nicht, was Krieg bedeutet, ihr Flittchen!
Da sagt Kit hasserfüllt und kaum hörbar ein Wort, welches die Mädchen zum ersten Mal im Leben hören: »Sowok…« (Anm. d. Übers.: wörtl. »Kehrblech«, herabwertende Bezeichnung für die Sowjetunion, Diminutiv von »Homo Sovieticus«, ihres loyalen Bürgers.)
Am frühen Morgen steigen sie aus dem Zug auf ein Gleis, das nach europäischem Vorbild gebaut ist. Es ist kalt, obwohl es Sommer ist, deshalb ziehen sie sich Pullover an. Dann gehen sie in den Rock-Club. An der Treppe zum Eingang drängen sich zahlreiche Teenager in Jeans, schwarzen T-Shirts, Lederwesten, mit langen Haaren oder Irokesenschnitten, die sie mit Bier in Form gebracht haben. Hier geht es so aufregend und heiter zu, dass die Mädchen völlig vergessen, dass sie eigentlich ein Kulturprogramm hatten und einen Platz zum Schlafen finden müssen.
Später am Abend stellen sie fest, dass alle Übernachtungsmöglichkeiten belegt sind. Also nehmen sie Kits Vorschlag an und gehen zu ihm nach Hause. Hauptsache sie kommen Kits Mutter nicht unter die Augen, denn sonst wird sie sowohl die Mädchen als auch ihren Sohn rauswerfen. Kit wohnt in einer riesigen Kommunalka (Anm. d. Übers. Gemeinschaftswohnung/Wohngemeinschaft) im Zentrum. In der Abenddämmerung schleichen die Teenager ganz leise durch den Korridor (der Wohnung), an der offenen Tür des Wohnzimmers vorbei, in dem Kits Mutter, eine Sportlehrerin, vor dem Fernseher döst. Das Licht im Zimmer ist gedämpft, im Fernseher flackert ein weißes Rauschen, im Sessel sitzt eine Frau, mit gesenktem Kopf und graziösem Profil, eine Widerspenstige rote Haarsträhne liegt auf ihrer rosigen Wange, ihre langen Wimpern werfen Schatten auf ihr Gesicht, sie schnarcht. In Kits Zimmer steht ein Zelt. An der Wand hängt ein Ausschnitt aus einer Zeitschrift, ein Foto von New York.
Die Mädchen kriechen mit Kit zusammen in das Zelt und schlafen sofort nebeneinander ein. Nachts werden sie von lautem Geschrei geweckt. Kits Mutter ist aufgewacht. Kit gibt Walja und Lena zu verstehen, dass sie leise sein sollen und kriecht aus dem Zelt. Eine Ohrfeige erklingt.
»Mama, nein! Ich will schlafen!«
»Ich auch! Warum bist du so spät? Hände weg! Weg vom Gesicht!«
Eine weitere Ohrfeige.
»Schau mir in die Augen, du Mistkerl! Auf den Boden, Liegestütze!«
»Mama… Nein.«
»Willst du noch eine verpasst bekommen? Ich arbeite den ganzen Tag, und du, wann solltest du daheim sein? Auf den Boden, Liegestütze! Liegestütze, hab ich gesagt!«
Man hört, wie Kit Liegestütze macht. Walja und Lena sind starr vor Schreck, sie schauen einander nicht an.
»Auf den Boden, Liegestütze! Wieder hoch! Und runter, Liegestütze! Ich werde dir Trottel beibringen, deine Mutter zu lieben! Ich liebe dich doch!«
Endlich beruhigt sie sich und verlässt Kits Zimmer. Kit kehrt ins Zelt zurück, tut so, als ob nichts gewesen wäre. Er sagt, dass er abhauen will, sobald er mit der Schule fertig ist.
»Wohin willst du abhauen?«
»Nach Amerika.«
»Und was willst du dort machen?«
»Keine Ahnung. Habt ihr schon mal Camel-Zigaretten gesehen?«
»Nö.«
»Ja, egal. Da ist so ein Kamel draufgemalt. Ich werde Kamele züchten.«
»Warum Kamele?«
»Kamele braucht doch jeder.«
Am nächsten Morgen liegen sie auf dem Dach eines Hochhauses und schauen in den Himmel. Sie sprechen nicht darüber, was gestern Nacht passiert ist. Sie schauen in den Himmel und trinken Portwein. Er ist dickflüssig, rot und kräftig. Kit hat ihn seiner Mutter geklaut. Es weht ein kühler Wind, und die Sonne ist noch warm für die Jahreszeit. Walja stellt sich vor, wie sie an einem menschenleeren Strand liegt und denkt darüber nach, dass Glück wohl genauso aussieht: du liegst auf einem Dach, bist ein wenig besäuselt vom Alkohol, du hast deine Freunde bei dir und genug Zigaretten vorrätig. Du kannst beim Rauchausatmen Ringe machen und dabei zusehen, wie sie sich allmählich auflösen. Als ob es sie nicht gegeben hätte.
Eine Woche lang streifen sie durch dir Stadt, essen bei Krishnaiten zu Mittag, besuchen Museen und Konzerte, ohne Eintrittskarten. Einmal singen Walja und Lena ihre Lieblingslieder, sie grölen inbrünstig und treffen keinen Ton, was Kit, einen Jungen mit absolutem Gehör, zu Tränen rührt. Am Tag ihrer Abreise begleitet Kit sie zum Bahnhof. Vor dem Bahnhof finden sie sich inmitten einer riesigen Menschenmenge wieder. Ein Mann hat ein Megafon dabei, er ruft: »Weg mit der KPdSU! (Anm. d. Übers. Kommunistische Partei der Sowjetunion) Genossen, steht auf! Ihr seid Menschen, keine Genossen!« Andere Männer beginnen, Barrikaden aufzubauen. Die Mädchen nehmen Abschied von Kit, er ruft ihnen noch hinterher, dass sie sich unbedingt noch wiedersehen werden, winkt ihnen noch ein letztes Mal zu und beginnt, entlang aufeinander gestapelter Holzkisten Stacheldraht auszurollen.
Der Zug, in dem Walja und Lena nach Hause fahren, ist fast leer. Der Schaffnerbeachtet sie gar nicht, er hört ganz fassungslos Nachrichten auf einem kleinen tragbaren Radio. Im letzten Wagon ist die hintere Tür offen, man kann sich hinsetzen, die Beine baumeln lassen und zuschauen, wie die Landschaft in die Ferne zieht, wie die Vergangenheit, die sich in der Zeit auflöst, wie Zigarettenqualm.
Am 21. August sind sie dann heimgekehrt. Zu dieser Zeit gab es in Moskau einen Putsch – den letzten Versuch der Tschekisten, die UdSSR zu retten. Glücklicherweise hat dieser Versuch den Zusammensturz des Imperiums nur beschleunigt.
Manchmal denke ich daran, dass Kit vielleicht Soldat wurde, in dem Land, dass ich nicht beim Namen nennen will, und nun in mein Land gekommen ist, um mich und meine Liebsten zu töten. Oder Raketen auf mein Viertel, meine Stadt abfeuert. Manchmal, da hoffe ich, dass Kits Traum in Erfüllung gegangen ist, dass er jetzt irgendwo Kamele züchtet. Aber das alles ist reine Spekulation.
Червень 2025
Дим, котлети, рок-н-рол
На початку серпня 1991-го у Києві Валя та Лєна сіли на потяг у напрямку головного культурного мегаполісу СССР (зараз він розташований у країні-агресорці, тож я гидую його називати по імені). Обом щойно виповнилося по п’ятнадцять. Дорога тривала дві доби. Тоді вони ще не знали, що сідають у потяг в одній країні, а повернуться в іншу.
Мета поїздки – відвідати могилу рок-кумира, який трагічно загинув у ДТП в 28 років. Для підлітки смерть кумира – це катастрофа вселенського масштабу, крах усього, горе, біда. Це порізані руки, запухлі від сліз очі, поганої якості щирі вірші. За статистикою, після того, як він загинув, 45 фанатів наклали на себе руки. В той час його пісні не передавали по радіо, але вони лунали з кожної оселі, де жив підліток. Пост-панк не вписувався у радянську систему, зате ідеально відповідав духу часу. Коли тобі п’ятнадцять і ти бовтаєшся в середині історичних подій, то не здатен їх оцінити. Виважений кут огляду дає часова перспектива. Це як розглядати фотографії сторічної чи двадцятирічної давнини і бачити спільність виразів обличь. Історія – прискіпливий художник – розмальовує фізії різних за характером людей невидимими і однаковими фарбами, які проступають лише з часом. Чим більше витримка, тим більше прояв спільного.
У вагоні стояв запах смаженої курки й міцного чорного чаю. Смажену курку тоді возили з собою всі подорожні, іноді замінюючи її котлетами з часником та яйцями. У вагоні стояв такий міцний штин, що запах креозоту і металу в прокуреному тамбурі здавався свіжим м’ятним подихом.
Головні розмови дівчата вели саме в тамбурі, рятуючись від цікавих дорослих. Обидві втекли на канікули з дому, залишивши переляканим батькам записки. Батьки в міліцію не заявляли. Радянські люди не довіряли ментам. Менти могли побити до напівсмерті й уникнути будь-якого покарання. Утримати ж вдома підлітка, який щось задумав, – все одно що голими руками спробувати зупинити ІСЕ на повному ходу. Знесе.
У тамбурі вони курили одну сигарету на двох – по черзі, по затяжці, і вивчали карту міста, в яке їхали. У час без мобільних телефонів і навігаторів, вони безпомилково знаходили потрібну точку, орієнтуючись по картам. Їх культурна програма виглядала приблизно так: могила рок-кумира - рок-клуб - Сайгон (неформальна назва кав’ярні, де збирались незалежні митці) – відома картинна галерея – балет «Щєлкунчік» – Свєчной (закинутий будинок посеред міста, в якому жила творча неформальна молодь, асоціальні елементи та наркомани).
Валя тягнеться до сигарети й сильно кашляє: «Як виросту, кину палити».
Лєна видихає дим, що клубочиться тамбуром: «Разом кинемо».
Валя розглядає джинси подруги: «Якісь вони у тебе нові. Я б їх об асфальт потерла, щоб олдовіші були».
– Нні-і-і, об асфальт – тупа ідея, – втручається блідий білявий хлопець із гітарою, що заходить у тамбур.
Вони знайомляться. Його звати Кіт. Це прізвисько. Він теж ще школяр, приїздив до Києва потусити.
Починаючи з 70-х і до початку 90-х неформали подорожували по всьому Союзу, часто автостопом. Так вони отримували те, що тепер дає інтернет, – знання про світ за межами свого району. Обмінювались контактами й за потреби могли вписатись (переночувати) в іншому місті у таких самих, як вони. Побачити на власні очі, як країна змінюється. Побачити ті зміни, які не показували по телевізору. Наприклад, батько їхнього друга з Риги одного дня без пояснень перейшов із російської на латиську. Його син – етнічний латиш – тоді не розумів мови свого батька. А пов’язано це було з тим, що в 1987–1991 роках у країнах Балтії пройшла серія протестів, які згодом назвали Співочою революцією (латиською – Dziesmotā revolūcija). Проте про ці протести не знали не лише підлітки, а й більшість дорослих, які мешкали в інших республіках.
Кіт говіркий і намагається сподобатись. Ще він заїкається і тому деякі приголосні подвоює, а голосні розтягує: «Н-н-у-у, а хто н-н-ормальний в цьому нен-н-ормальному св-і-і-і-ті?» І головне, що зацікавлює дівчат – Кіт живе у тому самому місті, куди вони прямують. Лєна й Валя ще не знають, де ночуватимуть, тому записують його адресу, після чого вони разом повертаються до вагону.
– Дівчата й хлопці, давайте по котлетці! – Привітний дядько розгортає перед ними замотані в газету «Труд» котлети.
Котлет дівчата не хочуть, але чоловік обіцяє пригостити їх сигаретами, якщо вони поїдять. Дівчата давляться котлетами, слухаючи рекомендації про те, як жити далі – обов’язково вступити в університет, і вже потім вийти заміж. Другий пасажир спостерігає за ними похмуро, тримаючи в руках курячу ніжку, з якої стікає жир на пальці і з них далі на засмальцьований столик незрозумілого сіруватого кольору. Потім видає:
– А я жєнсчін, что курят, знаєте как називаю? Пєпєльніцами!
Дівчата не реагують. Але мужик з курячою ніжкою уже напідпитку і не вгамовується:
– Розсілися, королеви! Виростили вас на свою голову! Наділи рвані штани і думають – круті?! Сигарети вам? Може ще й х... в рот?! Чого в тебе нігті сині? А це що за чурка у тебе на значку?!
Кіт просить чоловіка з куркою з-з-а-а-а-ткнутися. Чоловік ніби цього й чекає. І поводиться ще агресивніше. Здається, ще трохи і він встромить курячу ніжку Коту в око. Проте забіяку вгамовує тиха забита молода жінка – його дружина - вона тягне його в туалет, а він кричить на все горло:
– Нахабні, ситі! Нічого, ще дізнаєтеся, як це – коли ти всім ВСЕ, а тобі дулю! Життя вас навчить! Родина мордою в правду тицне. Війни не бачили, сукі!
Кіт презирливо і майже пошепки кидає слово, яке дівчата чують тоді вперше: «С-с-о-о-о-вок…»
Рано-вранці вони виходять на перон, збудований за європейським зразком. Там холодно, хоча й літо, тому всі троє натягають светри. Прямують в рок-клуб. Сходи рясно обліплені підлітками в джинсах, чорних футболках, шкіряних жилетках, із довгим волоссям або ірокезами, поставленими пивом. Тут так цікаво і весело, що дівчата забувають про культурну програму і про те, що треба шукати ночівлю.
Ближче до вечора з’ясовують, що всі місця для ночівлі зайняті. Тож користуються пропозицією Кота і йдуть до нього додому. Головне не попастися на очі його мамі, бо тоді вона вижене і дівчат, і сина. Кіт живе у величезній комуналці в центрі. В сутінках підлітки тихо-тихо крадуться коридором повз відчинені двері вітальні, у якій куняє перед телевізором матір Кота – викладачка фізкультури. Світло м’яке, телевізор блимає пустим екраном, у кріслі сидить жінка, схиливши голову, у неї тонкий профіль, неслухняна прядка рудого волосся лежить на рожевій щоці, від довгих вій падають тіні на обличчя, вона хропе. В кімнаті Кота стоїть намет. На стіні висить вирізка з журналу – фото Нью-Йорку.
Дівчата і хлопець залізають в намет і моментально засинають, уткнувшись обличчями у плечі один одного. Уночі їх будять крики. Прокинулась його мати. Кіт жестами просить дівчат не шуміти й виповзає з намету. Й одразу лунає ляпас.
– Мам, ну не треба, я спати хочу.
– А я не хочу?! Ти чого так пізно?! Руки прибрав! Не закривай лице!
Ще ляпас.
– В очі дивись, падло! Упав-віджався!
– Ма… Н-н-е-е-е треба.
- Ще раз в пику дати?! Я цілий день пашу, а ти, сука, коли мав прийти?! Упав-віджався! Упав-віджався, я сказала!
Чути, як Кіт віджимається. Валя й Лєна в ступорі. Не дивляться одна на одну.
– Упав-віджався! Упав-віджався! Я тебе, сука, навчу матір любити! Я ж тебе люблю.
Нарешті вона вгамовується та йде. Кіт повертається до намету, ніби нічого не сталося. Каже, що після закінчення школи втече від неї.
- Куди ти втечеш?
- В Америку.
- І що ти там будеш робити?
- Не знаю. Бачили цигарки «Кемел»?
- Ні.
- Ну не важливо. Там верблюд намальований. Я буду верблюдів вирощувати.
- А чому верблюдів?
- Верблюди всім потрібні.
Наступного ранку вони лежать горілиць на даху багатоповерхівки. Учорашні події не обговорюють. Вони дивляться на небо, курять та п’ють портвейн. Густий, червоний та міцний. Його Кіт вкрав у матері. Вітерець прохолодний, а сонце ще тепле. Валя уявляє, що вона на безлюдному пляжі і думає про те, що щастя виглядає саме так – коли ти лежиш на даху, в голові трохи вернеться від алкоголю, поряд друзі і достатньо цигарок. Можна видихати дим кружечками і дивитися, як він поступово зникає у просторі. Ніби нічого й не було.
Тиждень вони тиняються містом. Обідають у кришнаїтів. Ходять у музеї й на концерти без квитків. Якось дівчата горлають у весь голос своїх улюблених пісень, фальшивлячи і не попадаючи в ноти, чим доводять Кота, хлопця з абсолютним слухом, до реальних сліз. В день від’їзду Кіт проводжає їх на вокзал, вони несподівано опиняються у натовпі. Якийсь чоловік у мікрофон кричить: «Долой КПСС! Товаріщі, поднімітє головьі, вьі же господа, а не товаріщі». Чоловіки будують барикади. Кіт береться їм допомагати. Хтось дає йому колючий дріт для укріплення барикад. Дівчата прощаються з Котом, він навздогін говорить, що колись вони ще обов’язково зустрінуться. І в останній раз махнувши рукою, починає розкручувати колючій дріт вздовж складених один на одний дерев’яних ящиків.
Додому дівчата їдуть у майже порожньому потязі. Провідник не звертає на них ніякої уваги і розгублено ловить новини по маленькому переносному радіо. У останньому вагоні відчинені задні двері – можна сидіти, звісивши ноги й дивитися, як тікає від тебе дорога. Ніби минуле, що розчиняється у часі наче дим від цигарок.
Вони повернулися додому 21 серпня. У ці дні в москві тривав путч – остання спроба чекістів урятувати СРСР. На щастя, ця спроба лише прискорила крах імперії.
Іноді я думаю про те, що Кіт міг стати військовим в країні, яку я гидую називати по імені, і прийти вбивати мене і моїх близьких. Або запускати ракети по моєму району, по моєму місту. Іноді я сподіваюся на те, що мрія Кота здійснилася – він іммігрував і розводить десь верблюдів. Але то все лише чисто гіпотетично.
Februar 2025
Barfuß über Hammer und Sichel
»Das Leben ist zu Ende«, sagte eine noch nicht allzu alte Frau, während sie auf die Wand starrte.
Von der Modigliani-Reproduktion an der Wand herab schaute sie eine nackte Frau mit ihren blinden Augen an. Sie lag lässig da. Gleichgültig. Den Blick durch das Wohnzimmer schweifen lassend. Wie übrigens alle Nackten, auf allen Gemälden dieser Welt. Als würden sie im Moment gefangen sein – so wie manchmal das Bild des Gesprächspartners im zoom mit einem unnatürlich selbstvertieften Gesichtsausdruck hängenbleibt. Neben der Frau auf dem antiken viktorianischen Diwan saßen zwei Schulmädchen, die gerade erst in die Pubertät eingetreten sind. Der Saum des Pionierhalstuchs eines der Mädchen war zernagt und hing wie Schleim an ihrer Schulter herunter. Neben ihr lag ihr Rucksack. Auf dem Rucksack prangte die Aufschrift »Saljut 8« und ein Bild einer Raumstation. Dass es sich um eine Raumstation handelt, davon hatte weder die zehnjährige Besitzerin des Rucksacks, die ihn inbrünstig verachtete, noch ihre gleichaltrige Freundin, die Tochter der Frau – eine Sophia Loren in Miniaturform – auch nur die geringste Ahnung. Wie auch die Frau selbst, die mitten im Wohnzimmer saß, betäubt von der Leere, die nach einem unumkehrbaren Verlust eines geliebten Menschen zurückbleibt. Die Frau trug eine runde Brille mit dicken Gläsern, die die wahre Größe ihrer Augen verbargen. Ein kurzer Igelhaarschnitt. Immer ungeschminkt. Klein, schlanke Figur und breite Füße. Ihre Fußknöchel ragten stark heraus. Der Freundin ihrer Tochter gefiel das sogar.
Vor zwei Tagen verstarb die Mutter der Frau. Eine Germanistik-Professorin. Aus der Sicht der Schülerinnen war sie uralt – groß, grauhaarig, stets im Hausmantel und mit Leselupe. Sie hatte einen schweren Tod. Sie stolperte in ihrer Wohnung und brach sich den Oberschenkelhals. In so einem hohen Alter bedeutet ein Oberschenkelhalsbruch den sicheren Tod. Mit dieser Fraktur verlischt ein älterer Mensch sehr schnell. In der Wohnung entsteht ein besonderer Geruch. Eine Mischung aus Kampferspiritus und Urin – das Parfüm des Todes. Der kranke Mensch stöhnt. Und egal wie alt er ist, er ruft nach seiner Mutter. Manchmal dauert dieses Verwelken monatelang an. Es scheint, als ob der Tod den Angehörigen die Möglichkeit gewährt, von der dahinscheidenden Person Abschied zu nehmen, und sie täglich vor neue Herausforderungen stellt. Es beginnt ein permanenter Kampf gegen die Druckgeschwüre. Die Familie entwickelt ein ganzes Konzept, wie man einem bettlägerigen Menschen mithilfe von mehreren Schüsseln und wasserdichten Tischdecken die Haare wäscht. Das Wechseln von Bettlaken und Nachthemd erfordert eine gute körperliche Verfassung oder die Mithilfe einer weiteren Person.
Selbst ein schlanker Mensch ist schwer zu heben, wenn er unbeweglich ist.
Außerdem halten sich alle an unausgesprochene Regeln – weine nicht in Anwesenheit des Sterbenden, wisch dir die Trauer aus dem Gesicht, sei so munter wie nur möglich. Später kannst du im Nebenzimmer, im Bad, in der Küche oder auf dem Klo – dort, wo dich niemand sieht, deinen Gefühlen freien Lauf lassen. Dann beruhigst du dich und machst dich auf ins Geschäft, um eine neue Partie Tücher zu besorgen.
In den späten achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts hatte in der Sowjetunion noch keiner etwas von Windeln, geschweige denn von Pampers für Erwachsene gehört. Selbst Toilettenpapier wurde in der Sowjetunion erst seit 1965 hergestellt, wenn man diversen Nachschlagewerken Glauben schenken möchte. Aber jeder*jede Sowjetbürger*in wusste, dass es ein sowjetischer Kosmonaut war, der 1961 den Weltraum bezwungen hat. Was bedeutet, dass sich das »fortschrittlichste« Land der Welt nach der Eroberung des Weltraums noch vier Jahre lang den Hintern mit Zeitungsfetzen abwischte.
An diesem Tag wurde die Leiche der Verstorbenen ins Leichenschauhaus gebracht. In dem Schulranzen mit der »Saljut 8« lag zwischen den Seiten eines Schulbuchs ein Bild von einem Löwenbaby, herausgeschnitten aus einer deutschen Zeitschrift. Die Schülerin sammelte Postkarten und Zeitschriftenausschnitte mit Tieren. Für die Beschaffung letzterer sorgte ihre Großmutter, eine Professorin, die von ihren Kollegen im Ausland regelmäßig Zeitschriften erhielt. Nun war sie tot, und dieser Tatsache war der Schülerin vollkommen bewusst. Es gibt nichts Natürlicheres, als ein Tod im hohen Alter. Nur die Worte der Frau, dass das Leben zu Ende sei, konnte sie nicht begreifen. Das Mädchen schaute aus dem Fenster und wusste, dass sie sich diesen Tag, diesen Satz, den Tonfall, in dem er gesagt wurde, die Trostlosigkeit in den Augen hinter den dicken Brillengläsern, diesen Anflug von Verzweiflung für den Rest ihres Lebens einprägen wird. So wie sie sich das schwarze Kaninchen eingeprägt hatte, welches sie zu ihrem vierten Geburtstag bekam und es vor unbändiger Freude hoch in die Luft warf – hoch zum Himmel, zur Sonne, die Sommer und Glück versprach. Als sie es wieder fing, war es tot. Das Herz des Kaninchens ist vor Angst stehengeblieben. Das Mädchen wusste damals noch nicht, dass die Tage des Todes in der Erinnerung bleiben – in Form von filmartigen Erinnerungsfetzen, mehrschichtigen Bildern, in denen der Verstorbene, die Situation um diesen Tod herum und der historische Kontext im Mittelpunkt stehen.
Es war Spätherbst. November. Keine Sonne. Ein matter, zäher November. Das apfelgrüne Wohnzimmer befand sich in einem Genossenschaftshaus, in dem überwiegend Professor*innen wohnten. In der gesamten Wohnung gab es nichts, was an die Sowjetunion erinnerte. Keine Tapeten mit Rautenmuster oder Rosen, keine blassgrün gestrichenen Wände, kein Holztisch mit Verzierungen zum Kartenspielen, kein Briefbeschwerer. Dafür mit einem alten Klavier und einem darauf liegengelassenen Buch, von dessen Umschlag die junge Isadora Duncan blickt. Mit einer Atmosphäre eines anderen Lebens, welches nicht von der Sowjetunion erstickt wurde. Die Sowjetunion blieb hinter dem Fenster.
Hinter dem Fenster befand sich eine graue Einöde, inmitten derer ein altes zweistöckiges Haus mit einem Schornstein stand, aus dem in zierlichen Schwaden Rauch aufstieg. Weiter hinten war der sogenannte Privatsektor zu erkennen – niedrige, selbstgezimmerte Häuser, die eher als Hühnerställe denn als menschliche Behausungen durchgehen könnten. Jenseits des Brachlands lag das Stadtviertel – eine Reihe von Hochhäusern, Rechtecken im sowjetischen Stil, hastig zusammengebaut aus Würfeln und Quadraten. In solchen Häusern wohnte der Großteil der gesamten Bevölkerung der UdSSR. Plattenbau-Ungetüme zwischen hölzernen Ungetümen. Mit gleichen Fenstern, hinter denen sich die gleichen Wohnungen mit den gleichen Vorhängen, den gleichen Kronleuchtern und den gleichen tschechischen Wohnwänden verbargen. Es schien, als gäbe es nur eine Wohnung für alle, in der Millionen von völlig unterschiedlichen Menschen zusammengepfercht waren. Sie lebten nicht, sie waren eingezwängt, ohne es zu wissen. Sie sahen ihr eigenes Elend nicht. Sie stopften die Löcher in den Socken ihrer Kinder, waren stolz auf ihre tschechische Wohnwand und ihr Kristallgeschirr in der Vitrine, drehten sich vor dem Schlafengehen eiserne Lockenwickler in die Haare, trugen Billigschuhe der Marke »Skorohod«, bis sie untragbar waren, standen in kilometerlangen Schlangen, um Fanta oder Pepsi Cola zu bekommen, besorgten sich über Bekanntschaften Rigaer Sprotten und eine Stange Räucherwurst zu Neujahr. Sie benutzten in Mull gewickelte Watte anstatt von Damenbinden. Sie waren stolz auf ihre Wandteppiche, die ihre Wohnungen noch enger machten. Sie lebten und bemerkten nicht die Ausweglosigkeit. Spürten nicht, dass sie ohne Luft unter einem fest verschlossenen Deckel leben. Es war ihnen nicht bewusst, dass sie unfreiwillig Teil eines großen Experiments sind. Sie kannten ihre Vorfahren nicht, die in den Gemäuern des KGBs zu Tode gefoltert worden waren, im Holodomor verhungerten und in Stalins Gulag ums Leben kamen. Sie waren stolz auf die »Großväter, die im Krieg kämpften« und nun ihren kargen Lebensabend in dem kleinsten Zimmer der Wohnung im neunstöckigen Plattenbau verbrachten und das jüngste Kind der Familie vergrämten, das gezwungen war, das Zimmer mit einem Kriegshelden zu teilen. Sie diskutieren über das Muttermal auf der Glatze des neuen Generalsekretärs Gorbatschow. Sie lasen die Bibel, ganz sachte, Seite für Seite, trugen Kreuze, schimpften mit dem Kind, weil es sein Pionierhalstuch nicht angezogen hat, spuckten sich über die Schulter, wenn sie eine schwarze Katze sahen und bestraften ihre Kinder mit dem Gürtel wegen schlechter Noten. Sie lasen die Zeitung »Prawda« (Anm. Wahrheit), die kein einziges wahres Wort enthielt. Sie hörten zu, wie der betrunkene Nachbar seine Frau schlägt. Sie backten Paskas (Anm. traditionelles Gebäck) zu Ostern. Freitags betranken sie sich, bis sie die beim Abendessen verspeisten Frikadellen wieder auskotzten. Und sie hielten es für selbstverständlich, dass es unmöglich ist, sich aus dieser zähen, klebrigen Öde zu befreien.
Die Einöde im Fenster des apfelgrünen Wohnzimmers war die Einöde vor dem Fenster des Salatraums war ein Tummelplatz für örtliche Perverslinge, die hier gerne den Schülerinnen auf ihrem Heimweg auflauerten. Die Großmutter hatte den Mädchen geraten, laut zu schreien, wenn etwas Schlimmes passieren sollte. Es war ein Mann im sandfarbenen Mantel, der eines der Mädchen auf dem Heimweg verfolgte und versuchte, ihr seine Hand in die Unterhose zu stecken. Das Kind schrie so laut, dass es selbst fast taub wurde und sich losreißen konnte. Sie lief auf die Straße. Dort war sie in Sicherheit. Dort waren Menschen. Aber er hatte es geschafft, mit seinen Fingern ihre Vagina zu berühren. Solche Berührungen bleiben in der Erinnerung haften und können in den unerwartetsten Momenten im erwachsenen Leben wieder an die Oberfläche kommen. Ohne Wunden zu hinterlassen oder etwas zu prägen – einfach nur eine Momentaufnahme, wie wenn jemand auf die Straße gespuckt hat und man dann barfuß hineintritt.
Als die Großmutter meiner Freundin starb, befand sich die Sowjetunion in einem Schlummer der Stagnation. Man ahnte noch nicht, dass sie in ein paar Jahren zusammenbrechen würde. Dass ihre abscheulichen Symbole, der Hammer mit Sichel, mit denen das gesamte 10.000 Kilometer weite Territorium markiert war wie ein Hinterhof im Frühling mit Katzenurin, schon bald in Vergessenheit geraten werden.
Heute sieht man das Emblem der Sowjetunion auf Deutschlands Straßen, mit dicken roten Pinselstrichen an Hauswände gemalt oder in Form von Aufklebern mit Hammer und Sichel. Manchmal ist diese Symbolik auf T-Shirts von Jugendlichen anzutreffen. Links zu sein war unter den Kindern des Mittelstands schon immer in Mode. Aber über diese Ideen bei Marx und Engels zu lesen, sich für Sartre zu begeistern, die bürgerlichen Eltern herauszufordern, das ist eine Sache. Darin geboren zu sein und zu leben eine gänzlich andere. Wenn ich in europäischen Städten Hammer und Sichel an Häuserwänden sehe, habe ich das Gefühl, dass jemand auf die Straße gespuckt hat. Und ich barfuß hineingetreten bin.
P.S. Dieser Text steht in keinem Zusammenhang mit den Bundestagswahlen oder der Einstellung der Autorin zu einer der deutschen Parteien. Er stellt lediglich einen Versuch dar, die Erinnerungen an meine sowjetische Kindheit und meine unwillkürliche Reaktion auf das Emblem der Sowjetunion festzuhalten, in der ich geboren wurde und einen Teil meines Lebens verbrachte.
Лютий 2025
Босими ногами по серпу і молоту
Життя скінчено, - сказала не стара ще жінка, втупившись у стіну.
Зі стіни з репродукції Модільяні на неї дивилася сліпими очима оголена. Вона лежала вальяжно. Байдуже. Поглядаючи у простір вітальні. Втім, як і всі оголені на всіх картинах світу. Ніби зависнувши в моменті – так само, як іноді зависає зображення співрозмовника в ZOOM з неприродно заглибленим у себе виразом обличчя. Поряд із жінкою на старовинному вікторіанському дивані, купленому у комісійному магазині, сиділи дві школярки, які щойно увійшли в період пубертату. В однієї край піонерського галстука був обгризений і лежав червоним соплем на плечі. Поряд на підлозі валявся її ранець. На ранці красувався напис «Салют-8» і була намальована радянська орбітальна станція. Про те, що це орбітальна станція, не мала жодного уявлення ні десятирічна власниця ранця, яка його люто ненавиділа, ні її подруга-однолітка – схожа на Софі Лорен у мініатюрі - донька жінки. Ні сама жінка, яка в цей момент сиділа посеред вітальні, оглушена порожнечею, що залишається після безповоротної втрати близької людини. Жінка носила круглі окуляри з товстими лінзами, що приховували справжній розмір очей. Коротка стрижка під «їжачок». Завжди без косметики. Невисока, зі стрункою фігурою і широкими ступнями. Кісточки на ногах сильно випиналися. Подрузі її доньки це навіть подобалося.
Два дні тому померла мати жінки. Професорка німецької мови. З точки зору школярок, вона була зовсім старою – високою, сивою, завжди в домашньому халаті і з лупою для читання. Вмирала важко. Перечепилася в квартирі й зламала шийку стегна. Перелом шийки стегна у похилому віці – це знак смерті. При цьому переломі літня людина швидко здає. У квартирі з’являється специфічний запах. Суміш камфорного спирту й сечі – парфум смерті. Хворий стогне. І скільки б йому не було років, кличе маму. Інколи згасання триває кілька місяців. Ніби смерть дає можливість рідним попрощатися з тим, хто йде, підкидаючи нові завдання щодня. Ведеться постійна боротьба з пролежнями. Домашні розробляють цілу схему, як мити голову лежачій людині в ліжку за допомогою кількох тазиків і клейонок. Заміна простирадла та нічної сорочки вимагає фізичної підготовки або участі двох людей. – Навіть дуже худу людину неможливо підняти, коли вона нерухома. Також усі дотримуються негласного правила – не плач при вмираючому, зітри скорботу з обличчя, будь бадьорим, наскільки це можливо. Потім, у сусідній кімнаті, у ванній, на кухні, у туалеті – там, де ніхто не побачить, дай волю почуттям. Потім заспокойся і вирушай у магазин – діставати нову партію пелюшок.
Наприкінці вісімдесятих років ХХ століття про існування підгузків, тим паче для дорослих, у СРСР ніхто не чув. Більше того, якщо вірити енциклопедії, у Союзі навіть туалетний папір почали виробляти лише у 1965 році. Але кожен радянський громадянин знав, що у 1961 році радянський космонавт першим у світі підкорив космос. Тобто ще цілих чотири роки після підкорення космосу «передова» країна витирала дупи газетами, порізаними на шматки.
Того дня тіло померлої відвезли до моргу. У шкільному ранці зі «Спутником-8» між сторінками підручника лежала картинка з левенятком, вирізана з іноземного німецького журналу. Школярка збирала листівки й вирізки з журналів із тваринами. Безперебійну доставку останніх забезпечувала бабуся-професорка, яка регулярно отримувала іноземні журнали від закордонних колег. Тепер вона була мертва, і цей факт цілком укладався в голові школярки. Немає нічого природнішого за смерть у старості. Не укладалися в свідомості лише слова жінки про те, що життя скінчено. Школярка дивилася у вікно й розуміла, що цей день, цю фразу, інтонацію, з я кою вона була сказана, розпач в очах за товстими лінзами, подих відчаю вона запам’ятає на все життя. Як запам’ятала чорне кроленя, якого отримала в подарунок у чотири роки й якого від переповнення почуттів підкинула високо вгору – прямо до синього неба, до сонця, що обіцяло літо й щастя. Зловила вже мертвим. У кроленяти від страху розірвалося серце. Дівчинка тоді ще не знала, що дні смерті залишаються в пам’яті – відеосюжетами, багаторівневими картинами – де в центрі померлий, обстановка, що оточує цю смерть, та історичний контекст.
Це була пізня осінь. Листопад. Без сонця. Тьмяний. Тягучий. Салатова вітальня знаходилася в кооперативному будинку, де мешкала здебільшого професура. У квартирі не було жодного натяку на радянське. Без шпалер у ромби чи троянди, із пофарбованими в блідо-салатовий стінами, із інкрустованим столиком для гри в карти та прес-пап’є. Зі старим піаніно та книгою, забутою на ньому, з обкладинки якої глядить обличчя юної Айседори Дункан. З атмосферою іншого життя, яке не задушив совок. Совок був за вікном.
Із вікна відкривався вид на сірий пустир. Посеред якого стояв старий двоповерховий будинок із димарем, з якого елегантними завитками виходив дим. Далі можна було розгледіти так званий приватний сектор - низькі самобудови, які в мініатюрі могли б зійти за курники, а не людські житла. За пустирем починався район – ряд багатоповерхівок – радянських типовок-прямокутників, нашвидкуруч зліплених із кубів і квадратів. У таких будинках жило населення майже всього СРСР. Панельні потвори серед дерев’яних потвор. З однаковими вікнами, за якими приховувалися однакові нутрощі квартир із однаковими шторами, з однаковими люстрами й однаковими чеськими стінками. Здавалося, у всіх одна квартира на всіх, де тулилися мільйони дуже різних людей. Тулилися, а не жили, не усвідомлюючи цього. Не бачачи своєї убогості. Штопаючи дітям колготки, пишаючись чеською стінкою, кришталем у серванті, накручуючи на ніч залізні бігуді, розношуючи неякісне взуття фірми «Скороход», вистоюючи кілометрові черги за «Фантою» і «Пепсі-колою», дістаючи по знайомству ризькі шпроти до Нового року й палку копченої ковбаси. Використовуючи замість прокладок вату, обгорнуту марлею. Пишаючись килимами на стінах, які робили їхні житла ще більш тісними. Живучи й не помічаючи безвиході. Не відчуваючи, що живуть без повітря. Під щільно закритою кришкою. Не усвідомлюючи, що вони мимоволі є частиною великого експерименту. Не знаючи своїх пращурів, замучених у застінках КДБ, заморених Голодомором і знищених у сталінських таборах. Пишаючись «дідами, які воювали», і доживали тепер свою злиденну старість у найменшій кімнатці панельної дев’ятиповерхівки, дратуючи молодшу дитину, змушену ділити площу з героєм війни. Потихеньку, по сторінці, читаючи Біблію, носячи хрестики, сварячи дитину, що не одягнула у школу піонерський галстук, плюючи через плече, коли бачать чорну кішку, і караючи дітей ремнем за погані оцінки. Читаючи газету «Правда», у якій не було ні слова правди. Слухаючи, як п’яний сусід б’є дружину. Печучи паски. Напиваючись по п’ятницях до блювоти котлетами, з’їденими на вечерю. І приймаючи як належне, що вибратися за межі цієї липкої сірості неможливо.
Пустир за вікном салатової вітальні був прихистком місцевих збоченців, які любили тут чатувати на школярок, що поверталися короткою дорогою додому. Бабуся-професор радила дівчаткам голосно кричати, якщо відбувається щось нехороше. Нехорошим став дядько в пісочного кольору плащі, який вистежив одну з дівчат, яка йшла додому, і спробував засунути руку їй у труси. Дитина закричала так голосно, що оглухла сама від свого крику і вирвалася. Вибігла на асфальт. Там був порятунок. Там ходили люди. Але його пальці встигли торкнутися її вагіни. Такі дотики залишаються в пам'яті, і можуть спливти в найнесподіваніший момент у дорослому житті. Не ранячи і нічого не визначаючи - просто як момент, ніби хтось харкнув на дорозі, а людина вступила в це босою ногою.
Коли померла бабуся моєї подруги, СРСР перебував у застійній сплячці. Не підозрюючи про те, що за пару років він розвалиться. І його потворна символіка з серпом і молотом, якою була позначена, як двір котячою сечею навесні, вся територія протяжністю понад 10 тисяч кілометрів, кане в небуття.
Сьогодні в Німеччині на вулицях можна побачити емблему Радянського Союзу, розмашисто намальовану червоним на стінах будинків, або наткнутись на стікери з серпом та молотом. Іноді цю символіку можна побачити у місцевої молоді на футболках. Бути трохи ліваком завжди було модно серед дітей середнього класу. Але одне – читати про ці ідеї у Маркса й Енгельса, до нудоти захоплюватися Сартром, кидати виклик буржуазним батькам, інше – народитися в цьому і жити. Коли я бачу в європейських містах намальований на стінах серп і молот – у мене виникає відчуття, що хтось харкнув, а я знову вступила в це босою ногою.
P.S. Ця колонка жодним чином не пов'язана з виборами до Бундестагу, чи з відношенням авторки до тої чи іншої німецької партії. Це лише спроба занотувати один зі спогадів про радянське дитинство і реакцію, яка мимоволі виникає на емблему Радянського Cоюзу, де я народилася і прожила частину свого життя.
Dezember 2024
Das »Duchenne-Lächeln«
Von Paris nach Heidelberg sind es drei Stunden mit dem Zug. Nur drei Stunden, und ich befinde mich in einer anderen Dimension. Die Pariser Metro empfängt mich in ihren Armen. Und für einen kurzen Augenblick scheint es, als wäre ich wieder in meiner Kindheit. Meine Mutter und ich fahren zur »Kulinarija«, ein großes Café am Khreschtschatyk, das es jetzt nicht mehr gibt. Es wimmelt ringsum von Menschen, was eine sonderbare Art von Gemütlichkeit erschafft, die mich wie in eine Wolldecke einhüllt. Ich bin unter Menschen und zugleich ganz für mich allein. Die Verkehrsstaus in Paris bereiten mir viel Freude, auch wenn es eigentlich gegen den gesunden Menschenverstand verstößt. Was gibt es Gutes an Staus, außer der Tatsache, dass sie ein Beweis für die Unveränderlichkeit mancher Dinge in dieser Welt sind, an die ich mich so gewöhnt habe. Genauso ist es auch mit dem Gefühl, das die mehrstöckigen Wohnhäuser im Stile von Le Corbusier in mir hervorrufen, in einem der bescheideneren Viertel von Paris, in dem ich zusammen mit einem Freund eine Wohnung miete. Manch eine*r mag diese Hochhäuser für hässlich befinden, für mich sind diese Monster jedoch ein Weg in die Welt meiner Kindheitserinnerungen, als Mama und Papa noch jung und gesund waren. In allen Städten meines Landes stehen unzählige dieser Schachtelhäuser, wie Zähne im Maul eines Krokodils.
Anfang November kam ich nach Paris, um mich mit meinen Freunden auf der »Paris Photo« zu treffen. Das ist eine große und sehr renommierte Fotokunstmesse. Hier kauft man, ohne mit der Wimper zu zucken, ein Foto von einer Blume im Glas für 12.000 Euro, so wie ich im Supermarkt Eier kaufe. In diesem Jahr kehrte »Paris Photo« in den Grand Palais zurück, nachdem dieser umfassend restauriert worden war.
Mittelpunkt der diesjährigen Ausstellung war eine Wand mit Werken des deutschen Fotografen August Sander, eines großen Meisters seines Faches, der als einer der bedeutendsten deutschen Porträtfotograf*innen des frühen 20. Jahrhunderts gilt. An der Wand waren 500 Abzüge seines Projekts »Antlitz der Zeit« angebracht. Diese Abzüge wurden zwar in den 1990er-Jahren von seinen Original-Glasplatten gedruckt, aber auch wenn es sich nicht um Originaldrucke des Künstlers handelt, ist der Preis für ein solches Werk noch recht moderat: 2,4 Millionen Euro. Ich verharre noch sehr lange vor seinen Porträts und versinke in einer Welt, die nach dem Zweiten Weltkrieg verschwand. Hier waren Arbeiter*innen, Bauern, Professor*innen, Soldat*innen, Künstler*innen, Feminist*innen, müde Mütter großer Familien, Kinder mit trostlosen Engelsaugen und strengen Gesichtern. Ich schaue nach, wie alt der Fotograf gewesen ist, als er 1964 verstarb. Er war 87.
Fotografien von lebenden Menschen sind um ein Vielfaches günstiger. Der Preis wird nicht nur vom Namen, dem technischen Können und dem Talent des*der Fotograf*in bestimmt, sondern auch davon, ob er*sie noch am Leben ist oder nicht. Von seinem*ihrem Alter. Je näher ein Mensch dem Tod ist, desto teurer sind seine Werke.
Unter den Werken berühmter Verstorbener stach das Porträt einer Frau aus dem Jahr 1862 besonders hervor. Ein Draht mit elektrischem Strom steckt in einem Teil ihres Gesichts, dieser Teil lächelt, der andere Teil bleibt gleichmütig. Das Bild ist von Duchenne de Boulogne, einem Neurologen und Begründer der Elektrotherapie. Das vorrangige wissenschaftliche Interesse von de Boulogne galt der medizinischen Anwendung der Elektrizität: Er ließ Strom durch die Gesichtsmuskeln von lebenden und toten Menschen fließen und untersuchte auf diese Weise deren Muskelkontraktionen. Er fand heraus, dass sich die Emotion der Freude durch die gleichzeitige Kontraktion der Muskeln zygomaticus major und orbicularis oculi ausdrückt. Diese Art des Lächelns wird als »Duchenne-Lächeln« bezeichnet - wenn die Augen-, Mund-, Wangen- und Augenbrauenmuskeln aktiv sind. Es fiel mir schwer, den Blick von diesem Porträt abzuwenden. Wenn man den lächelnden Teil des Gesichts verdeckt, schaut der andere Teil einen ganz beständig an - gelassen und unvergnügt. Sogar die zahlreichen Sommersprossen, die das Gesicht der Frau zieren, irritieren keineswegs das Auge. Hätte sie bloß gewusst, dass ihr kleines Foto im November 2024, schon am zweiten Tag der Fotomesse, für 89.000 Euro verkauft wird. Dass Dutzende berühmter Menschen an ihm vorbeigehen würden, darunter auch Jim Jarmusch, ein Ehrengast der »27. Paris Photo«.
Auf dieser Messe haben sich viele ukrainische Künstler*innen zusammengefunden, die jetzt über die ganze Welt verstreut sind. Aus Charkiw, Cherson, Odessa, Kyjiw, Donezk und Luhansk. Hier im Grand Palais konnte man die letzten Neuigkeiten und Gerüchte über gemeinsame Bekannte erfahren. Während ich mir Fotografien von 25 Vaginas mit dem Namen »Identifikation« (Preis: 25.000 Euro) ansehe, erfahre ich von einer Freundin, dass Natalka sich von ihrem Mann scheiden lässt und ihre gemeinsamen Kinder nun jeweils eine Woche mit dem Vater und eine mit der Mutter verbringen. Dass Max jetzt in Deutschland ist, seine Frau mit zwei Kindern ist in Irland, und der älteste Sohn in Kyjiw. Wasylj hat seinen Fotoscanner verkauft und ist in den Krieg gezogen. Serhij hat neulich eins seiner Fotos für eine anständige Summe verkauft. Nastja, die mit Ljonja zusammen war, ist nun auch in den Krieg gezogen. Ljonja ist ins Ausland geflohen, nach Bali oder so, und er hat eine Neue, die Nastja sehr ähnlich sieht. Kolja hat eine Hirnoperation hinter sich, er fotografiert nicht mehr, ist Taxifahrer geworden. Vikas Foto wurde auf der Titelseite einer angesagten französischen Zeitschrift veröffentlicht. Und sie hat einen Franzosen geheiratet.
Später bekommen wir von Vika eine wunderschöne Führung durch das nicht-touristische Paris. Ich erfahre, dass die Besitzerin dieses tollen Restaurants hier an der Ecke im zweiten Stock über dem Lokal wohnt und große Probleme mit der Vermögenssteuer hat, die sie schon seit vielen Jahren nicht zahlt. Und da drüben befindet sich der Laden, in dem es das leckerste Eis von Paris gibt. Aber dieser Laden ist fast immer geschlossen, selbst im Sommer sind die Besitzer für zwei Monate in den Urlaub gefahren. In diesen Vierteln zu wohnen ist prestigeträchtig und teuer, dort drüben – da ist es auch recht teuer, aber etwas günstiger, dort wohnen überwiegend Linke. Und in dieses Restaurant kam Serge Gainsbourg zu Lebzeiten jeden Tag mit dem Taxi zum Mitagessen. Das Centre Pompidou wird bald für fünf oder zehn Jahre wegen Renovierung geschlossen, ein Besuch würde sich also lohnen. Überall steht man stundenlang an. Aber meine Freund*innen wissen, wie man in die Museen kommt, ohne in der Schlange zu stehen.
Wir gehen auf eine Party, unweit der Fontaine Saint-Michel. Direkt dahinter befinden sich Künstler*innenateliers. Eines davon hat unser Freund Mykola gemietet. Er kommt von der Krim und lebt seit knapp zehn Jahren in Paris. Seine Frau ist gebürtige Pariserin und sieht Amélie aus dem gleichnamigen Film sehr ähnlich. In einem nahe gelegenen Café, das seinen Freund*innen gehört, schmeißt Mykola eine Party, zu der meine Landsleute und französische Künstler*innen kommen. Alle trinken Wein. Es spielt Musik. Die ukrainische Sprache vermischt sich mit Französisch und Englisch. Zu meinem Erstaunen freut es mich, in diesem Café plötzlich Deutsch zu hören. Einer der Barkeeper sieht aus wie ein Italiener, aber es stellt sich heraus, dass er einer von uns ist, ein Ukrainer, aus Odessa. Ein anderer Mann, von dem ich zunächst dachte, er sei aus Galizien (Anm. d. Übers.: Gebiet in der Westukraine), entpuppt sich als gebürtiger Pariser und Besitzer dieses Cafés. Wir alle unterhalten uns über alles Mögliche, nur nicht über den Krieg.
Unter dem Gelächter der Gäst*innen erzählt Mykola, wie er diesen Sommer Street-Art in Kenia gemacht hat. Wie er einem einheimischen Kerl, der ihn wärend der Arbeit ständig am Ärmel zog, eine Maulschelle verpasste. Dann holten ihn Leute von der Mafia mit gepanzerten Autos ab und brachten ihn zu ihrem Boss, um die Sache zu klären. Er erzählte, dass sie ihn eigentlich hätten töten können, aber nach einem emotionsgeladenen Gespräch mit dem Boss verbrüderte er sich mit ihm und alles endete mit einem Saufgelage bis in die frühen Morgenstunden. Mykola ist ein Glückspilz – er würde selbst mit Außerirdischen eine gemeinsame Sprache finden.
Es ist schon Mitternacht. Aber draußen ist es so warm, als ob es Mai wäre und nicht November. Wir alle lachen ausgelassen. Plaudern unbeschwert. Hinter dieser ganzen Pariser Geräuschkulisse mit ukrainischem Touch läutet wie ein leiser Soundtrack in meinem Kopf die karge Stimme der Ärztin in Kyjiw, die meiner Mutter am frühen Morgen am Telefon mitteilte, dass sie Metastasen im Gehirn hat und es unklar ist, wie es weitergeht. Wie es weitergeht? Auf meine Bitte hin schickten mir Freund*innen ein aktuelles Foto meiner Mutter. Sie sah gelassen aus und lächelte. Lächelte aufrichtig, so wie Kinder es tun. Diese Krankheit hat einen Vorteil. Sie reißt einen Menschen komplett aus der Realität heraus, weg von den verfluchten Shahed-Drohnen, die wie todbringende Wespen über meiner Heimatstadt kreisen, weg von Putin, von den Wahlen in Amerika. Ein todkranker Mensch bleibt ganz allein mit seiner Welt, die allmählich schwindet. Aber solange er noch imstande ist, zu lächeln, wird er nicht zerbrechen.
Wenn man das Porträt der Frau mit dem Duchenne-Lächeln genauer betrachtet, sieht man nicht nur das Experiment eines Neurologen, sondern viel, viel mehr. Und man spürt klar und deutlich – nicht alles ist sinnlos.
Грудень 2024
Посмішка Дюшена
Від Парижа до Гейдельбергу три години їзди потягом. Лише три години і я опиняюсь в іншому вимірі. Паризьке метро приймає мене в свої обійми. І на якийсь момент ввижається, що я опиняюся в дитинстві. Ми з мамою їдемо до «Кулінарії» (велика кав’ярня з пиріжками на Хрещатику, якої зараз вже немає). Навколо повно людей і це створює своєрідний затишок, який обіймає тебе наче пледом – ти одночасно з усіма і сама по собі. Паризькі транспортні пробки мене тішать, хоча це протирічить здоровому глузду. Що хорошого в пробках, крім того, що це свідчення незмінності деяких речей у світі, до якого я звикла? Так само як і відчуття впізнаваності багатоповерхівок у дусі Корбюз’є у непрестижному окрузі Парижу, де я з другом арендую житло. Хоча хтось ці багатоповерхівки вважає потворами – для мене ці потвори - шлях у спогади про дитинство, коли мама та тато були ще молодими та здоровими. У всіх містах моєї країни таких коробок понатикано безліч - як зубів у пащі крокодила.
На початку листопада я приїхала до Парижу побачитись з друзями на Paris Photo. Якщо хто не в курсі – це великий і дуже престижний ярмарок фотомистецтва. Тут запросто купують фотороботу з квіткою у склянці за 12 штук євро – як я яйця у супермаркеті. Цього року Paris Photo повернувся до Grand Palais після капітальної реставрації. Тут представлені галереї з усього світу. Оренда одного невеликого місця коштує біля 30 тисяч євро.
Центральною експозицією цього року стала стіна німецького фотографа Авґуста Зандера. Крутого майстра, якого визнано одним з найвизначніших німецьких фотографів-портретистів початку XX століття. На стіні 500 принтів з його проєкту Antlitz der Zeit. Щоправда, принти в 1990-ті видруковані з його оригінальних скляних пластин, але навіть зважаючи на те, що це не авторський друк, ціна для такої роботи вважається досить помірною – 2.4 млн. євро. Я буквально зависаю перед його портретами і переношусь у світ, який зник після Другої Світової. Тут робітники, фермери, професори, солдати, художники, феміністки, втомлені матері великих сімейств, діти з приреченими поглядами янголів і суворими виразами на обличчях. На автоматі дивлюсь у Вікіпедії скільки було майстру, коли він помер у 1964-му. Йому було 87-м.
Фото сучасників коштують у рази дешевше. Ціна залежить не лише від імені, вмілості і талановитості фотографа, а й від того, живий він чи мертвий. Від його віку. Чим ближче людина до смерті – тим дорожче її твори.
Серед доробку видатних мерців виділявся портрет жінки, датований 1862-м роком. В одну частину обличчя впирається дротик, через який проводиться струм, ця частина посміхається, інша лишається спокійною. Автором знімку значився Дюшен де Булон - невролог та «батька електротерапії». (Прим.: хоча, як пише англійська Вікіпедія, лікар лише проводив досліди, а портрети робила інша людина). Основним науковим інтересом де Булона було медичне застосування електрики: він пропускав струм через лицьові м'язи живих людей і мертвяків і таким чином вивчав м'язові скорочення. Він відкрив, що емоція радості виражається у спільному скороченні м'язів zygomaticus major і orbicularis oculi. Цей вид посмішки називається «посмішкою Дюшена» - коли задіяні м’язи очей, рота, щік та бровей. Від цього портрету було складно відірвати очі – якщо прикривати частину обличчя з посмішкою, інша дивитиметься в упор - спокійно та невесело. І навіть ластовиння, яким рясно усіяне личко моделі, не збивало з пантелику. Знала б вона, що її невеличкого розміру фото у листопаді 2024 року куплять вже на другий день ярмарку за 89 тис. євро. Що повз нього проходитимуть десятки відомих людей, серед яких буде і Джим Джармуш - спеціальний гість 27-го Paris Photo.
Треба сказати, що на ярмарок з’їхалось немало українських митців, яких зараз розкидало по всьому світу. Харків, Херсон, Одеса, Київ, Донецьк, Луганськ. Тут в Grand Palais ти дізнаєшся останні новини та плітки про спільних знайомих.
Втикаючи у знімки 25-ти жіночих піхв під назвою «Ідентифікація» (ціна 25 тис. євро) дізнаюсь від подружки, що Наталка розлучається з чоловіком іноземцем, їхні спільні діти проводять по тижню то з татом, то з мамою. Що Макс зараз на резиденції в Німеччині, його дружина з двома дітьми в Ірландії, старший син в Києві. А Василь продав ксерокс і пішов на війну. У Сергія щойно купили фото за пристойні гроші. Настя, яка була з Льонею, теж пішла на війну. Льоня втік за кордон, кудись на Балі і у нього нова пассія, яка ззовні дуже схожа Настю. У Колі була операція на мозку, він закинув зйомку і став таксистом. У Віки вийшла обкладинка в крутому французькому журналі. А ще вона одружилася з французом.
Згодом Віка проводить для нас прекрасну екскурсію нетуристичним Парижем. Я дізнаюся, що власниця отого гарного ресторану на розі живе на другому поверсі над своїм закладом і у неї величезні проблеми з податками на багатство, які вона не платила довгі роки. Он там знаходиться магазин, де продається найсмачніше морозиво в Парижі. Але цей магазин майже завжди зачинений, навіть влітку його хазяї звалили відпочивати на два місяці. В таких-то округах жити престижно і дорого, он там - теж дорого, але дешевше і мешкають переважно ліваки. Цей старий район полюбили гомосексуали і серед місцевих ходить нетолерантний жарт, що, коли йдеш тут вулицею, краще прикривати дупу. А в цей ресторан за життя кожен день приїздив на таксі обідати Серж Гензбур. Помпіду скоро зачиниться на п’ять чи 10 років на ремонт, тож варто сходити. Черги всюди на кілька годин. Але мої друзі знають спосіб, як пройти в музеї без черги.
Ми йдемо на вечірку. Це неподалік від фонтану Сен-Мішель. Прямо за цим фонтаном – знаходяться художні майстерні. Одну з них винаймає наш приятель Микола. Він сам з Криму, мешкає в Парижі біля десяти років. Його дружина – парижанка і вона дуже схожа на Амелі з однойменного фільму. У кафе неподалік, яке належить його приятелям, художник влаштовує вечірку. Збираються мої співвітчизники і французькі артисти. Всі п’ють вино. Лунає музика. Українська зливається з французькою та англійською. На свій подив я радію, коли несподівано у кав’ярні чую німецьку. Один з барменів ззовні дуже схожий на італійця – виявляється нашим українцем з Одеси. А чоловіка, якого я приймаю за типового галичанина, виявляється корінним парижанином і власником цього кафе. Ми всі говоримо про що завгодно, але не про війну.
Микола під сміх оточуючих розповідає, як цього літа робив стрит-арт у Кенії. Як дав по пиці місцевому хлопцю, який весь час смикав його за рукав під час роботи. А потім за ним на броньованих машинах приїхали мафіозі і забрали на розборку до будинку боса. Про те, що теоретично його могли вбити, але після емоційної розмови все закінчилося братанням з босом і спільними посиденьками з бухлом до ранку. Треба знати вдачу Миколи – він і з інопланетянами порозуміється.
Вже північ. Проте на вулиці тепло, наче не листопад, а травень. Ми всі від душі сміємося. Точимо ляси. За цим паризьким гомоном з українським виміром тихим саунд-треком в моїй свідомості бринить безпристрасний голос київської лікарки, яка зранку по телефону сказала, що у моєї мами метастази в мозку і що не ясно, як там далі. Як там далі? На моє прохання близькі люди надіслали фото мами. Мама виглядала спокійною і посміхалася. Щиро - так, як посміхаються діти. У цієї хвороби є один плюс – вона абсолютно відсторонює людину від реальності – від клятих шахедів, що смертоносними бджолами кружляють на моїм рідним містом, від путіна, від виборів у Штатах. Людина, яка смертельно захворіла, залишається сам на сам зі своїм світом, що зникає. Але поки вона здатна посміхатися – вона не зламається.
Якщо пильно придивитись до портрету жінки з «посмішкою Дюшена», то можна розгледіти не лише експеримент невролога, а побачити значно більше. І відчути чітко і ясно – все не безсенсово.
Oktober 2024
Hände auf dem Lenkrad
»Kommst du heute zur Demo?«
»Nein. Ich fahre morgen nach Kyjiw. Um sechs Uhr früh. Was für ne Demo?«
»Es wird ein Screening des pro-putin-Propagandastreifens von Oliver Stone geben.«
»Alles klar. Wir sehen uns auf der Demo.«
»Wie geht’s dir? Alles in Ordnung?«
»Ich habe geträumt, wie eine rostige Tür ständig auf- und zugeht, bis du mich geweckt hast.«
»Schau dir die Nachrichten an!«
»Es ist fünf Uhr in der Frühe. Ich will keine Nachrichten.«
»Die Russen haben über 100 Raketen auf die Ukraine abgefeuert.«
»Fuck! Es gibt keinen Strom. Ich stecke im Aufzug fest, verspäte mich.«
»Hab ich dir doch gesagt! Warum hast du nicht die Treppe genommen? Auf welchem Stockwerk steckst du denn fest?«
»Im zwanzigsten, oder einundzwanzigsten …«
»Gut, wir kommen alle zu dir runter … Ich habe noch nie am Aufzug meinen Geburtstag gefeiert.«
»Und ich noch nie deinen Geburtstag in einem Aufzug.«
»Willst du roten oder weißen Wein? Wir stecken dir einen Strohhalm durch die Tür.«
»Haha! Roten :-)«
»Irgendwelche jungen Frauen aus dem Ausland sind mit unseren Volontären mitgefahren, um Aufnahmen vom Krieg zu machen. Zwei sind verletzt, und von einer blieben nur die Hände auf dem Lenkrad.«
»Auf dem Lenkrad … war das vielleicht eine Ukrainerin?«
»Hab ich nicht gefragt.«
Das ist ein Potpourri von Nachrichten aus meinen Chats mit Freund*innen von August und Oktober. Wenn man alle zusammenfügt, entsteht ein absurdes Theaterstück. Krieg ist absurd, besonders, wenn der Frieden neben ihm »Schritt hält«. Wenn Krieg und Frieden sich in deinem Handy übereinander stapeln, in Form dieser Nachrichten – von Freund*innen, Verwandten, Kolleg*innen.
Neulich habe ich bei einer Online-Konferenz mit ukrainischen Dramatiker*innen Theatertexte besprochen, die für den ukrainischen Dramatiker*innenwettbewerb »Lypnewyj Med« (Julihonig) eingereicht wurden. Ich war Mitglied der Jury. Eine Hälfte der Jury befindet sich im Ausland, die andere in der Ukraine. Zwei Mitglieder nahmen aus dem Schützengraben an der Zoom-Konferenz teil. Einer von ihnen ist ein Regisseur, der an der Theaterschule, die meine Tochter besuchte, Schauspiel unterrichtete. Jetzt ist er Mörserschütze an der Front. Meine Tochter schaute natürlich vorbei, um ihrem Lehrer Hallo zu sagen. Es war ein heller und ergreifender Moment. Als ob zwei Welten aufeinandertreffen würden. In diesem Grenzraum entstand eine Wahrheit, über das Licht, das in den Menschen leuchtet, Ungerechtigkeit und Tod zum Trotze. Allem Grauen zum Trotze, das der Krieg mit sich bringt.
Schade, dass der progressive Teil der Welt nicht sehen will, oder Angst davor hat, zu sehen, wie das putin-Regime systematisch Chaos in der Welt verbreitet. Wenn man sich die aktuellsten Geschehnisse in der Weltpolitik und die Wahlergebnisse anschaut, entsteht der Eindruck, dass diese progressive Welt das Monster am Bart zupft und nicht daran glaubt, dass dieses Monster schon dazu bereit ist, sie samt all ihren demokratischen Prinzipien zu verschlingen. Auch auf den Straßen Heidelbergs kann man nun die Früchte der Kreml-Propaganda begutachten. Im August 2024 fand auf dem Universitätsplatz gleich neben der Ruprecht-Karls-Universität, dem berühmten Zentrum des Fortschritts, eine Open-Air-Vorführung des Films »Ukraine on Fire« statt, einer Sammlung russischer Propaganda-Narrative. Produziert wurde der Film von Hollywood-Regisseur Oliver Stone, Autor des satirischen experimentellen Kinofilms »Natural Born Killers«, welcher die Verherrlichung von Serienmördern auf die Schippe nimmt. Heutzutage ist Stone ein großer Verehrer von Diktaturen und Freund von putin.
Gezeigt wurde der Film bei Anbruch der Dunkelheit auf einer mobilen Leinwand. Etwa zehn Menschen kamen zu der Vorführung, überwiegend waren es die Organisator*innen der Aktion. Polizist*innen gingen in Paaren hin und her. Die Schatten der Platanen wurden immer größer. Am Himmel versteckte sich der Mond hinter den Wolken. Ab und an rüttelte der Wind mit seinem Herbstatem an der Leinwand. Hundertfünfzig Meter entfernt stand eine Gruppe Ukrainer*innen, die gegen diese Veranstaltung protestierten. Es waren im Übrigen viel mehr Ukrainer*innen da als Fans dieses Putin-Kinos.
Just in dem Moment, als ich die Benachrichtigung bekam, dass in mehreren Regionen der Ukraine wieder Luftalarm ausgerufen wurde, erschien eine Großaufnahme der Physiognomie des russischen Präsidenten auf der Leinwand. Straßenlichter erleuchteten das altehrwürdige Gebäude der berühmten Heidelberger Universität. Auf der Leinwand flackerte das Halbprofil des ehemaligen Präsidenten der Ukraine, Viktor Janukowitsch, der aus der Ukraine nach russland geflohen ist und den Ukrainern die Legende vom goldenen Brotlaib hinterließ, einem Briefbeschwerer aus Massivgold, der nach Janukowitschs Flucht angeblich in seinem Anwesen in Meschyhirja gefunden wurde. Dieser Klunker wurde in der Ukraine zu einem Symbol für maßlose Korruption.
Ich dachte an all die Wissenschaftler*innen und Philosoph*innen, die an dieser Universität studiert und gelehrt hatten, die diese Welt zu einer besseren Welt machen wollten, die über diesen Platz schritten, wo jetzt das Antlitz meines ehemaligen Präsidenten, welcher in einer für das Land kritischen Zeit einfach geflohen ist, geisterhaft leuchtet. Ich denke an Karl Jaspers, dessen Bücher in meiner Jugend auf mich einen großen Eindruck machten, meine Weltanschauung veränderten. Sein »Strindberg und van Gogh« gehört immer noch zu meinen Lieblingswerken. Erst hier in Heidelberg habe ich erfahren, dass unter der Leitung von Jaspers nach dem Zweiten Weltkrieg eine neue Satzung entwickelt wurde, gemäß derer sich die Universität verpflichtete, »dem lebendigen Geiste der Wahrheit, Gerechtigkeit und Menschlichkeit zu dienen«.
Welche Wahrheit, Gerechtigkeit und Menschlichkeit, zum Teufel? Diese rhetorische Frage stelle ich mir, während ich auf dem Universitätsplatz stehe und auf die Leinwand schaue, auf der Janukowitsch mittlerweile gemeinsam mit putin gezeigt wird. Sie stehen nebeneinander und blicken in die Kamera.
Wo ist die Gerechtigkeit, Herr Jaspers? Geschweige denn die Menschlichkeit und der Geist der Wahrheit?
Wie als Antwort auf meine Frage weht ein Windstoß auf die Leinwand, und die beiden Gestalten des Diktators und des Ex-Präsidenten werden für einen Moment zu Karikaturen ihrer selbst. »Na, zumindest etwas«, denke ich und gehe zur Haltestelle der Straßenbahn 5.
Am nächsten Tag fahre ich nach Kyjiw, durch Polen. Ich fliege von Frankfurt am Main nach Krakau. In einem Cafe am Flughafen sehe ich in dem mannigfaltigen Gemenge eine Frau mittleren Alters mit einem für meine Landsleute charakteristischen Gesichtsausdruck, die von ihrem Tisch aufsteht. Ich bemerke ihre Beinprotese. Niemand ringsum beachtet sie, oder man tut so, als ob nichts wäre. Neben mir nimmt eine Bloggerin ein Video auf, wie sie Champagner trinkt.
In Kyjiw reagiere ich auf Menschen ohne Gliedmaßen gelassener. Es sind sehr viele junge Männer unter ihnen. Doch eines Tages treffe ich in einem Park auf eine Frau mit einer dreijährigen Tochter. Das Mädchen hat eine Protese an einem Bein, in etwa den gleichen Farben, wie die der Frau am Flughafen, nur mit rosafarbenen Elementen und kleiner. Wie soll ich das akzeptieren?
Es ist doch klar, dass das Mädchen mit zwei Beinen auf die Welt gekommen ist, dass wenn nicht der Krieg gewesen wäre … Ich zwinge mich dazu, meinen Blick von diesem Mädchen nicht abzuwenden, um mir alle Details zu merken. Um mich zu erinnern.
In einer Nacht wird die Ukraine von über einhundert Raketen beschossen. Ihr Donnern höre ich im Traum, in dem eine rostige Eisentür ständig auf- und zugeht.
Im ukrainischen PEN-Club höre ich ukrainischen Schriftsteller*innen zu, wie sie Texte vorlesen. Gedichte von Maxim Krawtsow, der an der Front gestorben ist. An den Wänden hängen Fotos, geschossen von einer verstorbenen Künstlerin. Der Tod zeitgenössischer Künstler*innen ist mittlerweile ein gewohntes Thema bei kulturellen Veranstaltungen, ebenso wie die Schweigeminute vor ihrem Beginn.
Das Brummen der Generatoren in der ganzen Stadt, wenn der Strom ausfällt, ist zur gewöhnlichen Routine geworden. Wie auch das neue Spiel der Hochhausbewohner – bleibst du auf dem Weg zur 25. Etage im Aufzug stecken oder schaffst du es noch, bis der Strom abgestellt wird?
Als ich diesmal die Ukraine besuchte, feierte ich den Geburtstag einer Freundin in einem Aufzug, in dem ich geblieben bin. Wir fühlten uns wie Protagonistinnen einer Komödie von Roy Andersson und haben schon lange nicht mehr so ausgiebig gelacht, bis wir Bauch- und Kieferschmerzen bekamen.
Nach meiner Rückkehr nach Heidelberg chatte ich mit einem Freund. Er erzählt mir von Volontär*innen, die Brot in frontnahe Städte bringen: Ein paar junge Frauen aus dem Ausland fuhren mit unseren Volontär*innen mit, um Aufnahmen vom Krieg zu machen. Sie wurden von Artillerie getroffen, dabei wurden zwei von ihnen verletzt. Von einer blieben nur die Hände auf dem Lenkrad. »War das vielleicht jemand von uns am Steuer?«
»Danach habe ich nicht gefragt.«
Fast täglich denke ich an diese junge Frau am Steuer, von der nur die Hände übrigblieben. Sind die Hände am Lenkrad geblieben, weil sie so fest zugegriffen hat? Hatte sie eine schlechte Vorahnung? Wer war sie? Wofür interessierte sie sich? Welche Musik mochte sie? Welche Farbe hatten ihre Augen? Hatte sie ein Netflix- oder HBO-Abo? Ist sie auf Rave-Partys gegangen? Wo kommt sie her? Wie sah ihr Gesicht aus? Ich weiß nichts über sie. Ich weiß nur, dass sie den Menschen an der Front Brot brachte, und dass die russen sie getötet haben.
Жовтень 2024
Руки на кермі
«Ти прийдеш сьогодні на акцію протесту?
Ні. Завтра додому в Київ їду. Виїзд о шостій ранку. А що там?
Та тут влаштовують показ в центрі Гейдельбергу пропутінської агітки Стоуна.
Ясно. Зустрінемось на акції»
«Ти як? Як ти?!
Сон снився, що двері з іржею туди-сюди гатять, поки ти не розбудила.
Новини дивись!!
П’ята ранку. Не хочу новин.
Більше 100 ракет по Україні росіянці запустили»
«Бляха! Світло вимкнули. Я в ліфті застрягла, тож спізнюсь до тебе.
А я тобі казала(! Чого ти пішки не пішла?! Ти на якому поверсі зависла?
Десь двадцятий чи двадцять перший(
Окей, ми до тебе зара спустимося всі… Я ще ніколи свою днюху під ліфтом не відмічала.
А я твій ДР у твоєму ліфті
Ти біле чи червоне будеш? Ми трубочку тобі крізь двері пропхаємо.
Ржу в голос! Червоне J»
«Дівчата–іноземки поїхали з нашими волонтерами війну познімати. Дві – «триста», а від одної лише руки на рулі лишились.
Якщо руки на рулі, це була наша за кермом?
Я не питав»
Це попурі повідомлень з моїх чатів з друзями за серпень-вересень. Якщо зібрати все докупи – вийде п’єса абсурду. Війна – це абсурд, особливо, коли поряд з нею «крокує» мир. Коли війна та мир дихають ніздря в ніздрю у твоєму мобільнику. «Дихають» у вигляді цих повідомлень – від друзів, родичів, колег. От нещодавно ми з українськими письменниками онлайн обговорювали п’єси, які були надіслані на український драматургічний конкурс «Липневий мед». Я була в журі. Половина нашого журі знаходиться за кордоном, інша – в Україні. Ще двоє вийшли в zoom з окопів. Один з них – режисер – колись викладав театральну майстерність в студії, до якої ходила моя донька. Зараз цей чоловік – мінометник на фронті. Звісно моя донька заглянула у zoom, щоб привітатися зі своїм викладачем. Це був світлий і щемкий момент. Два світи ніби торкнулись одне одного. У цьому перетині була правда про світло, що жевріє в людях в пику смерті та несправедливості. В пику жахіттям, що несе війна.
Шкода, що прогресивний світ не хоче або боїться бачити, як путінський режим
методично сіє хаос у світі. З огляду на останні новини зі світової політики, результати виборів – виникає враження, що цей самий прогресивний світ смикає чудовисько за бороду, не вірячи в те, що воно готове його зжерти разом з усіма демократичними засадами. Ну а плоди праці кремлівської пропаганди можна побачити й на вулицях інтелігентного Гейдельбергу. В серпні на площі Universitätsplatz біля знаменитого осередку прогресу Гейдельберзького університету Рупрехта-Карла просто неба відбувся показ фільму «Україна в огні» - збірнику наративів російської пропаганди. Його спродюсував голлівудський режисер Олівер Стоун - колись автор експериментальної сатиричної стрічки Natural Born Killers, що стібе героїзацію серійних вбивць, а нині великий шанувальник диктаторських режимів і друг путіна.
Стрічку показували, коли вже звечоріло, на розкладному екрані. На кіносеанс зібралося чоловік десять глядачів – організаторів акції. Поряд парами ходили поліцейські. Тіні від платанів ставали все більшими. Місяць на небі ховався за хмарками. Вітерець з подихом осені час од часу трохи тріпав екран. Метрів за сто п’ятдесят стояла група українців, які протестували проти цієї акції. До речі, кількість їх була більшою за шанувальників пропутінського кіна.
Коли мені прийшло повідомлення, що у низці областей України у черговий раз оголошено повітряно тривогу і є загроза балістики, синхроном на екрані крупним планом виникла фізія російського президента. Старовинна будівля знаменитого Гейдельберзького університету була гарно освітлена нічними ліхтарями. З екрану вже блимав полупрофіль колишнього президента України Януковича, який втік до росії, лишивши українцям легенду про золотий батон. Я думала про всіх тих науковців і філософів, які навчалися і працювали у цьому університеті, які хотіли змінити світ на краще, які ходили цією площею, де зараз миготить примарною світотіню постать мого колишнього президента, який втік з країни у критичний для неї час. Я думаю про Карла Ясперса, книги якого на мене в юності справили сильне враження і вплинули на світогляд. Його «Стріндберг і Ван Гог» досі серед моїх улюблених. Вже тут, у Гейдельберзі, я дізналась, що під керівництвом Ясперса, після закінчення Другої світової війни, розробили новий статут, згідно якому університет зобов'язався «служити живому духу правди, справедливості та людяності».
Яка в біса правда, справедливість та людяність?! - задаюсь я риторичним питанням, стоячи посеред Universitätsplatz і дивлячись на екран, по якому показують вже путіна та Януковича разом. Вони стоять поряд та дивляться в камеру.
Де справедливість, пане Ясперсе, не кажучи вже про людяність та дух правди?!
Ніби у відповідь порив вітру на секунду надуває екран і обидві постаті диктатора та екс-президента стають схожими на карикатури самих себе. «Ну, окей, хоча б так», - про себе говорю я та йду у бік п’ятого трамваю.
Наступного дня їду до Києва через Польщу. У мене літак з Франфурту на Майні до Кракова. В аеропорту в кафе серед людського різноманіття бачу середніх років жінку з притаманним моїм співвітчизникам тривожним виразом обличчя, вона якраз встає з-за столику. Зауважую у неї замість однієї ноги протез. Ніхто з присутніх не звертає на неї уваги чи робить вигляд, що нічого не помічає. Поряд зі мною блогерка записує відео про те, як вона п’є шампанське.
У Києві на людей без кінцівок я реагую спокійніше. Серед них багато молодих хлопців. Проте одного дня у парку я стикаюсь з мамою та дівчинкою трьох років. У дівчинки протез замість ніжки. Приблизно у тій же кольоровій гаммі, як у жінки з аеропорту, тільки з рожевими вставками і меншого розміру. І як це прийняти? Ясно же, що від природи дитина народилася з двома руками та ногами. Що якби не війна… Я силою змушую себе не відводити погляд від дитини, щоб запам’ятати деталі. Щоб пам’ятати.
В одну з ночей по Україні випускають більше сотні ракет. Гуркіт я чую через сон, у якому залізні поїдені іржею двері то зачиняються, то відчиняються.
В українському ПЕН-клубі я слухаю тексти, які читають українські письменники. Вірші загиблого на фронті Максима Кравцова. На стінах висять фотографії, зроблені загиблою мисткинею. Смерть митців-сучасників – звична тема для культурних заходів. Так само як хвилина мовчання перед початком культурного івенту.
Звичайна рутина - це гудіння генераторів по всьому місту, коли вимикають світло. Або нова гра у жителів висоток – застрягнеш у ліфті, який їде на 25 поверх, чи проскочиш і доїдеш до потрібного поверху до того, як вимкнуть електрику?
У цей приїзд я відмічала день народження подруги у ліфті, в якому застрягла. Ми з нею відчували себе героїнями комедії Ройя Андерсена. Ми давно так голосно, так відчайдушно до болі в животі та щелепі не ржали.
Вже після повернення до Гейдельбергу переписуюсь з другом у чаті. Він пише про знайомих волонтерів, які возять хліб у прифронтові місця: Дівчата–іноземки поїхали з нашими волонтерами війну познімати. По ним прилетіло. Дві – «триста». Від одної лише руки на рулі лишились. - Якщо руки на рулі, значить, наша була за кермом? - Я не питав.
Майже кожного дня я думаю про ту дівчину за кермом, від якої зосталися лише руки. Вона їх стискала так сильно, що вони лишилися на кермі? У неї були передчуття? Хто вона? Чим цікавилася? Яку музику любила? Якого кольору були її очі? Вона була підписана на Netflix чи HBO? Ходила на рейви? Звідки вона? Яке у неї було обличчя? Я нічого про неї не знаю. Я знаю лише, що вона везла людям хліб і її вбили росіяни.
Mai 2024
Zhenja
In den Nullerjahren hatte ich noch kein Kind und hing oft im »Club 44« am Chreschtschatyk ab. Geleitet hat den Club ein Deutscher, Erik, den fast ganz Kyjiw kannte. Es waren leichte Zeiten, mit leicht verdientem Geld. Ich arbeitete als Journalistin und verdiente um ein Vielfaches mehr als meine Eltern. Meine Mutter arbeitete als Betriebswirtschaftlerin, mein Vater war Ingenieur in einer Fabrik, die irgendwelche wichtigen Bauteile für Agrarmaschinen herstellte. Dieser Unterschied im Lohn war darauf zurückzuführen, dass die beiden Betriebe in Staatsbesitz waren und wenig zahlten, während die Zeitungen und Zeitschriften, für die ich schrieb, von privaten Geldern oder Fördermitteln lebten. Im »Club 44« traf sich ein buntes Publikum – Künstler*innen, Musiker*innen, Schauspieler*innen, Geschäftsleute, Ecstasy-Dealer*innen usw. … Um drei Uhr nachts heimzukommen war für mich und meine Freund*innen damals die Norm, wie es auch die Norm war, am nächsten Morgen mit dem Taxi zur Redaktion zu eilen, kaum, dass man die Augen geöffnet hatte. Jeden Morgen gab es im Verlag Planungssitzungen, zu denen ich immer zu spät kam. Die Redaktionsleitung mochte meine Texte und verzieh mir die Verspätungen. Zhenja, der über Politik schrieb, verspätete sich nie. Wir waren etwa gleich alt, in unseren Zwanzigern, dem Alter der Fehler und Experimente. Aber es war, als ob wir in zwei verschiedenen, sich nicht überschneidenden Parallelwelten existierten.
Ich erlebte fast jeden Tag Abenteuer, hatte interessante Freund*innen. Er hatte immer irgendwelche Parteiangelegenheiten zu erledigen, linke Freund*innen, die sich öde kleideten und wie unkreative Sonderlinge aussahen. Mir wäre es nie in den Kopf gekommen, die Werke von Marx oder Engels zu lesen, Paolo Coelho fand ich scheiße, und alle, die Borges und Beckett nicht gelesen haben, existierten für mich einfach nicht. Damals war es mir sehr wichtig, welche Bücher man las. Mit der Zeit habe ich begriffen, dass es über einen Menschen überhaupt nichts aussagt. Du kannst dich mit Poesie auskennen, Allen Ginsburg oder Wystan Hugh Auden zitieren, und zugleich ein Feigling sein, der nur an seine eigene Haut denkt. Zhenja sah aus wie ein Schullehrer, er redete wie ein Schullehrer, aber es stellte sich heraus, dass er ein Krieger ist. Der Krieg deckt das Wesen der Menschen auf.
Seit den Nullerjahren hatten wir keinen Kontakt, vor über zehn Jahren haben wir uns das letzte Mal getroffen. 2013 liefen wir einander zufällig über den Weg, als in Kyjiw die Revolution der Würde tobte. Wir trafen uns auf einer Brücke, in dem Bezirk, in dem wir beide wohnten. Ich schleppte meine Tochter in den Kindergarten und scrollte nebenbei durch die Nachrichten vom Maidan, Zhenja brachte seinen Sohn zur Schule. Die Stimmung in der Stadt war angespannt. Es war Winter. Berkut-Einsatzkräfte und die sogenannten »Tituschki« – simpel gestrickte halbkriminelle junge Männer – zogen in Gruppen umher. Die Menschen in Kyjiw erkannten die Ihrigen an gelb-blauen Bändern, die sie trugen. Zhenja und ich nahmen teil an den Protesten auf dem Maidan. Zhenja arbeitete als Investigativjournalist und kannte sich mit politischen Themen gut aus. Ich weiß noch, wie ich ihn fragte: Was denkst du, werden sie (die Machthabenden um Janukowitsch) wirklich beginnen, zu schießen? Sie taten es. Und töteten dabei über einhundert Menschen.
Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich am 19. und 20. Februar 2014 nicht arbeiten konnte. Wie es mich auf den Maidan zog, weil für mich an diesem Ort des Todes damals das ganze Leben stattfand. Meinen Besuch im Krankenhaus am linken Ufer, als die Metro nicht mehr ins Zentrum von Kyjiw fuhr. Und das Blut auf dem Boden der Notfallstation, und die hunderten Verletzten …
Zhenja und ich treffen uns am 21. Februar, als die Metro wieder in Betrieb genommen worden war. Damals hatte es noch niemand für möglich gehalten, dass in unserer einst friedlichen Stadt so eine Massenerschießung unbewaffneter Menschen zur Realität werden konnte. Die Welt, die in meiner Vorstellung existierte, brach in diesen Tagen zusammen. Es war, als ob jemand mit einem Mal das Weltgefüge zunichtegemacht hätte und die Realität nun ihr wahres Gesicht zeigen würde. Dann annektieren die russen ganz niederträchtig die Krim und organisieren Provokationen im Donbass. Es gibt sehr viele Tote, sehr viel Schmerz. Und Zhenja, der überhaupt keine Kampferfahrung hatte, zieht los, um das Land zu schützen.
Wir treffen uns 2015 wieder. Zhenja kommt vom Krieg heim nach Kyjiw, um sein Bein behandeln zu lassen. Ich frage ihn über den Krieg aus, er antwortet mir ganz ungezwungen. Ich weiß noch, wie wir uns verabschiedeten und er so manierlich zu der schmutzigen, grauen Bushaltestelle humpelte, die Brille mit den dicken Gläsern auf der Nase zurechtrückend. Ringsum fuhren Autos, Menschen gingen, eine Taube flog vorbei. Und ich weiß noch, wie ich plötzlich eine brennende Lust darauf bekam, einem unbekannten Scheusal die Fresse einzuschlagen, um nicht mitten auf der belebten Straße schmachvoll loszuheulen.
In den ersten Tagen des Angriffs russlands auf die Ukraine im Februar 2022 zieht Zhenja wieder in den Krieg. Wird sehr schwer verletzt. Wird wie durch ein Wunder gerettet. Man bringt ihn mit einem Hubschrauber auf sicheres Gebiet. Dann bringt man ihn zur Behandlung nach Deutschland. Ich besuche ihn im Krankenhaus. Sein Bein steckt in irgendeiner riesigen Metallkonstruktion. Über ein Jahr lang behandeln die wunderbaren deutschen Ärzt*innen sein Bein, das nun für immer kürzer sein wird als das andere. An dem Tag erfahre ich, dass sein Sohn jetzt bei der Armee ist. Das erzählt Zhenja sehr zurückhaltend und wortkarg. Und wieder möchte ich vor Hilfslosigkeit losheulen – der Junge, den ich noch vor Kurzem als Kind sah, ist im Krieg.
Ich weiß, dass Menschen wie Zhenja die Front aufrechterhalten. Menschen wie er bilden das Rückgrat der Ukraine. Es ist hier in Deutschland vielleicht schwer zu verstehen, aber die Zukunft Europas hängt unmittelbar davon ab, wie dieser Krieg endet. russland ist unheilbar erkrankt an Totalitarismus. Dieses Land ist dazu bereit, die ganze freie Welt wegen der Hirngespinste ihres verrückt gewordenen alten Bunkergreises zu vernichten. Die gesamte freie Welt sollte eigentlich danach streben, Ihn aufzuhalten, wenn sie weiterhin existieren will. Aber bislang sind es solche Kinder wie Zhenjas Sohn, die ihn aufhalten. Und solche selbstlosen Menschen wie Zhenja.
Травень 2024
Женя
В нульові у мене ще не було дитини і я часто тусила в клубі 44 на Хрещатику. Арт-директором там був німець Ерік, якого знав майже весь Київ. Це були легкі часи з легкими грошима. Я тоді працювала журналістом і заробляла у кілька разів більше, ніж мої батьки. Моя мама працювала економістом на виробництві, тато інженером на заводі, який виробляв якісь важливі деталі для сільхозтехніки. Така різниця у доходах пояснювалась тим, що підприємства були державними, платили там мало, а журнали та газети, в які я писала, існували на приватні кошти чи гранти. В клубі 44 збиралася різнокольорова публіка – художники, музиканти, актори, бізнесмени, торговці екстезі тощо. Тоді приходити додому о третій ночі було нормою для мене і моїх друзів. Також було нормою зранку, ледве продравши очі, мчати до редакції на таксі. Кожного ранку в моєму виданні проводились планьорки, на які я спізнювалась. Керівництво любило мої тексти, тож запізнення мені прощали. Не спізнювався на планьорки Женя, який писав про політику. Ми були приблизно одного віку - нам обом було за двадцять. Вік помилок та експериментів. Але ми ніби існували у паралельних світах, які не перетиналися.
У мене були пригоди майже кожного дня, цікаві друзі. У нього - якісь там партійні справи, друзі-ліваки, які скучно вдягались, і здавалися некреативними диваками. Женя не курив, майже не пив, і читали ми різні книги. Мені б ніколи не впало читати труди Маркса чи Енгельса, твори письменника Пауля Коельо я вважала гівном. Тих, хто не читав Борхеса чи Беккета - неуками. Тоді для мене ще було важливо, хто які книги читав. Згодом я зрозумію, що це аж ніяк не характеризує людину. Можна добре шарити в поезії, цитувати Аллена Гінсбурга чи Ві́стена-Г'ю О́дена, але бути сциклом, яке думає лише про власну шкуру. Женя виглядав як шкільний вчитель, говорив як шкільний вчитель, але він виявився воїном. Війна розкриває суть людини.
З нульових ми не спілкувалися і не бачилися більше десяти років. Випадково зустрілися 2013-го, коли в Києві вирувала Революція Гідності. Перетнулися на мосту в районі, в якому обидва жили. - Я тягла свою доньку до дитсадка і попутно скролила новини з Майдану, Женя вів до школи сина. В місті висіла напруга. Було зимно. Групами ходили беркутівці та «тітушки» - гопуватого вигляду юнаки. Кияни вираховували своїх по жовто-блакитним стрічкам. Я та Женя брали участь у протестах на Майдані. Женя вже працював журналістом-розслідувачем і добре шарив на політичні теми. Я ще пам’ятаю, що розпитувала його – думаєш вони (тодішня влада Януковича) справді почнуть стріляти? Почали. І вбили більше сотні людей.
Я добре пам’ятаю, як не могла працювати 19 і 20 лютого 2014-го. І як тягнуло мене на Майдан, бо тоді в місці смерті - для мене було життя. І похід в лікарню на Лівобережній, коли перестало ходити метро до центру Києва. І кров на підлозі в БСП (лікарня швидкої допомоги) і сотні поранених. З Женею ми побачимось 21 лютого, коли запустять метро. І слова будуть стояти комом в горлі. Адже тоді ще ніхто з нас не міг збагнути – що масовий розстріл неозброєних людей у нашому колись мирному місті можливий. Світ, який існував в моїй уяві, помре в ті дні. Так ніби одномоментно зруйнували матрицю і реальність показала своє справжнє обличчя. Потім росіяне підло анексують Крим і влаштують провокації на Донбасі. Буде багато смертей і болю. І Женя, у якого на той момент не було бойвого досвіду, піде боронити країну від цих істот.
Зустрінемось ми знову зимою 2015-го. Коли він приїде з війни лікувати ногу до Києва. Я буду розпитувати про війну, а він буденно розказувати. І я досі згадую, як він, коли ми розпрощалися, - шкутильгав дуже так інтелігентно до брудної і сірої автобусної зупинки, на ходу поправляючи окуляри з товстими скельцями. Повз їхали машини, йшли люди, голуб пролетів. І я пам'ятаю, як мені гостро захотілося дати якійсь невідомій мені наволочі по морді, щоб ганебно не заревти посеред велелюдної вулиці.
В перші дні нападу росії на Україну 2022-го Женя піде на війну. Отримає важке поранення. Його дивом врятують. Перевезуть гвинтокрилом на безпечну територію. Потім перевезуть на лікування до Німеччини. Я приїду до нього в шпиталь. Його нога буде зятягнута в якусь величезну металеву конструкцію. Чудові німецькі лікарі більше року лікуватимуть його ногу, яка назавжди залишиться коротшою за іншу. Тоді я дізнаюсь, що його син у війську. Женя розповідатиме про це стримано і скупо. І мені знову захочеться ревти від безсилля. Від того, що хлопець якого я нещодавно бачила ще дитиною, воює.
Я знаю, що на таких людях як Женя тримається фронт. На таких, як він, тримається Україна. І можливо це важко зрозуміти тут в Німеччині – але від того, як закінчиться ця війна, напряму залежить майбутнє Європи. росія – країна невиліковно хвора на тоталітарізм. Країна, яка готова знищити весь вільний світ заради забаганки одного здурівшого бункерного діда. Зупинити якого за логікою має воліти весь вільний та сильний світ, якщо він хоче існувати. Але якого поки що зупиняють такі діти як син Жені. Такі благородні люди як Женя.
März 2024
Antonina 24.02.2022 – 2.03.2024
Die Regisseurin und Performerin Antonina Romanowa (damals Anton Romanow) zeigt beim Heidelberger Theaterforum ihre Performance »Russisch auf Ukrainisch«. Mit einer Klinge schneidet sie in ihren Körper und schreibt mit ihrem Blut kurze Statements über die Annexion der Krim auf Papier. Über den Verlust der Heimat, die Vernichtung des alten Lebens. Und darüber, wie man sein Leben von Grund auf neu beginnt, wenn man gegen seinen Willen das vertraute Lebensumfeld verlassen musste.
Antonina ist in Simferopol geboren und aufgewachsen. Dort lebte und arbeitete sie bis 2014. Während der russischen Annexion der Krim half sie gemeinsam mit anderen lokalen Aktivist*innen dem ukrainischen Militär. Dann hat man sie und ihre Freunde gewarnt, dass alle Aktivist*innen die Krim bis zum 10. April zwingend verlassen müssten, andernfalls würden sie in einem russischen Gefängnis landen. So zog die Regisseurin nach Kiew.
Wenn ein Mensch sein Zuhause verliert, hält er ein metaphorisches weißes Blatt Papier in der Hand, auf das er nur mit seinem eigenen Blut das schreiben kann, was er fühlt. Die Worte können knapp sein, wie Aufschreie, für Außenstehende unverständlich. Kunst kann man auf unterschiedliche Arten wahrnehmen. Eine davon ist über den Verstand – man analysiert, warum der*die Performer*in dies oder jenes tut. Der andere Weg ist unmittelbarer, wie ein Kind - mit dem Herzen.
Bei Antoninas Auftritt in Heidelberg dienten Einschnitte in den Körper und echtes Blut nicht bloß dazu, um das Publikum zu schockieren, sie stellten auch eindrucksvoll die Gefühle und den emotionalen Schmerz einer Person, die ihr Zuhause verloren hat, visuell dar.
Natürlich reagiert jeder Mensch anders auf den Verlust des gewohnten Lebensalltags. Jemand reflektiert und mischt alte Erinnerungen durcheinander, wie ein Wahrsager einen Stapel Karten. Jemand anderes brennt alle Brücken nieder. Eine Freundin von mir, eine Schriftstellerin und Akrobatik-Trainerin, hat kürzlich in den sozialen Medien gepostet, dass sie alle Fotos gelöscht hat, die sie 2022 zu Beginn des großen Krieges gemacht hatte. Sie war mit einer Gruppe jugendlicher Akrobat*innen in einem Trainingslager in Winnyzja. Als am 24. Februar russland die Ukraine überfiel, mussten die Trainer*innen mit den Kindern mehrere Wochen lang im Keller verbringen. Dann (er)folgte die Flucht nach Polen. Meine Freundin nahm die ganze Reise mit ihrer Handykamera auf. Aus der Sicht einer Dokumentarin hätten diese Aufnahmen ein guter Film werden können. Doch die Fotos und Videos belasteten sie, sie zogen sie in die Vergangenheit zurück, zwangen sie zum ständigen Nachdenken, machten die Gegenwart zunichte. Also löschte sie alle Aufnahmen einfach, und steckte ihre ganze Kraft in das »Hier« und »Jetzt«.
Auf einem unbeschriebenen Blatt schrieb sie die neue Geschichte ihres Lebens. In diesem Jahr wurde ihre Tochter Jugend-Europameisterin im Turnen. Jeder schreibt auf seine Art eine neue Realität auf eine metaphorische Tabula Rasa.
Antonina entschied sich, der Armee beizutreten. Laut ihren Ausweisdokumenten war sie ein Mann, daher hatte Sie keine besonderen Schwierigkeiten, in die örtliche territoriale Verteidigungsgruppe aufgenommen zu werden. So erzählte sie selbst von den ersten Tagen:
»Am 24. Februar begann Russlands Großinvasion der Ukraine. Morgens ging ich zum Blutspenden. Es dauerte den ganzen Tag. In einer Dienststelle war eine riesige Schlange, man war nicht in der Lage, alle Leute, mich eingeschlossen, aufzunehmen. Deshalb wurden diejenigen, denen kein Blut abgenommen werden konnte, in eine andere Abteilung geschickt. Wir gingen dorthin und stellten uns an. Ich spendete mein Blut. Dann verbrachte ich eine Nacht im Badezimmer, in dem ich zusammen mit meinem Partner Saschko schlief. Am nächsten Tag gingen wir in einen Luftschutzbunker, in dem sich mehr Menschen befanden, als dieser aufnehmen konnte. Wir kehrten zurück ins Badezimmer und begannen darüber nachzudenken, was wir als nächstes tun sollten. Wir hatten drei Möglichkeiten: die Stadt zu verlassen, in einem Luftschutzbunker zu sitzen oder sich einer territorialen Verteidigungseinheit anzuschließen. Wir haben uns für die Territorialverteidigung entschieden. Wir schrieben einen Antrag und dann ging alles sehr schnell.«
Damals sagte Antonina über sich und ihre Kameraden, auch Amateure ohne Kampferfahrung, wie sie: »Wir sind keine Soldaten. Wir sind Menschen, die die Stadt beschützen. In Dörfern gibt es Einheimische, die zu ihren Heugabeln greifen und das Dorf verteidigen. Wir sind solche Leute, nur in der Stadt.«
Was ihre Identität betrifft, so schrieb sie – ohne etwas dem Kommandeur oder den Kameraden zu erklären – »Antonina« auf ihren Nachttisch aus Pappkartons. Niemand sagte etwas dazu. Aber zu ihrem Geburtstag hat man ihr ein Paket Damenbinden geschenkt. Soldatenhumor. Das ist etwas, woran man sich recht schnell gewöhnt.
Im März 2022 habe ich ein kurzes Interview mit Antonina aufgezeichnet. Damals erzählte sie, dass sie 2013, noch vor der Revolution der Würde auf dem Maidan, ihre letzte Inszenierung in Simferopol gemacht hatte. Sie handelte vom Krieg. Es war ein Abend, der auf Fernando Arrabals absurden Theaterstück »Picknick« basierte. Die Handlung des Stücks findet während des Spanischen Bürgerkriegs statt. Es ist die Geschichte von drei Soldaten, die auf einen Krieg überhaupt nicht vorbereitet sind. Eigentlich sind sie gar keine Soldaten. Sie wissen nicht wie man ein Maschinengewehr richtig hält, wie man schießt, wie man kämpft. Sie wissen aber, wie man Papierblumen bastelt und Lieder singt.
»Es ist absolut absurd und paradox, aber jetzt bin ich inmitten dieses Stücks. Ich bin eine dieser Figuren«, sagte Antonina im März 2022.
Zwei Jahre später, Anfang März 2024, nehme ich mit Antonina Kontakt auf und frage, ob sie sich immer noch wie eine Figur in diesem Stück fühlt.
»Nein, nicht mehr. So fühlte ich mich in den ersten Tagen der Invasion, als ich der Armee beitrat, ein Maschinengewehr ausgehändigt bekam und nicht wusste, wie man es bedient, weil ich es ja zum ersten Mal in den Händen hielt. Es kam mir alles irgendwie absurd vor, sehr ähnlich dem, was in diesem Stück passiert. Jetzt ist alles anders. Ich habe schon zwei Jahre Kampferfahrung. Ich bin Mörserschützin. Ich war an den Kämpfen um Bachmut beteiligt, war in der Oblast Cherson, und auch jetzt bin ich dort, wo es hart zugeht. Diese Erfahrung hat mich verändert, ich bin nicht mehr die Figur aus Fernando Arrabals Stück.«
Später, im bereits blühenden Heidelberger Park sitzend, schaue ich mir ein Video, das sie mir geschickt hat, zehn Mal hintereinander an. Antonina gräbt mit einer Schaufel einen Schützengraben aus. Sie hat sich in diesen zwei Jahren verändert. Sie intoniert anders, hat nun ein stählernes Glitzern in den Augen. Antonina scherzt in die Kamera und gräbt in gefrorener Erde. Etwas weiter weg schläft ihr Partner Saschko, eingewickelt in einen Schlafsack auf dem Boden. Die Erde ist bedeckt mit feinem, weißen Schnee.
Березень 2024
Антоніна 24.02.2022 – 2.03.2024
Режисерка і перформерка Антоніна Романова (тоді Антон Романов) у рамках театрального форуму представляє у Гейдельберзі свій перформенс »Russisch auf Ukrainisch«. Наносить на тіло порізи лезом і виводить кров’ю на аркушах короткі вислови про анексію Криму.
Про втрату батьківщини, знищення минулого життя. Коли людина не з власної волі мусить покинути звичне середовище, вона має починати життя з чистого аркушу.
Антоніна народилася та виросла у Симферополі, жила і працювала там до 2014-го року. Під час анексії Криму росіянами разом з місцевими активістами допомагала українським військовим. Потім її та товаришів попередили, що усі активісти мають терміново виїхати з території Криму до 10-го квітня, інакше потраплять у російську в’язницю. Режисерка переїхала до Києва.
Коли людина втрачає дім, у своїй руці вона стискає метафоричний білий аркуш, на якому здатна писати лише власною кров’ю про те, що відчуває. Вислови можуть бути скупими наче крик та незрозумілими для тих, хто не в темі. Сприймати мистецтво можна у різний спосіб. Один з них – розумом, аналізуючи, чому актор/ка вчинив саме так. Інший – безпосередньо, наче дитина – серцем. У перформенсі Антоніни у Гейдельберзі порізи тіла та справжня кров були присутні не для того, щоб лише шокувати глядача, це був дієвий спосіб візуально розказати про відчуття та душевний біль людини, яка втратила дім.
Звісно реакція на втрату звичного життя у всіх різна. Хтось рефлексує, перетасовуючи старі спогади, як гадалка колоду карт. Інші спалюють всі мости. Моя приятелька – письменниця та тренерка з акробатики – нещодавно написала у соцмережах, що знищила всі фото, які робила під час початку великої війни 2022 року. Тоді група акробатів-юніорів поїхали на тренування до Вінниці і після 24 лютого, коли росія напала на Україну, тренери та діти змушені були кілька тижнів сидіти у підвалі. Потім була втеча до Польщі. Тренерка всю подорож фіксувала на камеру мобільного. З точки зору документаліста, з цих записів міг би вийти непоганий фільм. Але тренерці відео та фото заважали, тягнули назад, змушували рефлексувати, перекреслюючи сьогодення. Тож вона їх просто видалила. І вклала всі сили в »тепер« та «зараз». На білому аркуші вона написала нову історію свого життя. – Цього року її донька стала чемпіонкою Європи з акробатики серед юніорів. Кожен у свій спосіб пише на метафоричному аркуші нову реальність.
Антоніна вибрала піти до війська. За документами – вона чоловік, тож особливих складнощів до прийняття в місцеву тероборону не виникло. Ось як вона сама розповідала про перші дні:
»24 лютого почалося повномасштабне вторгнення росії в Україну. Зранку вдень я пішла здавати кров. Це зайняло весь день. Спочатку в одному відділенні була величезна черга і цей пункт прийому був не здатен прийняти всіх людей і, в тому числі і мене. Так що нас, у кого не змогли взяти кров, відправили до іншого відділення. Ми прийшли туди, там відстояли чергу. Кров я здала. Потім була ніч у ванній кімнаті, я якій ми спали разом з партнером Сашком. Наступного дня ми сходили у бомбосховище, де людей було більше, ніж воно могло прийняти. Ми повернулись до ванної кімнати і стали думати, що робити далі. Було три опції – їхати з міста, сидіти у бомбосховищі, або йти в тероборону. Ми вибрали тероборону. Написали заяву і далі все почало відбуватися дуже швидко«.
Тоді Антоніна про себе та побратимів, таких же аматорів, як і вона, без бойового досвіду, казала: »Ми не солдати. Ми люди, які захищають місто. Ну от є село, є місцеві, які взяли вили та обороняють село. Ми такі люди, тільки у місті«.
Щодо ідентичності, без зайвих пояснень командиру та побратимам, вона написала на своїй тумбочці з картонних коробок »Антоніна«, ніхто на це нічого не сказав. Але на її день народження подарували упаковку прокладок. Армійський гумор. Це те, до чого звикаєш швидко.
У березні 2022 року я записала невелике інтерв’ю з Антоніною. Тоді вона розповідала, що у 2013 році, ще до Революції Гідності, зробила останню виставу у Сімферополі. Про війну. Це була вистава за п’єсою абсурду Фернадо Аррабаля »Пікнік«. Події у ній відбуваються за часів громадянської війни в Іспанії. Діє троє персонажів - солдати, які максимально не підготовлені до війни. Вони взагалі не солдати. Не вміють правильно тримати автомат, не вміють стріляти, не вміють воювати. Вони вміють робити паперові квіти та співати пісні.
»Це максимально абсурдно і парадоксально, але зараз я в середині цієї вистави. І я одна з цих персонажів«. – Говорить Антоніна зразку березня 2022-го.
Через два роки, на початку березня 2024 року, зв’язуюсь з Антоніною і питаю, чи відчуває вона себе як і раніше персонажем п’єси »Пікнік«.
»Ні, не відчуваю. Це більше було про мене в перші дні повномасштабного вторгнення, коли я пішла в армію, коли мені дали автомат і я не знала, як їм користуватись, тому що вперше в руках його тримала. І все це було схоже для мене на якийсь абсурд, який дуже схожий на то, що відбувалося у п’єсі. Сьогодні все помінялося. Маю вже два роки досвіду бойових дій. Я мінометниця. Була в боях під Бахмутом, у Херсонській області, і зараз я там, де все дуже жорстко. Цей досвід мене змінив, так що я вже не та персонажка з п’єси Фернанда Арабаля«.
Потім я разів десять, сидячі у вже квітучому парку Гейдельбергу, передивилась відео з фронту, яке вона скинула. Антоніна лопатою риє окоп. За ці два роки вона змінилася. - Інші інтонації, в очах з’явився сталевий відблиск. Антоніна шуткує на камеру та продовжує довбати мерзлу землю. Трохи далі закутавшись у спальник на землі спить її партнер Сашко. Земля припорошена дрібним білим снігом.
Januar 2024
Alkina und die Metro
Ich komme aus Kyjiw. Kyjiw ist eine große Millionenstadt. Gerade fahre ich mit der S-Bahn durch Stuttgart. Überall sind graue Gebäude. Viele Bäume. Die Mittagssonne fällt auf die Hochhäuser und es überkommt mich. Schlagartig. So, als ob dir jemand so von der Seite aufs Maul gehauen hätte - als wäre man von einem Karussell herunter auf den Kopf gefallen – wie in der Kindheit. Ich erinnere mich noch gut an dieses Gefühl. Ich bin vier Jahre alt. Ich liege auf der Erde. Über mir dreht sich noch das Karussell, von dem ich gerade runtergefallen bin. In meinem Kopf lärmt es, alles andere höre ich nicht, als ob die Welt den Ton abgestellt hätte. Dieser Lärm ist so ähnlich wie der Lärm, den man im Kopf hat, wenn man tief unter Wasser taucht. Ich hebe den Kopf, das Karussell schlägt mich in den Nacken. Ich hebe den Kopf ein zweites Mal, das Karussell schlägt mich in den Nacken. Das ist so peinlich, wie wenn man mir die Unterhose heruntergezogen hätte, deshalb weine ich nicht und tue so, als ob ich ok sei, obwohl ich überhaupt nicht ok bin. Dann hebe ich wieder den Kopf.
In Stuttgart überkam es mich unerwartet, und das, obwohl ich mich eigentlich schon daran gewöhnt habe, dass in meinem Land Krieg ist. Wenn es mich überkommt, dann kribbelt mir das Wasser in den Augen und ich halte den Atem an, um nicht loszuheulen. In Wirklichkeit, tief in meiner Seele, irgendwo Richtung Solarplexus, da bin ich absolut gelassen, denn in meinem Magen schwimmt Beruhigungsmittel. Es wirkt, wie das Karussell, das mich am Kopf trifft, ich nehme die Welt so wahr, als ob sie mir den Ton abgestellt hat. Die Emotionen sind auf Null gedreht, nur meine Hülle reagiert – mit Flüssigkeit. Warum weine ich? Das verstehe ich sofort. Diese Ecke da, auf die die Sonne fällt, hat mich an Kyjiw erinnert. Um genau zu sein, an eine Straße in der Nähe der Metro-Station Lukjaniwska. Dort habe ich mich immer mit meiner Freundin Alkina verabredet. Dort trafen wir uns 2000, bevor sie nach Ecuador auswanderte, und quatschten über ihren Freund.
Alkina hat ein halbes Leben lang einen einzigen Menschen geliebt, dann verbrachte sie die zweite Hälfte damit, ihn zu hassen.
Als wir 2000 miteinander sprachen, da liebte sie ihn noch. An dem Tag war sie high. Alkina arbeitete als Model. Sie war groß, hatte lange Beine, blondes, lockiges Haar und leuchtend helle Augen mit zwei hervorstechenden schwarzen Punkten, den Pupillen.
»Er sagte, wir müssen alle Brücken verbrennen. Wenn schon wegfahren, dann für immer«, sagte sie und klimperte mit ihren schwarzen Punkten.
Es war Sommer. Die Kyjiwer Bäume warfen grüne Schatten auf den Asphalt. Wir standen an der Metrostation Lukjaniwska, Menschenströme zogen an uns vorbei. Wir rauchten Zigaretten, eine nach der anderen. Eine gewisse Unruhe schwebte in der Luft. Wir verabschiedeten uns, für immer. Aber dieses »für immer«, das ist ein dämlicher Begriff. Er stimmt nie. Etwas ist nur dann »für immer«, wenn du dazu nicht bereit bist, es nicht planst. Wir umarmten uns, und Alkina drückte mir eine »Pappe« (eine weiche Droge der Nullerjahre) in die Hand. Sich so eine »Pappe« einzuverleiben war für Alkina das höchste Glück.
In den darauffolgenden Jahren schrieben wir einander auf Skype, Facebook, Telegram und WhatsApp. Alle Geschichten, die Alkina erzählte, behandelten ihre Liebe zu ihrem Freund, selbst als sie erzählte, wie sie sich den kleinen Zeh gebrochen hatte, als sie sich zu einem Rendezvous mit ihm beeilte und über die Couch stolperte. Vor ihrem Haus rauschte das Meer. Ihr weißgebleichtes Haar verdeckte in zerzausten Locken ihr gebräuntes Gesicht und ihre schwarzen Pupillen durchbohrten meinen Computermonitor. Sie erzählte mir von ihrem neuen Haus am Strand und von ihrer Schwangerschaft. Dann erzählte sie, dass sie an Hepatitis erkrankt ist, und an einer unsterblichen Liebe. Dann erzählte sie, dass das Leben scheiße ist, dass sie sich scheiden lässt, dass sie sich den Arm mit einer zerbrochenen Flasche aufgeschlitzt hat, dass sie besoffen hingefallen ist und jetzt eine Narbe über den ganzen Hals hat, dass Kokain in Ecuador billiger ist als Alkohol. Sie erzählte von irgendeiner jungen Frau aus Belarus, die vom anderen Ende der Welt nach Ecuador gekommen ist, um in Quito Wodka zu verkaufen, aber dann hat sie ein einheimischer Gigolo um ihr Geld betrogen und jetzt wohnt sie bei Alkina und will sich Geld für ein Flugticket von ihr leihen.
»Leih ihr nichts. Sie wird’s dir nicht zurückgeben«, sagte ich ihr herab vom hohen Ross der 20 Jahre, die seit unserem letzten offline-Treffen an der Lukjaniwska vergangen sind.
Ihr Geld hat sie von dem Mädel natürlich nicht zurückbekommen. Das erzählte mir Alkina, als sie schon im Flughafen saß. Im Hintergrund lief ihr kleiner Sohn herum, der einige Buchstaben noch nicht aussprechen konnte. Sie flogen nach Kyjiw, um einen guten Logopäden zu finden, akkurat vor dem Beginn des großen Krieges 2022. Die Situation mit den Logopäden in Ecuador ist katastrophal, auch mit den spanischsprachigen.
Wir trafen uns am 23. Februar 2022, spät abends an der Metro-Station Lukjaniwska. Es schien, als ob alle Menschen in Kyjiw ihren Atem anhielten, nur noch ganz behutsam atmeten. Nur die Metro war laut wie immer, was die Illusion erschuf, dass alles bald vorbei sein würde, dass morgen schon alles wieder wäre wie immer. Im Gegensatz zu mir war Alkina ganz gelassen. Als ich zum fünften Mal die Zigarette auf den Asphalt fallen ließ, schaute sie mich so erwachsen an, das erste Mal überhaupt, und redete nicht mehr von dem tollen Logopäden für ihren Sohn und wie sehr sie ihren Ex hasste. Sie steckte mir ein Rezept für Beruhigungsmittel zu. Sagte, dass diese Pillen ihr sehr geholfen hätten. Ich versprach Alkina, sie mir morgen zu kaufen, umarmte sie und ging nach Hause. Die Pillen kaufte ich nicht. Das Rezept habe ich immer noch. Es ist datiert auf den 23. Februar 2022. Am nächsten Tag begann der Krieg. Seitdem habe ich ständig das Gefühl, als ob die Welt den Ton abgestellt hat. Für mich.
P.S. Als ich diesen Text gerade abschicken wollte, erreichten mich schlechte Nachrichten aus meiner Heimat. Am 29. Dezember 2023 unternahm russland einen großflächigen Raketenangriff auf die Ukraine. Raketen fielen auf Kyjiw, Lwiw, Odessa, Charkiw, Dnipro, Saporischja und Smila. 40 Menschen kamen ums Leben, allein in Kyjiw waren es 29. Über 160 Menschen wurden verletzt. Im Epizentrum der Attacke in Kyjiw war die Metrostation Lukjaniwska.
Січень 2024
Алкіна на зупинках
Я сама з Києва. Це велике місто мільйонник. Наразі їду на есбані Штутгартом. Навколо будівлі сірого кольору. Багато дерев. Тінь від полуденного сонця падає на вежі і мене прикриває. Несподівано. Наче хтось збоку дав по морді – каруселями по голові – як в дитинстві. Досі пам’ятаю те відчуття. Мені чотири роки. Я лежу не землі. Наді мною крутиться карусель, з якої я щойно впала. У голові шумить, я нічого, крім цього не чую –
ніби світ вимкнув звук. Цей шум схожий на шум у голові, коли ти пірнаєш глибоко під воду. Я підіймаю голову, карусель мене лупить по потилиці. Я знову підіймаю голову – карусель мене лупить по потилиці. Від цього так соромно, ніби з мене стягнули труси, тому я не плачу, а роблю вигляд, що я ОК, хоча я не фіга не ОК. І знову підіймаю голову.
У Штутгарті мене прикрило несподівано, хоча я вже звикла до думки, що в моїй країні війна. Коли прикриває – мої очі лоскоче рідина і я затамовую подих, щоб не розревітися. Насправді, глибоко у душі, десь у районі сонячного сплетіння, я абсолютно спокійна, бо у шлунку бовтається заспокійливе. Заспокійливе діє наче удар каруселлю по голові, я сприймаю світ так, ніби він прикрутив звук. Емоції прикручені на нуль, лише моя оболонка реагує – рідиною. Чого я плачу? – Розумію це за мить. Бо отой кут, на який падає світло від сонця, нагадав Київ. Якщо бути точною – вулицю біля метро Лук’янівка. Там зазвичай я зустрічалася з Алкіною, моєю подругою. В 2000-му ми там бачились перед її еміграцією до Еквадору і обговорювали її бойфренда.
Алкіна половину свого життя кохала єдиного чоловіка, потім іншу половину життя його ненавиділа. Коли ми розмовляли у 2000-му, вона його кохала. У той день вона була під кайфом. Алкіна працювала моделлю. Вона була висока, з довгими ногами, білявим курчавим волоссям і зі світлими до прозорості очима, з яких ніби стирчали дві чорні цятки – ці цятки були її зіниці.
- Он сказал, надо сжигать мостьі. Если уезжать – значит, навсегда, - сказала вона тоді і моргнула цятками.
Було літо. І київські дерева відкидали зелену тінь на асфальт. Ми стояли біля метро «Лук’янівська», повз нас йшли потоком люди. Ми курили цигарки одну за одною. У повітрі висіла тривога, ми прощалися назавжди. Хоча «назавжди» - дурне слово. Воно ніколи не працює. «Назавжди» буває лише тоді, коли ти до цього не готовий і не плануєш. На прощання ми обійнялись і Алкіна тицьнула мені у руку «марку» (легкий наркотик нульових). Алкіна вважала, що зжерти «марку» - то щастя.
В наступні роки ми списувались по скайпу, фейсбуку, телеграму, вотсаппу. Усі історії Алкіної були про кохання до її бойфренда, навіть, якщо вона розповідала, як зламала мізинець, коли побігла назустріч своєму чуваку та перечепилась через диван. За вікном її будинку шумів океан, її вигоріле в біле волосся зів’ялими кучерями падало на засмагле обличчя, зіниці-цятки пропалювали екран мого компа. Потім вона розповідала про свій новий дім на березі океану та вагітність. Потім – що хворіє на гепатит та кохання, що не вмирає. Потім – що життя – пизда, що вона розлучається, що вона полоснула руку розбитою пляхою, що якось напилася, впала і тепер у неї шрам через горло, що кокаїн в Еквадорі дешевше бухла, ще про якусь дівку з Білорусі, яка приперлася з іншого кінця світу продавати горілку в Кіто, але її кинув на бабло якийсь місцевий жиголо та пройдисвіт, і тепер Алкіна дає цій білорусці притулок, а та хоче позичити в неї гроші від продажу дому.
- Не позичай. Вона не віддасть, - сказала я вже з висоти 20-ти років, що пройшли з нашої останньої зустрічі офлайн на Лук’янівці.
- Ага, - сказала Алкіна.
Гроші тая дівка їй так і не повернула. Алкіна це розповідала мені, вже сидячі в аеропорту.
На другому плані туди-сюди бігав її син, який не вимовляв кілька літер. Саме через логопеда вона і прилетіла до Києва – аккурат перед початком Великої війни 2022-го. Бо в Еквадорі з логопедами повний триндець. Навіть з іспаномовними.
Ми зустрілися 23 лютого 2022 року, пізно ввечері біля метро. Здавалося тоді усі кияни затамували подих, дихали на півсили. Лише метро шуміло як завжди, і це створювало ілюзію, що все минеться, що завтра все буде, як завжди. На відміну від мене Алкіна була спокійна. Коли я вп’яте упустила цигарку на асфальт, вона глянула на мене по-дорослому – вперше за все наше знайомство – та перестала базікати про чудового логопеда для сина і те, як ненавидить свого колишнього, та тицьнула мені рецепт на заспокійливе. Додала, що їй ці пігулки допомагають. Я пообіцяла, що куплю ліки завтра, обійняла Алкіну та пішла додому. Пігулки я не купила. Рецепт досі зі мною. На ньому дата стоїть – 23.02.2022. Наступного дня почалася війна. З тих пір у мене таке враження, що світ прикрутив звук. Для мне.
P.S. Коли я вже збиралася відправляти цей текст – з моєї батьківщини прийшли погані новини. 29 грудня 2023 року росія здійснила масований ракетний обстріл України. Під атакою опинилися Київ, Львів, Одеса, Харків, Дніпро, Запоріжжя, Сміла. Загинула 31 людина. Понад 160 людей отримали поранення. У Києві в епіцентрі атаки опинився район станції метро «Лук'янівська».
Dezember 2023
Spagat
Ein Geflüchteter – das ist ein Mensch, der ständig in Erwartung lebt. Ein Mensch im Spagat zwischen seinem Heimatland und dem Land, das ihn aufgenommen hat.
Anfangs dachte ich, dass der Krieg zu Ende gehen wird, wenn Julia Gontschar ihr Kind zur Welt bringt. Dann dachte ich, der Krieg ist vorbei, wenn Freylie ihr Kind zur Welt bringt. Beide taten es: Julia bekam ein Mädchen - Stefie, und Freylie brachte das Fohlen Sofiko zur Welt. Julia Gontschar ist eine ukrainische Theaterautorin, Freylie – ein ukrainisches Reitpferd. Beide wurden in den ersten Monaten der Invasion russlands in die Ukraine schwanger. Die Schwangerschaft einer Frau dauert neun Monate, und die Schwangerschaft einer Stute elf Monate.
Der Krieg in der Ukraine dauert nun schon seit zwei Jahren an, und es ist kein Ende in Sicht. Seit 2014 ist die Welt schwanger mit dem dritten Weltkrieg, als russland die ukrainische Krim annektierte, und die Staaten, die meinem Land als Gegenleistung für die Abrüstung der ukrainischen Atomwaffen Schutz garantierten, blieben stumm. Genauer gesagt, sie bekundeten ihre »Besorgnis«.
Zur Erinnerung: Die Ukraine verzichtete am 2. Juni 1996 auf ihren Status als Atommacht. Im Gegenzug garantierten die größten Atommächte der Welt, darunter auch russland, der Ukraine Schutz und den Verzicht auf jegliche Art von Aggression und Druck. Zum heutigen Zeitpunkt haben die russen und russinnen etwa 100000 Ukrainer*innen getötet. Eine genaue Statistik gibt es nicht. Aber eine Statistik – das sind nur Zahlen. Und hinter jeder Zahl ist eine Tragödie. Der Mensch, dessen Körper nun in der Erde verrottet, bedeutet für jemanden die ganze Welt.
Worin unterscheiden sich Geflüchtete von Emigranten? Im Gegensatz zu den Emigranten haben die Geflüchteten es sich nicht ausgesucht, in ein anderes Land überzusiedeln. Viele ukrainische Geflüchtete hatten es zu Hause eigentlich ganz okay, was Wohnsituation, Arbeit und Projekte anbetrifft. Ganz zu schweigen von den hervorragenden Friseur*innen und Manikürist*innen, die man in der EU nur in den teuersten Salons findet. Und, verdammt nochmal, die geliebte Hausbibliothek, die du jahrelang gesammelt hast – mit der war auch alles okay!
Fast jede*r Geflüchtete hat jemanden verloren. In diesem Krieg starben fünf meiner Bekannten. Keiner von ihnen war älter als vierzig. Krieg – das ist, wenn Depression und neurotische Zustände sich auf Millionen von Menschen ausbreiten. Diejenigen, die von den Bomben verschont blieben, beginnen, krank zu werden. Besonders betroffen sind dabei ältere Menschen.
Meine Eltern sind in Kyjiw. Beide sind 72 Jahre alt. Diesen Winter hatte mein Vater einen Herzinfarkt. Vor Kurzem erkrankte meine Mutter an Krebs, und nach der Chemotherapie erlitt sie einen Schlaganfall. Momentan ist sie im Krankenhaus. Das erzähle ich jetzt nicht, damit man mich bemitleidet. Mitgefühl brauche ich nicht – mir geht es normal – ich erzähle das, um den Unterschied zwischen mir und den einheimischen Einwohner*innen Heidelbergs zu erklären.
Natürlich haben Väter und Mütter auch in einem friedlichen Leben Schlaganfälle und Infarkte, genauso wie onkologische Erkrankungen, aber der Unterschied zwischen mir und den Einheimischen liegt darin, dass sie schnell bei der Mama sein und ihre Hand halten können. Ich hingegen muss im besten Falle mehrere Tage dazu aufwenden. Dabei habe ich keine deutschen Bekannten, bei denen ich meine Teenager-Tochter für längere Zeit lassen könnte. Meine Tochter darf nicht lange von der Schule fernbleiben. Daher ist das Einzige, was ich tun kann – am Telefon zu hängen und Papa fragen, wie es Mutti geht, und ihnen Geld für die Behandlung schicken. Es ist nicht gut bestellt um die ukrainischen Krankenversicherungen: Kaum jemand hat eine abgeschlossen, und die teuren Medikamente muss man trotzdem selbst bezahlen. Für ukrainische Rentner*innen bedeutet das oft die Hälfte ihres Rentengeldes.
Worin unterscheiden sich Geflüchtete von Nichtgeflüchteten?
Der Geflüchtete hat sich an den Stress und die Ungewissheit gewöhnt. An den Tod von Freund*innen und Bekannten, an die Krankheiten der Eltern und die psychischen Störungen der Kinder. Ab einem gewissen Punkt gibt es so viele Stresssituationen, dass du sie nicht mehr als etwas Unnormales wahrnimmst. Du wirst zu Stahl. Lässt dir eine Panzerhaut wachsen. Jede Situation, die mich vor zwei Jahren noch zum Weinen gebracht hätte, nehme ich nun mit trockenen Augen hin.
Ich sehe kein Ende des Krieges, und ich weiß nicht, wie ich meine zersplitterte Welt wieder zusammenflicken soll. Oder wie ich mich entspannen soll. Meditation hilft nicht wirklich, wenn du dich permanent in Erwartung einer weiteren beschissenen Nachricht befindest. Ich weiß nur: Ich sitze im Spagat zwischen der Ukraine und Deutschland – in Kyjiw ist meine Welt, alle Menschen, die mir lieb und teuer sind, aber Heidelberg ist für meine Tochter sicherer. Und ich weiß, dass ich in diesem Spagat sitzen werde, bis mir die Sehnen reißen.
Грудень 2023
Шпагат
Біженець – це людина, яка завжди в очікуванні. Людина, яка розтягнута в шпагаті між своєю батьківщиною та країною, яка її прийняла.
Спочатку я думала, що війна закінчиться, коли народить Юля Гончар. Потім я думала, що війна закінчиться, коли народить Фрейлі. Обидві народили: Юля – дівчинку Софію, Фрейлі – лоша Софіко. Юля Гончар – українська авторка п’єс. Фрейлі – український верховий кінь. Обидві завагітніли в перші місяці вторгнення росії в Україну. Строк вагітності людини – 9 місяців, строк вагітності кобили – 11-ть.
Війна в Україні продовжується другий рік і кінця їй не видно. Світ вагітний Третьою світовою з 2014-го, коли росія анексувала український Крим, а держави, які гарантували захист моїй країні в обмін на ядерну зброю, яку Україна колись мала і віддала в обмін на гарантії безпеки, промовчали. Вірніше »виразили занепокоєння«. Нагадаю, станом на 1991 рік, Україна мала третій за розміром ядерний арсенал світу. Україна відмовилась від ядерного статусу 2 червня 1996 року. В обмін на це найбільші ядерні держави світу, в тому числі і росія, гарантували Україні безпеку та виключення будь-яких форм агресії чи тиску. На сьогодні в Україні сотні тисяч громадян, яких вбили росіяни. Точної статистики немає. Але статистика – то цифри, за кожною цифрою лежить трагедія. Для когось людина, тіло якої зараз гниє в землі, була цілим всесвітом.
Чим біженці відрізняються від емігрантів? На перший погляд, різниця невелика. Проте в реалі різниця величезна. Біженці на відміну від емігрантів переїзд в іншу країну не обирали. У багатьох українських біженців взагалі-то і вдома все було ОК – в плані житла, бізнесу, проектів, не кажучи вже про прекрасних перукарів та майстрів манікюру, яких в ЄС можна знайти лише в дуже дорогих салонах. І чорт забирай, улюбленої бібліотеки, яку ти роками збирав!
Майже кожен біженець когось втратив. На цій війні загинуло п’ятеро моїх знайомих чоловіків. Жодному не було не сорока років. Війна – це коли депресія та невротичний стан поширюється на мільйони співвітчизників. І ті, в кого не влучили бомби, починають хворіти. Особливо це стосується літніх людей.
У Києві зараз знаходяться мої батьки. Обом по 72 роки. Цієї зими в мого тата стався інфаркт. А нещодавно моя мама захворіла на рак, після хіміотерапії у неї стався інсульт. Наразі вона в лікарні. Я розповідаю це не для того, щоб мені співчували. Мені не потрібне співчуття, бо я норм, я розповідаю це, щоб пояснити різницю між мною та місцевими жителями Гейдельбергу.
Звісно, в мирному житті інсульт та інфаркт у мам та тат буває, так само як і онкологія, але різниця між мною та місцевими в тому, що вони дуже швидко можуть приїхати до своєї мами, потримати її за руку, а мені для цього треба витратити в кращому випадку кілька діб. При цьому в мене немає німецьких знайомих, на яких я надовго можу лишити свою доньку-підлітка. Донька не може надовго лишати німецьку школу. Тому єдине, що я можу робити в цій ситуації – це висіти на телефоні і питати в тата, як мам, а ще надсилати гроші на лікування. В Україні немає страхової медицини – тож ліки коштують дорого. Для українських пенсіонерів – це половина їхньої пенсії.
В чому різниця між біженцем і небіженцем?
Біженець звик до стресу, до непередбачуванності. До смерті знайомих та друзів на війні, до хвороб батьків та психологічних розладів дітей. В якийсь момент стресових ситуацій стає так багато, що ти перестаєш все це сприймати, як не норму. Мабуть, це називається ставати залізним. Нарощувати броню. І любу ситуацію, яка б два роки назад, змусила мене заплакати, зараз я приймаю з сухими очима.
Я не бачу кінця війні і не знаю, як зібрати докупи мій всесвіт. Або як розслабитись. Медитація не сильно працює, коли ти весь час перебуваєш в очікуванні чергової гівняної новини. Я знаю лише, що сиджу в шпагаті між Україною та Німеччиною, тому що в Києві знаходиться мій всесвіт і всі дорогі для мене люди, а для моєї доньки тут в Гейдельберзі безпечніше. І я знаю, що буду сидіти у цьому шпагаті, поки мої звязки не розірвуться.
Oktober 2023
Die ukrainische Reiseroute
Der lange Weg nach Hause – das ist eine der Facetten des Krieges. Es ist ein sehr, sehr langer Weg. Vor der russischen Invasion der Ukraine dauerte eine Fahrt von Frankfurt am Main nach Kyjiw mit dem Flugzeug etwa zwei Stunden. Nun benötigt man dafür mehrere Tage.
Man kann entweder 36 bis 50 Stunden im Bus ausharren, oder mit Zügen reisen.
Jeden Tag schleppen Hunderte von Frauen ihre Kinder, Koffer und die Hoffnung, dass der Zug keine Verspätung hat, auf der ukrainischen Reiseroute durch die EU nach Hause. Doch diese Hoffnung ist wie die Deutsche Bahn – selbst die Bahnangestellten wissen nicht, was von ihr zu erwarten ist.
Auf dem Bahnsteig erkenne ich meine Landsleute sofort. An der Unsicherheit in den Augen, an der Art, wie sie den deutschen Gleisansagen lauschen, wie sie sogleich nach anderen Ukrainer*innen suchen und sie fragen: War das für Przemysl? Przemysl ist eine Kleinstadt an der polnisch-ukrainischen Grenze, von der aus Züge in die Ukraine fahren. Jede*r ukrainische Geflüchtete kennt den Namen dieser Stadt.
Ich fahre von Heidelberg nach Berlin und steige um in den Zug nach Przemysl. Von dort aus habe ich ein Zugticket nach Kyjiw. Es ist sehr schwierig, Tickets für die Strecke Przemysl-Kyjiw zu bekommen. Sie werden 20 Tage vor der Abfahrt zum Kauf angeboten und sind innerhalb weniger Stunden ausverkauft. Mein Zug von Berlin nach Przemysl hat irgendwo mitten in einem Feld in Polen eine Panne. Es regnet in Strömen. Wir stehen seit knapp sechs Stunden auf der Stelle. Die Chancen, meinen Anschlusszug zu verpassen stehen hundert zu hundert.
Mit mir im Abteil sind zwei junge Ukrainerinnen mit Kindern. Eine Frau aus Odessa mit einer zehnjährigen Tochter und eine aus Irpin mit ihrem sechsjährigen Sohn. Diese beiden Frauen sind so verschieden wie Yin und Yang. Die erste redet ohne Unterlass, aus der zweiten kriegt man kein einziges Wort heraus. Die Frau aus Odessa fährt für zwei Wochen heim zu ihrem Ehemann, den sie seit anderthalb Jahren nicht gesehen hat. Sie hat einen riesigen schweren Koffer dabei, der ausschließlich mit Biergläsern gefüllt ist – Geschenke für den Mann und seine Freunde. Die andere Frau hat nur zwei kleine Rucksäcke. Unwillig und knapp sagt sie, dass sie zurückkehrt, für immer.
Die Frau aus Odessa ist groß, schön und lebensbejahend. Sie erzählt, wie sie die Alpen bestiegen hat, wie sie von ihrem kleinen Dorf aus 13 Mal umgestiegen ist, um dorthin zu gelangen. In Deutschland lebt sie in einem Ort, dessen Bevölkerung zu 80 Prozent russischstämmig ist. Sie sagt, dass man ihr manchmal »blöde Ukrainerin« hinterherruft, worauf sie nur verächtlich zurücklächelt. Dass die Russen den neunten Mai feiern, ein Lenin-Portrait an die Wand hängen, sich besinnungslos saufen, sowjetische Poplieder hören und zusammenhanglosen Unfug über die Erhabenheit Russlands lauthals von sich geben. Die meisten von ihnen sind arbeitslos und haben sich während all der Jahre in Deutschland nicht integrieren können.
Ich denke darüber nach, dass sie in ihrer Blase wie in einer Konserve leben und den Geist der Sowjetunion sorgsam bewahrt haben. Dass ihr Leben in dieser Stadt nichts anderes ist, als eine moderne Variante von Gorkis »Nachtasyl«, das kaum jemand von ihnen überhaupt gelesen hat.
Meine Gedanken werden von der schweigsamen Frau unterbrochen, welche verlegen sagt, dass wir mit dem Schaffner reden müssen. Wir bilden eine Frauengruppe (fast alle Fahrgäste in unserem Waggon wollen in die Ukraine, nach Kyjiw), und gehen zu ihm. Unser Ziel ist es, ihn dazu zu bringen, die Bahnhofsleitung in Przemysl anzurufen und den Zugleiter des ukrainischen Zuges zu warnen, dass unser Zug Verspätung hat. Bestimmt werden wir ihm in den nächsten Stunden so auf die Nerven gehen, dass er sich in seinem Abteil vor uns verstecken wird. Der polnische Schaffner spricht leider kein Englisch, nur Polnisch. Polnisch spricht eine Polin, die nach Przemysl fährt. Deutsch spricht sie auch. Die Kommunikation mit dem polnischen Schaffner verläuft so: die schweigsame Frau aus Irpin stellt eine Frage auf Deutsch, die Polin, die schon länger in Deutschland lebt, übersetzt sie auf Polnisch, und so geht es immer hin und her.
In Przemysl kommen wir um zwei Uhr nachts an, anstatt wie geplant um acht Uhr abends. Wir rennen wie die Verrückten zum polnischen Zoll. Unser Zug wartet auf uns. Ganze zwei Stunden wartet der ukrainische Zug auf seine Mitbürger*innen. Später erfahre ich, dass dies schon zur Tradition geworden ist.
Am nächsten Morgen erblicke ich mein Kyjiw. Die Stadt ist fast so, wie ich sie noch aus meiner Kindheit kenne. Mein erstes Gefühl ist, als ob ich in Papas Arme falle, der gekommen ist, um mich vom Kindergarten abzuholen. Mit dem kleinen Unterschied, dass sich ringsum viele Menschen in Militäruniform befinden. Ein junger Mann ohne Arm zieht meinen Blick auf sich. Reflexartig lege ich eine Hand aufs Herz und flüstere: »Ich danke dir.« Er nickt.
Ich verabrede mich mit einer Freundin. Auf dem Weg zu ihr gehe ich zum Markt, um Früchte zu kaufen. Es ist Sommer, und die Erntesaison hat begonnen. Ich wähle die besten reifen roten Äpfel aus. Neben den Äpfeln liegen Zucchini. Die Verkäuferinnen quatschen miteinander. Aus ihrem Gespräch erfahre ich, dass der Sohn einer der Frauen an der Front ist und sich schon seit einer Woche nicht gemeldet hat.
»Nehmen Sie doch ein paar Zucchini mit«, sagt sie zu mir. »Die sind wirklich gut.«
Ich gehe den Chreschtschatyk entlang, der mir so vertraut ist. In meiner Tasche liegen ein Kilo Zucchini, die ich nicht brauche. Ich gehe vorbei an großen Plakaten mit Portraits gefallener Soldat*innen, vorbei an ukrainischen Fahnen mit den Namen gefallener Soldat*innen. Ich denke an die Bedeutung des Wortes Krieg. Krieg ist, wenn das Wort »Frieden« an tieferem, konkreterem Sinn gewinnt. Als ich 15 war, trieb meine Großmutter mich immer zur Weißglut, als sie mich mit Brot vollzustopfen versuchte. Ich wollte einen schönen, kleinen Po haben, aber meine Großmutter hatte den Holodomor überlebt. Das Wort »Stille« hat ebenfalls einen tieferen Sinn. Ich erinnere mich, wie mein Großvater am Fenster stand, als ich noch klein war. Er schaute hinaus auf die Straße und sagte »still«. Dieses »still« war ein Echo aus dem zweiten Weltkrieg, den er noch miterlebt hat. Das Wort »Frieden« hat nun einen besonderen Beigeschmack für mich. Ich erinnere mich an das blaue Kleid mit kleinen Blümchen, das ich in meiner Kindheit hatte, an den Löwenzahn, der hinter unserem Haus wuchs, und an den frischen Geruch des Asphalts, den man früh morgens mit Wasser begossen hat, welches unter den Strahlen der Sommersonne verdunstete. »Frieden« – dieses Wort klingt für mich jetzt wie das »Looove«, das Robert Plant in seinem Lied »Whole Lotta Love« röchelnd herauskeucht.
Ich treffe mich mit meiner Freundin. Vor dem Krieg war sie Kulturmanagerin. In den ersten Tagen der Invasion verließ sie mit ihrem Kind das Land. Ihr Mann, ein Filmschnittmeister und Musiker, ging an die Front, wurde zum Kompaniechef. Wir sitzen am Ufer eines Sees und trinken Wein. Ohne auf den Luftalarm zu achten, gehen die Leute baden. An den Alarm gewöhnst du dich innerhalb weniger Tage. Wir trinken Wein, und für einen Moment scheint alles so zu sein wie früher. Die Tochter meiner Freundin geht baden.
»Sie geht wie ihr Papa«, bemerkt meine Freundin.
In dem einen Jahr, dass sie in Österreich verbrachten, hat das Kind Deutsch gelernt und spricht jetzt deutsch wie aus dem Maschinengewehr geschossen. Ihre Mutter kehrte zurück, nachdem ihr Mann bei Bachmut gefallen ist, einen Tag vor der Rotation.
Wir starren in den Sonnenuntergang. Meine Freundin dreht sich mit ihrem Profil zu mir. Ihre Gesichtszüge sind graziös, wie die eines Models. In ihren Augen ist etwas, was ich nicht benennen kann – etwas, was sich nie verändern wird, wie ein erstarrter Kristall. Sie sagt, dass ihr Mann der letzte Mann in ihrem Leben sein wird, dass ihre Tochter wissen muss, dass ihr Vater ein Held war, dass es ihr hier besser ergeht, als im friedlichen Österreich. Die Sonne geht unter. Wir gehen die Treppe hoch in ihre Wohnung im zehnten Stock. Kyjiw ist so wunderschön. Die Tochter zeigt mir eine Schere und sagt, dass sie dem Papa gehört. Ich versuche, meiner Freundin nicht in die Augen zu sehen. Ich weiß nicht, wie es ist, in einer Wohnung zu leben, in der alles von deinem Mann zeugt, dessen Züge du jeden Tag in deiner Tochter erkennst. Bald ist es Mitternacht. Das bedeutet, dass ich mir schnell ein Taxi rufen muss, um es noch bis zur Ausgangssperre nach Hause zu schaffen. Eine Taxifahrt kostet für so eine Langstrecke etwa 10-15 Euro. Meine Freundin sagt, dass sie sich hinlegen werden, um vor Beginn des Luftalarms einzuschlafen. Um ihn nicht zu hören. Um auszuschlafen.
Kurz vor Mitternacht bin ich wieder zu Hause. Der verdammte Luftalarm geht los. Ich verfluche unsere Feinde. Ich gehe schlafen mit der Hoffnung, dass unsere Luftabwehr den russischen Tod abschießt, dass niemand von meinen Mitbürger*innen heute Nacht stirbt, und dass meine Freundin und ihre Tochter ausschlafen können.
Жовтень 2023
Український маршрут
Довга дорога додому – одна з рис війни. Довга – в буквальному сенсі. Для прикладу – шлях з Франкфурту-на-Майні до Києва до початку російського вторгнення в Україну займав біля двох годин літаком. Сьогодні - це кілька діб. Можна трястись в автобусі 36-50 годин або їхати потягами. Українським маршрутом додому через країни ЄС кожного дня сотні жінок тягнуть дітей, валізи та надію, що потяги не спізняться. Проте «Надія» – як німецька залізниця – чого від неї чекати не можуть сказати навіть самі залізничники. Наших на пероні я впізнаю одразу. – По невпевненості в очах, по манері прислухатися до об’яв німецькою, по тому, як вони одразу відшукують своїх та перепитують – це ж на Перемишль? Перемишль – прикордонне місто в Польщі, з якого ходять потяги в Україну. Його назву знає кожен український біженець.
Я їду з Гейдельбергу до Берліну, потім пересаджуюсь на потяг до Перемишля. Вже звідти маю квиток на потяг до Києва. Взяти квитки на рейс Перемишль-Київ складно. Вони з’являються за 20 днів до відправлення і розбираються за лічені години. Мій потяг Берлін-Перемишль ламається десь посеред польського поля. Лупить дощ. Ми стоїмо біля шести годин. Мої шанси не потрапити на свій рейс дорівнюють ста відсоткам зі ста.
Сусідки по купе – дві молоді співвітчизниці за дітьми. Одеситка з донькою десяти років та дівчина з Ірпіня з сином шести років. Одестика та ірпінчанка – розрізняються як інь та янь. Перша говорить не замовкаючи, з другої слова не витягнеш. Перша їде на два тижні на побачення з чоловіком, якого не бачила півтора року, і тягне з собою величезну важку валізу, у якій лише скляні кухелі – подарунок чоловікові та його друзям. У другої –
два маленьких рюкзаки. Вона скупо видавлює, що повертається назавжди.
Одеситка висока гарна та життєствердна. Розповідає, як лазила в Альпи, як їхала до них зі свого містечка з тринадцятьма пересадками. Що у Німеччині живе у місті, де мешкає 80 відсотків росіян, що періодично вони вслід їй кричать «хохлушка», а вона презирливо сміється у відповідь. Що росіяне відмічають 9 травня. Вішають портрет Леніна на стіну, напиваються до стану м’яса, слухають пісні радянської попси і кричать муть про величність росії - більшість з них безробітні, за роки життя в Німеччині вони так і не інтегрувалися. Я думаю, про те, що вони живуть у своїй спільності – як в консерві, ретельно зберігаючи дух радянського союзу. І життя в цьому місті - обгрейджений варіант «На Дне» Горького – російського письменника, якого навряд чи хтось з них читав.
Мої роздуми перериває мовчазна дівчина, яка нервово каже, що треба поговорити з провідником. Ми формуємо делегацію з жінок (більшість нашого вагону їде в Україну і всі ми пасажири потягу, який має їхати до Києва) і йдемо до провідника. Мета – змусити його додзвонитися до керівництва залізниці у Перемишлі і попередити начальника українського потягу про спізнення. Ми так задовбаємо його за кілька годин – що він буде ховатися від нас у своєму вагоні. Польський провідник не знає англійської він говорить лише по-польські. Польську знає полька, яка їде до Перемишля і вона ж знає німецьку. Тож спілкування з польським провідником відбувається таким чином - наша мовчазна сусідка ставить запитання німецькою, їх перекладає полька, яка давно мешкає в Німеччині на польську, і так по колу.
Замість восьмої вечора ми прибуваємо до Перемишля о другій ночі. Ми біжимо як навіжені до польської митнці. Наш потяг чекає. Український потяг чекає своїх громадян довгі дві години. Згодом я дізнаюсь, що це вже стало традицією.
Зранку бачу мій Київ. Він майже такий як в дитинстві. Перше враження ніби я падаю в обійми тата, який прийшов мене забрати з дитсадка. Лише навколо багато людей у військовій формі. Кидається в очі зовсім молодий хлопець, в якого немає руки. Я автоматом прикладаю руку до серця і шепочу «дякую». Він киває у відповідь.
Домовляюсь зустріти з подругою. По дорозі заходжу на базар купити фруктів, бо літо і якраз пора врожаю. Вибираю стиглі червоні яблука. Поряд лежать кабачки. Продавщиці переговорюються між собою. З їхньої розмови випливає, що у одної син на фронті, він не подавав про себе вісточку вже тиждень.
– Беріть кабачки, - каже вона мені. – Хороші кабачки.
Я йду таким рідним Хрещатиком та тягну кіло непотрібних мені кабачків, проходжу повз великі портрети військових, які загинули, повз сотні українських прапорів, з іменами військових, які загинули. Я думаю про те, що війна - це коли слово «Мир» наповнюється буквальним сенсом. Голод - коли слово «Хліб» наповнюється сенсом, коли мені було 15, то бісило, що бабуся намагалася напхати мене хлібом, я ж хотіла мати пласку дупу мінімального розміру, а вона пережила Голодомор. Слово «Тиша» - теж має сенс. Згадалося як дід в дитинсві стояв біля вікна, дивився на вулицю і потім сказав "тихо" - його тихо було відгуком другої світової війни, яку він знав. Слово "Мир" має свій присмак для мене тепер, згадується блакитна у маленькі квіточкі сукня з дитинства, кульбабки, що росли за домом, та свіжий запах асфальту, який зранку полили водою, яку випарюють промені літнього сонця. "Мир" для мене звучить зараз так як "Looove", котру з хрипом вихаркує Плант у Whole Lotta Love.
Я зустрічаюсь зі своєю подругою. До війни вона була культурною менеджеркою. В перші дні вторгнення виїхала з дитиною за кордон. Її чоловік, режисер монтажу та музикант, пішов на фронт. Став там ротним. Ми п’ємо вино, сидячи на березі озера, не зважаючи на повітряну тривогу народ купається. До «повітря» звикаєш за лічені дні. Ми п’ємо вино, і на секунду здається, що все як раніше. Донька подруги йде купатися.
– В неї манера ходити, як у тата, - констатує подруга.
За рік проведений в Австрії дитина засвоїла німецькою і говорить нею ніби строчить з кулемета. Подруга повернулася після того, як її чоловік загинув під Бахмутом. За день до ротації.
Ми втичимо у те, як сідає сонце, подруга повертає обличчя у профіль. Він у неї точений, як у моделі. В очах є щось таке, назви до чого я не можу підібрати – щось що ніколи не зміниться, як застигла слюда. Вона говорить про те, що її чоловік був її останнім чоловіком у її житті, що донька повинна знати, що її тато був героєм, що їй тут краще, ніж в мирній Австрії. Сонце сідає. Ми підіймаємося до неї в квартиру на десятий поверх. Київ такий гарний. Дитина показує мені ножиці і каже, що це татові. Я намагаюсь не дивитись на обличчя подруги. Я не знаю, як це жити в квартирі, де все про твого чоловіка, риси якого ти ловиш у вашій донці. Скоро буде дванадцята і це значить, що мені треба терміново викликати таксі, щоб встигнути до комендантської години додому. Таксі в Києві ходить регулярно і коштує на далеку відстань біля 10-15 євро. Подруга каже, що вони з донькою будуть лягати спати, щоб встигнути заснути до повітряної тривоги. Щоб її не чути. Щоб виспатися.
Близько дванадцятої я заходжу додому. Звучить довбана повітряна тривога. Я кляну ворогів. Лягаю спати з надією, що наші ППО відіб’ють російську смерть, ніхто з моїх співвітчизників цієї ночі не загине, а моя подруга та її донька виспляться.